Archiv der Kategorie 'Kopfstand'

Kopfstand 39

KOPFSTAND 35 & Tour de Saxe

Doors: 20:00
Show: 20:30

Ein Künstler-Elch tritt sein Stidpidem… Stipidu… Stipendidium an und versucht, bei einigen Crust-Punker-Wildschweinen ein Glas Rotwein zu bestellen.
„Erstmal Abstand“, sagt das Wildschwein.
Teile des Ordnungsamtes arbeiten für den nordkoreanischen Geheimdienst und sind dabei auf wundersame Weise in eine ominöse Politgruppe geraten.
„Mao“, sagt die Katze.
Ein Auftragskiller ist in die Jahre gekommen und bekommt von seinem Ziel eine Knarre an den Kopf gedrückt.
„Touché“, sagt das Ziel.
Ein Wolf sucht die Wahrheit, eine andere Person findet sie… werden sie sich treffen?
„Alles, was geschieht, ist richtig“, sagt der Spionagesatellit „Unseres großen Führers wachsames Auge im Himmel kennt keinen Schlaf“.

Warum wir gern im Osten spielen und lesen, haben wir vor etwa einem Jahr geschrieben. Deshalb einfach Daten:

14. 2. Plauen, 15. 2. Chemnitz, 16. 2. Dresden, 17. 2. Löbau

Besonders möchten wir auf das Konzert/die Lesung in Dresden hinweisen. Das ist eine Soliveranstaltung für Mission Lifeline, was wir mehr als unterstützenswert finden. Kommt in Scharen!

Regensburg, Freiburg, Chóśebuz

Heute fahre ich nach Regensburg um da mit Sahara KOPFSTAND EXPORT zu machen. Morgen gibts das ganze noch mal Freiburg/Breisgau, organisiert von der lokalen FAU.

Am Montag abend fahre ich dann nach Cottbus und spiele ein kleines feines Solokonzert in der Zelle.

Drugstore und Potse – kein Nachruf

Es ist brutal voll in der Potse. Es ist der wohl letzte Abend und außerdem spielt Pisse. Ansonsten ist alles wie damals. Der Hausflur voller trinkender punkiger Jugendlicher. Nur ich bin eben älter geworden. Zugleich fühlt sich alles ein bisschen an wie auf einer Beerdigung, vor allem wenn man den Drugstore betritt. Das Putzlicht strahlt auf die schon großenteils abgebaute Einrichtung, deren Reste in einem kleinen abgesperrten Bereich Richtung Pallasstraße liegen. Das Podest Richtung Potsdamer ist auch abgesperrt, aber erst teilweise abgebaut. Darunter liegt der Dreck von 40 Jahren, sind vielleicht noch Reste von Bommi Baumanns Kotze oder die weggeworfenen zu Staub zerfallenen Kippenstummel der großen Hausbesetzervollversammlungen der 80er. Wer weiß?
Über 40 Jahre Geschichte linker Jugend- und Subkultur in dieser Halle, in den 20ern in ultramoderner Betonbauweise erschaffen, dann Sitz der Berliner Verkehrsbetriebe, die dort noch gesessen haben, bis das Gebäude vor nicht allzulanger Zeit verscherbelt wurde wie fast alles. Man wollte ja sparen bis es quitscht und da muss man sich nicht wundern.
In den frühen 70ern kämpften Trebekids und AktivistInnen um ein Stückchen der 2 Etage, verhandelten, gewannen und bauten den Laden zu einem Jugendzentrum aus. In dieser Hinsicht ist sich das Drugstore bis heute treu geblieben und wird immer noch auch von Jugendlichen auf Trebe und in vergleichbar prekären Situationen genutzt. Eine gute Geschichte, eigentlich. An vielen anderen linken Orten ist jeder Faden zur Straße längst zerschnitten, falls er überhaupt jemals aufgenommen wurde.
Letzteres ist auch nicht die Geschichte des Verlierens und des Aus der Zeit gefallen seins, der das Drugstore dennoch genauso geprägt hat wie viele andere im Kontext verflossener linksradikaler Bewegungen enstandenen Zentren – eine Geschichte des Verlierens, die durchaus unterschiedlich sein konnte: Von leeren Räumen mit fast gespenstisch konsequentem Abfeiern vergangener kleiner Siege bis zur Überanpassung in sterilen Orten des Kommerzes oder sozialbürokratischer Problemverwaltung. Aber auch der in dieser Gegenüberstellung ersteinmal sympathische Mittelweg ist ein Teil dieser Verliererstraße:

