Licht im Tunnel

(aus der Session Nr. 1)

Die Viren fliegen tröpfchenweise durch den Herbst. Für Musiker*innen und alle, die irgendwie mit Veranstaltungen zu tun haben, eine einsamer Zeit. Auch etwas düster. Dennoch! Es gibt Licht! Licht im Tunnel und das in tiefster Nacht, tief unter der Spree.

Ein erster Take aus der ersten Tunnelsession. Weitere folgen in Kürze auf Soundcloud und Bandcamp:

Improvisiert von Friedrich Bassarak (Akkordeon) und Paul Geigerzähler (Geige/Quinton)

Ton und Mischung: Chris
Bilder: Clara

Der 50. und letzte Kopfstand

Liebe Kopfständische,

wie einige schon bemerkt haben, gab es noch gar keine Infos zum nächsten Kopfstand. Das hat einen Grund: Der November-Kopfstand wird nicht stattfinden. Das wiederum hat auch einen Grund: Wir werden nach 50 Kopfständen den Vorhang unten lassen. Die Dezember-Folge wird die letzte sein.

Es macht uns unendlich traurig, das bekannt zu geben, aber es stimmt wohl: Jedes Projekt hat seine Zeit, seinen Anfang und eben auch sein Ende. Das Ende des Kopfstands ist gekommen. Gründe dafür gibt es natürlich, aber die gehören nicht in diesen Text.

Was stattdessen in diesen Text gehört: Wir hoffen, euch am 3.Dezember ein fulminantes, fantastisches und würdiges Finale liefern zu können und verbleiben mit einem lachenden und einem weinenden Auge.

Euer Kopfstand (Sahara b, Geigerzaehler und der Papst)

Räumung im Herbst

Es nieselt so herbstlich. Ich sollte mich freuen für die halbtoten Bäume am Straßenrand, sage ich mir, doch es gelingt nicht. Die zweite Coronawelle nimmt langsam Gestalt an. Soll ich mich auf dunkle Tage im Lockdown freuen? Auf die physische Isolation?

In diesen Herbst nebst Coronawelle hinein werden am Freitag die Bewohner*innen Liebig 34 geräumt werden, dem Corona-Räumungsmoratorium zum trotz. Mehrere tausend Bullen werden aus dem ganzen Bundesgebiet herangekarrt, Kletterspezialisten und SEK. Sie werden ein paar Straßenzüge absperren und dann gehts los. Sie werden – wenn kein Wunder geschieht – ihr zerstörerisches Werk verrichten und ein Hausprojekt aus der Welt räumen, das in seiner Einzigartigkeit schon seit 30 Jahren im Kiez existiert. Wir werden sie behindern so gut es geht, werden den politischen und konkreten Preis der Räumung hochtreiben. Ein wenig haben wir das schon geschafft. Von dem Kostenaufwand für die Räumung könnten wahrscheinlich mehrere Ersatzobjekte für die Liebig 34 geschaffen werden. Aber das Privateigentum ist heilig im Kapitalismus und diese Räumung ist auch eine Machtdemonstration an alle, die sich etwas Besseres auch nur vorstellen.

Da sind noch die Strohhalme, dass die politischen Kosten zu hoch sind und doch noch eine politische Lösung verhandelt wird. Oder dass sich die rechtlichen Zweifel an der Räumung verstärken. Strohalme, zu dünn und flüchtig. Aber an was sonst klammern?