Weil das Problem tiefer liegt. Weil alle diese Orte nach Regeln, ungeschriebenen Gesetzen und Funktionsmechanismen laufen, die in einer Zeit entstanden sind, wo eine Jugend mit vollem Recht gegen die Zumutungen, die Zwänge und die monotone Konformität im Fordismus rebellierte. In einer Zeit in der ein Reihenhaus und Kleinfamilie in Lichterfelde als Dank für ein angepasstes Leben und Arbeiten noch ein erreichbares Ziel war. Dazu das Versprechen, dass es den Kindern einmal besser gehen würde. Diese Kinder sind wir. Geht es uns besser?
Heute wird einfach gar nichts mehr versprochen – jedenfalls nicht dem ärmeren Teil der Gesellschaft. Stattdessen Angst! Wir sollen sehen wo wir bleiben. Statt Rebellion gegen die Zumutungen der Konformität überwiegt jetzt die Panik davor, abgehängt zu werden. Statt der Lust am Ausbrechen aus der organisierten Langeweile finden, wir uns im hektischen Rattenrennen um irgendeinen Job, irgendeine Absicherung, irgendeine Orientierung wieder und haben im vollem Lauf kaum Zeit festzustellen, dass das, was letztens noch subversiv und rebellisch war, heute nur noch ein bunter Farbtupfer in neoliberalen Allerlei ist. Vielleicht ist diese Rebellion auch deshalb häufig so ein Mittelschichtsding geworden, weil man sie sich leisten können muss.

Das Drugstore und die Potse haben die Kommerzialisierung ehemaliger Gegen- und heutiger Subkultur nicht mitgemacht. Das war sinnvoll und auf der Habenseite liegen schöne Konzerte, Partys und die Funktion der beiden Läden als eine Art Ausbildungsstätte für Selbstverwaltung. Trotzdem wäre es eine Lüge, angesichts der Möglichkeiten, von einer Erfolgsgeschichte zu sprechen. Wenn man sich vorstellt, was an den vielen Tagen an denen das Drugstore geschlossen hatte, möglich gewesen wäre könnte man heulen! Wenn man sich vorstellt, was das Drugstore hätte sein können mit besserer Anbindung an die Jugendlichen im Kiez – nicht zuletzt auch jene mit migrantischem Hintergrund – man möchte schreien!

Nun lässt es sich leicht reden vom schönen Friedrichshain aus. Reden über Dinge, die im Friedrichshain auch niemand wirklich hinkriegt und mit hässlichem Zeigefinger in Richtung der Aktivistinnen und Aktivisten, die meistens getan haben, was in ihrer Macht stand. Zudem bin ich an all dem auch mit schuld.
Ich entdeckte das Drugstore in der ersten Hälfte der 90er als recht orientierungsloser ostberliner Jugendlicher, der unbedingt Punk werden wollte und Anschluss suchte. Das in dieser Zeit schon etwas ausgezehrte und aus dem Zentrum gerutschte Drugstore gab mir den Anschluss. Im Drugstore verschwand ich in subkultureller Konformität, die ich ab einem bestimmten Punkt um so rigider nach außen vertrat. In meine eigentlich sehr kurze Zeit im Drugstore fallen zwei Dinge, die richtungsentscheidend waren. Das Scheitern der Zusammenarbeit mit Jugendlichen aus dem Kiez mit türkischem Background, die wir – westberliner Gymnasiasten wie ostberliner Punks – „die Lans“ nannten. Wir haben nicht viel Zeit damit verschwendet, darüber nachzudenken ob unser Blick auf diese Jugendlichen, der sich in der Bezeichnung ausdrückte, nicht auch etwas mit dem Scheitern der Zusammenarbeit zu tun haben könnte. Zweitens haben wir damals dafür gesorgt, dass das Drugstore noch lange nach uns gewissermassen monosubkulturell war, indem wir verhindert haben, dass Technopartys im Drugstore stattfinden konnten. Ich erinnere mich gut an die Soliparty eines besetzten Hauses mit Technoparty, bei der wir den DJ bedrängten unsere Deutschpunkplatten zu spielen. Der DJ war so cool, unsere Platten in seine Beats zu mischen und wir haben ihm nicht einmal Danke gesagt.
In dieser Zeit kamen wir auch auf die grandiose Idee im Drugstore zu wohnen und nicht nur das. Wir luden auch alle Straßenpunks ein es mit uns zu tun. Wir handelten in bester Absicht und wischten alle Bedenken der wenigen im Drugstore verbliebenen Altautonomen souverän beiseite. Schließlich waren wir die Straße und die Autonomen nervten sowieso mit ihren Moralin:

Ihr wisst genau was richtig ist
ihr wisst genau was gut für uns ist
ihr dreht uns das wort im Munde um
ich schreie laut und bin doch stumm
AUTONOME SOZIALARBEITER VERPISST EUCH!

Schrieb ich wütend vom Plenumstisch aufspringend an die Wand neben dem nasebohrenden Punk. Das war auch nicht nur falsch. Die Autonomen hatten ihre eigene Sprache und haben es wirklich nicht hingekriegt, uns ihr Zeug zu erklären. Dass sie uns nicht das Vögeln verbieten wollten, wenn sie von Sexismus sprachen, habe ich erst nach meiner Zeit im Drugstore begriffen. Es wäre nicht verkehrt gewesen, wenn mir das schon damals jemand vernünftig erklärt hätte. Aber wie sollten sie das denn machen? Die Welt erklären? Auch große Teile der westautonomen Szene hatten nach 89 Gewissheiten und Kompass verloren und mäanderten in einer eigenartigen Mischung aus Trotz, Resignation und moralischem Sendungsbewusstsein herum – wie sollten sie da desperaten Jugendlichen verständliche Erklärungen liefern?
Immerhin waren sie noch in der Lage unseren Selbstversuch im Drugstore zu wohnen, wieder zu beenden, bevor wir das Drugstore zu einem Haufen Schrott machen konnten.

Jenseits dieser Anekdoten hatten wir aber alle das selbe Problem. Wir rebellierten (und die Autonomen kämpften) gegen fordistische Konformität und wir begriffen nicht, das das, wogegen wir rebellierten längst auf dem absteigenden Ast war. Wir glaubten auszusteigen und richteten uns das Leben ein in einer Insel scheinbarer Selbstbestimmung und realer Prekarität – einer Insel, die – zumindest was die Prekarität betrifft – bald keine Insel mehr sein sollte.

Immer noch sind wir gefangen in subkulturellen Funktionsmechanismen, die schon lange nicht mehr greifen. Ein bisschen wie auf einem Kreisverkehr mit lauter Einbahnstraßen drumherum. Vor allem damit beschäftigt im Kreis zu fahren, diskutieren wir nur noch selten, was zu tun wäre um irgendwohin zu kommen. Noch seltener diskutieren wir, welche Ausfahrt wir, die bürgerlichen Verkehrsregeln brechend nehmen sollten oder ob wir womöglich nicht einfach den Kreisverkehr blockieren müssten, damit es Irgendwohin geht. Und dieses Irgendwohin? Suchen wir das noch wirklich oder ist es einfach nur ein subkultureller Code, diese Suche zu behaupten?

Insofern müssen wir hoffen, dass der Rausschmiss aus den alten Räumen auch eine Chance ist. Bei der Potse liegt diese im offensiven Umgang mit der Situation, in der Besetzung, im Drugstore könnten die neuen Räume womöglich auch dabei helfen, neuen Schwung zu entwickeln. Vielleicht werden Potse und Drugstore am Ende noch mal Vorreiter für etwas ganz Neues? Für etwas mit Sprengkraft und gesellschaftlicher Relevanz? So wie damals in den 70ern und doch ganz anders? Wer weiß?

Bleibt noch, dem Drugstore- und dem Potsekollektiv viel Kraft, Geschicklichkeit und Klugheit zu wünschen. Und natürlich auch ein bisschen Glück!

Ein Text aus dem Kopfstand Nr. 35
Danke @drugstoreberlin für das Bild. Hoffe, das geht klar.

Kommende Kopfstände…

…und ein GEIGERZÄHLER – Konzert:

23. 12. Sandförstgen/Borštka (bei Bautzen/Budyšin) – KOPFSTAND Export „Sturm vor der Weihnacht“ – JC

3. 1. Berlin – Supamolly – Kopfstand Nr. 35

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Kopfstand Export Mini – Tour:

18. 1. Regensburg

19. 1. Freiburg (Breisgau) – Kts

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21. 1. Cottbus/Chóśebuz – Als Geigerzähler in der Zelle

15. 2. Karl Marx Stadt – Kopfstand Export in der Zukunft

„Deutsche Gewerkschaften auflösen“

Anja aus dem Kopfstand denkt nach:

„Deutsche Gewerkschaften auflösen“, twitterte irgendein Typ, der sich selbst als linksradikal bezeichnete. Anja fiel vor Schreck fast ihr Rechner, den sie auf ihren angewinkelten, auf dem Kinderstuhl gegenüber liegenden Beinen geparkt hatte, auf den Boden. Dann hackte sie wütend etwas von der-dumme-Milchbubi-soll-erstmal-ein-Geschichtsbuch-lesen-denn-da-würde-er-erfahren-wann-in-Deutschland-zum-letzten-Mal-Gewerkschaften…. und so weiter in die Tasten.
Zufrieden lente Anja sich zurück und wartete auf Likes – Bestätigung für sich selbst, aber auch Bestätigung ihrer Hoffnung, dass die Linksradikalen noch nicht komplett hirnamputiert sind. Es leikte aber niemand. Waren die jetzt wirklich so bescheuert, wegen einer tatsächlich grauenvollen IG BCE – Demo am Hambacher Forst so einen ahistorischen Unfug gut zu finden?
Anja wäre gern dorthin gefahren. Natürlich nicht zu dieser IG BCE/RWE – Demo sondern zu den Klimaaktivisten. Natürlich zusammen mit der ganzen „Bürgerinitiative für die Wiederbewaldung des Grunewalds“. Es wäre überhaupt schön mal wieder was mit ihren Mitstreitern zu machen, anstatt als ausgebrannte Kampagnenmanagerin nur Job und Kinderbetreuung vor sich hin zu managen.
Immerhin hatte sie es zu #Unteilbar geschafft. Das war schon was gewesen. 242000 Leute auf den Straßen. Zwar demonstrierten sie für unterschiedliche Sachen – die Einen für irgendeinen irgendwie mehr oder weniger liberalen Status quo, die Anderen für den Kommunismus und die Anarchie und auch das wiederum in jeweils unterschiedlichsten Facetten und allem Dazwischen, das überhaupt vorstellbar war. Eine riesige unüberschaubare Menge, die immerhin Eines vereinte: Die Angst vor weiterem Rechtsruck und aufkommenden Faschismus. Anja machte das Hoffnung. Um so mehr, als auf der Abschlusskundgebung gerade den angemessen radikalen und kapitalismuskritischen Reden besonders laut applaudiert wurde oder als streikende Flugbegleiter und Flüchtlinge gemeinsam auf der Bühne standen. Da war das Motto regelrecht mit den Händen zu greifen. Da hatten die Organisatorinnen alles richtig gemacht, fand Anja.
Um so seltsamer war es, tags drauf, einige Kommentare auf Twitter zu lesen. Da zeichneten manche antideutsche Spezialisten, die an anderer Stelle auch öfter mal Sinnvolles schrieben, ein Bild der Demo als antisemitischen Mob. Bei welcher Demo waren die denn? fragte sich Anja. Sie hatte ein paar Splittergruppen mit komischen Transparenten gesehen, aber das fiel angesichts der Menschenmassen kaum ins Gewicht. Stattdessen auf der Hauptbühne eine deutliche Abgrenzung von antisemitischem Wahn.
Anderen war alles nicht radikal genug. Das konnte sie schon verstehen. Aber was nutzte eine Radikalität die hohldrehte wie ein Zahnrad ohne Gegenstück? Die nur noch Selbstbestätigung und Abgrenzung von denen war, die man als „die Anderen“ empfand? Was sollten die paar besonders konsequenten Linksradikalen machen, wenn sich nicht eine relevante Anzahl von Leuten nach links politisieren würde? Auf den Rücken liegend schlaue Texte zu schreiben und darauf zu warten, daß Björn Höcke Reichskanzler wird? Sich heroisch einknasten zu lassen?
Tatsächlich war es auch für Anja eine Überwindung gewesen, neben Jungliberalen in einer Demo zu gehen, ohne ihnen aufs Maul zu hauen. Aber denen konnten die Redebeiträge auch nicht gefallen haben. Insofern alles gut. Vielleicht könnten ja sogar die noch was lernen und ihre scheiß Partei auflösen.
Apropos auflösen. „Deutsche Gewerkschaften auflösen“. Dir hat Margeret Thatcher wohl ins Hirn geschissen!, dache Anja und wurde wieder sauer. Der wollte Linksradikaler sein? Es war ein verlorener Kohlenarbeiterstreik, der den Siegeszug des Neoliberalismus in Europa einleitete und es waren Minenarbeiter gewesen, die sich ihm zuerst widersetzten.Dass die Bewegung gegen Abbaggerung und Klimawandel richtig war, unbenommen. Aber was waren das für Leute ohne jede Emphatie für die BergarbeiterInnen? Linke? Linksradikale? AnarchistInnen?