Das alles ist nicht neu. Wir hatten die ganze Scheiße schon im Kiez und zwar mehrfach. Als die westdeutsche Staatsmacht in der Mainzer Straße zeigte, wer der neue Herr im Hause ist und dabei nicht zuletzt auch Vertreter*innen der DDR-Opposition, die sich für eine Verhandlungslösung einsetzten mit dem Wasserwerfer wegspritzte, war ich zu jung. Die Räumungswelle Mitte bis Ende der 90er, der in Friedrichshain das besetzte Haus in Altstrahlau, die Palisadenstraße, die Niederbarnim, die Kreutziger 21, die Rigaer 80 und die Scharnweber 28 zum Opfer fielen, habe ich als Jugendlicher erlebt und bekämpft. General Schönbohm, der direkt vom Militär zum Innensenat gewechselt war und gern auch immer wieder Artikel in der „Jungen Freiheit“ schrieb, ist mir in denkbar schlechter Erinnerung. Möge er in der Hölle schmoren (falls es das gibt, was ich für eher unwahrscheinlich halte)!
Es folgten Brände in der Rigaer 84 und die Räumung der Liebig 14 vor knapp 10 Jahren. Die Liebig 14 war ein eigentlich recht unspektakuläres Projekt mit sehr heterogener Bewohner*inneschaft. Sie wurde am Anfang der Anti-Räumungskampagne auch gern mit der gegenüberliegenden Liebig 34 verwechselt, die einfach auffälliger war und eine bekannte Kollektivkneipe ihr Eigen nennen konnte – das XB-Liebig. Dennoch wurde die Liebig 14 zum Symbol und das Räumungszenario von damals scheint mir dem der Liebig 34 ziemlich ähnlich zu sein. Auch bei der Liebig 14 gab es im Vorfeld ein mediales Sturmreifschießen seitens der Boulevardpresse, zum Teil auch von Tagesspiegel und Morgenpost. Allerdings gab es auch Gegenwind, manchmal in großen Medien. Als die Liebig 14 geräumt wurde, war Rot/Rot am Ruder. Grün fehlte noch. Die Räumung hat dann der Linkspartei massiv bei den darauffolgenden Wahlen geschadet (neben anderem, z.B. der Sparpolitik, dem Verkauf städtischer Wohnungen etc. Für all das hätte man auch gleich die CDU wählen können). Für die Räumung wurden etwa 2500 Bullen eingesetzt, die dennoch bis um 12 brauchten, bis sie das Haus vollständig unter Kontrolle hatten, nicht zuletzt wegen ein paar mit farbigen Flüssigkeiten gefüllten Wannen, die Panik auslösten. Die Flüssigkeit stellte sich am Ende als gefärbtes Wasser heraus. Stadtpolitisch hat hat die Liebig 14 – Räumung eine ziemliche Schneise gezogen. Ich denke auch, dass sich der Widerstand gelohnt hat – nicht in erster Linie für die Liebig 14 selbst, aber zum Beispiel für den etwa 1 Jahr später bedrohten Schokoladen in Mitte, bei dem sich dann die Politik beim Finden einer Verhandlungslösung sehr viel mehr Mühe gegeben hat. Den Schokoladen gibt es immer noch.

Es ist Herbst. Es nieselt. Wartend auf Räumung und Coronawelle könnte ich erstarren und versinken. Doch dazu ist jetzt keine Zeit. Es ist Zeit, auf die Straße zu gehen und zu machen was geht. Und etwas wird gehen, denn auch die Gegenseite kocht nur mit Wasser. Also los! Wir sehen uns auf den Barrikaden!

Kopfstand 49

+++ Du willst vor Ort dabei sein? Bitte schreib an post@kopfstandlese.de +++ Livestream: funk.supamolly.de +++

OMG! Die lesendste Bühne der Welt meldet sich aus dem Sommerpausen-Homeoffice zurück. Im Gepäck hat sie eine neue Staffel, ein Hygienekonzept und hin und wieder Gäste, eine toller als der andere. Im momentan angesagten Genre der Hybridlesung werden wir vor kleinem Präsenz-Publikum lesen und für den Rest der Welt wie gehabt livestreamen. Eines sei vorab gesagt: Diese Staffel wird natürlich die absolut beste, die wir in fast sechs Jahren Kopfstand-Geschichte jemals hatten. Wir können es kaum erwarten. Damit wir alle auf dem aktuellsten Stand der Geschichte sind, gibt’s ab dem 28.09. ein kleines „Was bisher geschah“ zum Nachschlagen und vielleicht auch -hören (Podcasts sind ja voll angesagt haben wir mitbekommen).

Wer am 1.10. beim Kopfstand #49 physisch präsent dabei sein kann und möchte, möge bitte eine Mail an post@kopfstandlese.de schreiben. Alle anderen mögen sich ab 20:30 auf funk.supamolly.de klicken.
Wir freuen uns schon einen Ast aus dem Eimer! Gerüttelt und nicht geschnürt, euer Kopfstand.

Live in Schwerin

Ein sehr schön gemachtes Video eines Konzerts in physischer Distanz:

Spendet gerne etwas Geld ans Komplex. Z.B. hier: https://dringeblieben.de/videos/kmplx-sessions-no2-geigerzahler

Schwerin Komplex

Letztens war ich in Schwerin. Die haben die im Komplex ein sehr kleines Konzert mit mir ziemlich aufwendig gefilmt. Das Ergebnis wird morgen um 20:00 auf Dringeblieben (hier könnt Ihr fürs Komplex spenden) Youtube, Facebook und Instagram ausgestrahlt. Vorab schon mal einen Teaser:

Circolo Vizioso – Isolation

Grunewald und der Graben

Bevor ich morgen in Grunewald spiele, möche ich nochmal auf den Mittwoch zurückschauen. Ich hatte die Ehre, für den „Verein zu Förderung antimilitaristischer Traditionen“ in Potsdam zu spielen. Anlass war eine kleine Feier zum 30. Geburtstag des Deserteursdenkmals am Platz der Einheit. Da lag es nahe, diesen Klassiker von Kurt Tucholsky zu spielen.

Der Graben

Mutter, wozu hast Du Deinen aufgezogen,
Hast Dich zwanzig Jahr’ um ihn gequält?
Wozu ist er Dir in Deinen Arm geflogen,
Und Du hast ihm leise was erzählt?
Bis sie ihn Dir weggenommen haben
Für den Graben, Mutter, für den Graben!

Junge, kannst Du noch an Vater denken?
Vater nahm Dich oft auf seinen Arm,
Und er wollt’ Dir einen Groschen schenken,
Und er spielte mit Dir Räuber und Gendarm
Bis sie ihn Dir weggenommen haben
Für den Graben, Junge, für den Graben!

Werft die Fahnen fort!
Die Militärkapellen spielen auf
Zu Eurem Todestanz!

Seid Ihr hin?
Seid Ihr hin?

Ein Kranz von Immortellen,
Das ist dann der Dank des Vaterlands!

Hört auf Todesröcheln und Gestöhne!
Drüben stehen Väter, Mütter, Söhne,
Schuften schwer, wie ihr, um’s bißchen Leben.
Wollt Ihr denen nicht die Hände geben?
Reicht die Bruderhand als schönste aller Gaben
Über’n Graben, Leute, über’n Graben!

Eine sehr schöne Version des Liedes mit Gisela May.

Wenn ich dieses Lied höre (oder jetzt spiele), muss ich immer fast heulen vor Wut, Trauer und Verzweiflung darüber, dass damals offensichtlich zu wenige Leute auf Tucholsky gehört haben. Verzweiflung vor allem, weil ich den Eindruck habe, dass das jederzeit wieder passieren kann.
Ich glaube, ich nehme dieses Lied auch mit ins ferne Westberlin. Neben der Reggaenummer, die ich da spielen muss. Bis dann.

Hippies und Nazis (Exkursion auf Abwegen)

Geschichte wird geschrieben, sagen sie. Aus Gründen konnte ich nicht teilhaben am welthistorischen Wendepunkt. Aber ein Bekannter ist durchgeschlendert. Ich hab mal seine Beobachtungen aufgeschrieben.

Anfangs am Bebelplatz. zwei Rentner getroffen auf Bawü. Hatten auf Xavier Naidoos Aufruf Händy nicht mitgenommen. Dafür kleines Funkgerät. Rentner fragen ob das da „Antifa-Faschisten“ sind auf der Kundgebung. Erklärt den Weg, das heißt schickt sie in die falsche Richtung. Bebelplatz: Bullen haben gekesselt und keinen auf den Platz gelassen. Sponti Richtung Alex. Erstes Heiko Schrang T-Shirt schon kurz hinterm Bebelplatz. Schrang T-Shirt und Amerikaflagge. Dann kommt Sponti etwa 300 Leute.
Durchschlagen bis zum Pariser Platz. Dort auch Antifa – Kundgebung. Dann fängt Zombiewalk an. Schrang Thirts, Amerikaflaggen,
Weiter zur Torstraße. Alle Zufahrtsstraßen gesperrt. Dort wieder 2 Rentner. Sehr alt. Haben auch Smartphone zu Hause gelassen. Aber Straßenkarte ausgedruckt. Polizeiautos, Wannen. Alles blockiert. Torstraße freigehalten. Rentner auf der Suche nach der Demo in der Torstraße.
Oranienburger Ecke Torstr. Da gings echt ab. Besonders schön: Straße gesperrt. Demo blockiert, Bullen drumrum, Nazis drumrum, lauter Verschwörungsmystiker drumrum. Vorne dabei: 3. Weg aber auch einige abgehalfterte 90er-Jahre-Skinheads mit sichtbarem Alkoholschaden, kombiniert mit „Identitären“ mit schickem Haarschnitt. Dann noch 1,90 durchtrainierter Typ mit Camouflageklamotten. Und QAnon – Leute. Richtig viele.
Conteraktion 10 Jusos. Rufen Alerta, Alerta, Antifascista! Vor den Jusos psychisch verwirrter weißhaariger Mann mit weißem Haarkranz um die Glatze, der die Jusos beleidigt. Wird vom Rest angefeuert.
Hippies mit Clownsnase neben III Weg – Nazis – sie scheinen sich zu mögen. Dann Vater und Sohn im schönsten „Heil Corona“ – T- Shirt von Nazi-Liebig aus Halle.
Alles voll mit Reichsflaggen. Dann wieder Amerika – Fahnen. Weiße T-Shirts mit mit „Querdenken“ und zwar mit Ortsnamen und Vorwahl drauf zur Identifikation. Kostenpunkt 30 Euro. Wirnerfahnen. Russlandfahnen. Putin, Putin – Sprechchöre. Auch jede Menge Neonazis mit entsprechenden Tatoos. Rapper, der einen Livestream in sein Händy einspricht, umgeben von Bullen. Nazispärchen aus Limburg an der Lahn mit schon ausgewaschenem Querdenkertshirt. Behaupten, sich das alles nur anschauen zu wollen.
Vereinzelt auch Leute mit Maske, die versuchen, durch die Polizeiabsperrung wieder in die Demo reinzukommen. Gespräche: „Jetzt gehts am Reichstag gleich weiter“.
Dem Tip gefolgt. Am Bundestag alle Brücken über die Spree gesperrt. Beim Versuch selbst die richtige Brücke zu finden in den „Querdenkerverband Düsseldorf“ hineingelaufen. Teilweise oben ohne, mit Bier in der Hand, grölend. Wie Fußballfans der unangenehmeren Sorte, sie sich jetzt die Politik zum Saufen ausgesucht haben.
Doch Brücke gefunden. Vorm Reichstag. Zombieparade. Spielen Bob Marley, Sarah Lesch und viele andere eher progressive Künstler. Erweckungsgefühl über der Zombie – Nation. Am Compact – Pressestand vorbeigemogelt. Ziel Bundestag. Bekannte getroffen im Coronawahn. Hippiemusiker. Interkulturell durchaus aufgeschlossen. Nach Nazis gefragt. Wie sie mit denen demonstrieren können.

- Nazis? Wo denn?
- Na da!

Auf die nächsten Nazis gezeigt.

- Nee, das sind doch keine Nazis.
- Doch da. Heiko Schrang T-Shirt.
- Der is kein Nazi.
- Aber der hat doch mit Martin Sellner…
- Ok. Vielleicht. Aber Deutschland hat noch immer keinen Friedensvertrag.

Mitten durch Rentner mit Kaiserreichsflaggen bis zur Siegessäule. Kurz chillen. Ein Blick zum Verkaufsstand. Jemand sagt: „Es sind mehr da als letztes Mal, aber weniger als bei der Black Lives Matter – Demo.“ Also keine Phantasiezahlen mit tausend Nullen, so ganz intern. Großer technischer Aufwand. Teurer Spaß.
Verschiedene Aufrufe sich von Rechts und Linksextremisten zu distanzieren. Applaus. Danke Polizei: Applaus. Müller und Geisel Rücktritt: Publikum rastet aus. Wollen „Verfassungsgebende Versammlung“ einberufen. Applaus.
Haben jede Menge Anwälte am Start.

Spannend drei Typen. Schlabberlook. Hätte man vor ein paar Jahren vom Kleidungsstil links eingeordnet. Haben aber Schwarzweißrot am Hut. Reden davon, weder links noch rechts zu sein, freie Meinungsäußerung ist wichtig. Findet auch die Antifa in Ordnung, obwohl sie seinem Patenonkel die Scheiben eingeschmissen habe, nachdem der eine Rede bei Pegida gehalten hat. Aus Dresden. Die Schwarzweissrote Fahne ist nicht rechts. Genau wie die „Identitären“. Hat er sich lange mit beschäftigt. Seinen Youtube-Kanal wollte er nicht verraten. Er hat ganz viele Kanäle.

Am Rande. Hooligan geht pöbelnd weg und sagt: „Ich fahr doch nicht jetzt das 10. Mal nach Berlin. Langweilig hier! Kindergarten“

Zurück zu Hause. Kreuzberg. Köfte essen. Endlich nicht mehr auf bescheuerte T-Shirts achten. Denkste. Zwei Typen mit NWO WHO – Thirts kommen vorbei.

- Wart ihr auf der Querdenker – Demo?
- Ja.
- Wo kommt ihr her?
- Aus Bayern.
- Da wäre ich aber vorsichtig, hier in Kreuzberg.

Typen verschwinden. Auf Nimmerwiedersehen?

Statt mich welthistorischen Ereignissen zu widmen, hatte ich heute etwas Zeit, gedruckte Presse zu lesen. Da ist mir ein Artikel aufgefallen, der die Schwierigkeiten der Linken im Umgang mit der neuen Massenbewegung in rechter Hegemonie (so würde ich es fassen), ganz gut herausarbeitet. „Linke, die nur Rechte sehen – die Anti-Corona-Demonstrationen und die Sprachlosigkeit progressiver Kritik.“ von Gerhard Hanloser. Auf Twitter wurde ich sogleich darauf hingewiesen, das Hanloser die Bedeutung dieser Bewegung überschätzt. „Trotz bundesweit beworbenen Sturm auf Berlin: 50.000. So viele gehen auch zu Hertha.“ Das mag sein. Dennoch. Die tradierten Antifa – Strategien kommen angesichts des Spektrum und der Bewegungsdynamiken der Gegenseite an ihre Grenzen. Zumal der Müll ja zum Teil wirklich unangenehm weit ins eigene bzw benachbarte Milieus ragt. Das schreit nach neuen Wegen. Nur welche? Nur wie?

Ansonsten finde ich, daß sich ein altes Lied von mir ganz gut gehalten hat. Damals, für diese sogenannte Friedensbewegung (is jetzt aber auch keine Lösung. Ein Statement, nun ja).

Antimilitaristisches Traditionskonzert im preussischen Disneyland

Zum Glück ist Potsdam nicht nur ein Touristenmagnet in preussisch Blau. Es gibt in dieser Stadt Leute, die sich mit großer Beharrlichkeit dagegenstellen. Hier seien die aus der linken DDR-Opposition hervorgegangene „die Andere“ und der „Verein zur Förderung antimilitaristischer Traditionen in der Stadt Potsdam e.V.“ genannt.

1990 kam das wohl umkämpfteste Deserteursdenkmal der Republik aus der Partnerstadt Bonn als Dauerleihgabe des Bonner Friedensplenums nach Potsdam. Bonn war damals Bundeshauptstadt und noch nicht bereit für ein öffentliches Gedenken an die Männer und Frauen, die sich dem Vernichtungskrieg der Wehrmacht entzogen und dafür verfolgt, eingesperrt und ermordet wurden. Aus den geplanten 6 Monaten sind nun 30 Jahre geworden, in denen viel passiert ist. Inzwischen sind die Urteile der NS-Militärjustiz pauschal aufgehoben und die Verbrechen der Wehrmacht als solche benannt. Die Wehrpflicht ist ausgesetzt. Aber deutsche Truppen beteiligen sich an Auslandseinsätzen. Das Denkmal für den unbekannten Deserteur ist in Potsdam sesshaft geworden. Es hat eine neue Tafel erhalten und ist ein wichtiger Treffpunkt für Demonstrationen und Aktionen geworden. Der Stein des Anstoßes ist aus Potsdam nicht mehr wegzudenken.

02. September 2020
18–20 Uhr
Platz der Einheit

Ansprachen, Erinnerungen, Informationen, historische Tonaufnahmen und Zeit für Gespräche

Musik: Paul Geigerzähler

Ich freue mich sehr, auf dieser schönen Openair – Veranstaltung zu spielen und grabe vor lauter Glück mal einen ganz altes Lied aus, dass ich während des 2. Irakkriegs geschrieben habe. Desertiert!

https://www.streambox.org/geigerzaehler/desertiert.mp3

(live in der längst geräumten Zürcher Kalkbreite)