Anja ging zum Plattenregal. Gundermann wäre jetzt das richtige…

Anja war nicht wegen diesen ganzen Neue Soziale Bewegungsthemen links geworden. Sie war links geworden, weil sie – beeinflusst von ihren Eltern – den schnellen Anschluss der DDR und den anschließenden Ausverkauf des Volkseigentums scheiße fand. Schon bald jedoch änderten sich die Koordinaten und in der ostdeutschen Jugendkultur enschied die Frage „Bist du für oder gegen Ausländer?“ über die politische Verortung. Natürlich war Anja „für Ausländer“, zugleich fand sie die Frage überhaupt falsch. Selbstverständlich hatten alle Menschen – ob „Ausländer“ oder nicht ein Recht auf ein Leben in Würde. Demgegenüber stand ein Wirtschaftssystem, das auf Bereicherung Weniger ausgelegt war. Anja organisierte sich in linken Gruppen um den Kapitalismus zu bekämpfen, wozu aber keine dieser Gruppen jemals kam, weil sie sich ihrer Haut erwehren mussten gegen eine gewalttätige Neonaziszene. Und fand sich jetzt zwischen selbsterklärten Linksradikalen wieder, die sich für soziale Kämpfe überhaupt nicht interessierten.
Aber zurück zu diesen Bergarbeitern. Das kannte Anja ja aus der Niederlausitz, wo sie Freunde hatte. Die hatten jetzt noch Arbeit in einem Rahmen, der einmal Normalität gewesen war. Also Arbeit, von deren Lohn man sich auch sein Häuschen bauen und etwas sparen konnte. Und es lag doch auf der Hand, was für Jobs sie kriegen würden, wenn der Tagebau stoppen würde. Der übliche prekäre Mist, wenn überhaupt. Insofern war es ein Leichtes für RWE und die Kohlelobby, das legitime Interesse dieser Arbeiterinnen zu funktionalisieren, zumal keine Linke und schon gar nicht die Ökohippies etwas zu dem Thema zu sagen hatten. Dabei wäre es ja vielleicht gar nicht so schwer – ganz harmlos und reformistisch – gleichwertige sichere Arbeitsplätze für die Bergarbeiter in den Forderungskatalog aufzunehmen. Oder eben RWE sozialisieren – das wäre doch mal was, ginge aber nur mit den ArbeiterInnen.!
Vielleicht sollte sie aber auch nicht mehr auch einfach nicht mehr soviel Twitter lesen. Das twitterten ja auch einige vernünftige Leute. Und wenn sie schon twitterte, dann sollte nicht solche Vollhonks ernstnehmen. Die waren ja sowieso irrelevant.
Vielleicht sollte sie endlich selbst zum Hambacher Forst fahren, sich einer Mieterinitiative anschließen, Oder die Liebig 34, die Potse, das Syndikat, die Meuterei und alle anderen verteidigen. Oder die FAU bei ihren Arbeitskämpfen unterstützen, die Nazis nicht am 9. November demonstrieren lassen… Es gab doch so viel zu tun in der realen Welt da draußen. Aber wann sollte sie das alles machen? Morgen vielleicht?

Anja schlief im Sitzen ein, wachte eine Stunde später mit Rückenschmerzen wieder auf, wankte ins Bett und konnte nicht mehr schlafen. Verdammt! Zu viel zu tun!

Update: Einen ganz guten Rundumschlag zum Thema Klimachutz und Klassenkampf gibt es mittlerweile im Lower Class Magazine.

Kopfstand XXXIII

/Wer hat nicht schon heimlich davon geträumt, an einem Assesment-Center teilzunehmen, das im realsten Flugsimulator der Welt – einem echten Flugszeug – stattfindet? Wer war nicht schonmal verheiratet und hat das einfach voll vergessen? Welcher Wolf wurde noch nicht mit Hundefutter bestochen? Wer hat sich denn nicht schonmal als Großsponsor einer aufstrebenden Partei und gleichzeitig als Geldgeber einer Elite-Kunst-Uni engagiert? Wer hat nicht bereits probiert, sich in einem Studiengang zu behaupten, der so artifiziell ist, dass man selbst für den Stundenplan einen Bachelor in Dadaismus (Bachelor of Dada-Arts) braucht? Und wer, wer hat nicht schonmal vor einem Schild gestanden und nur die Rückseite, also nichts, gelesen?

Das Team vom Kopfstand. Aber wir können trotzdem eine Menge darüber erzählen.//

Übernommen vom Kopfstand.

Kopfstand XXXII

Diesmal zu Gast: EVA SUPERTRAMP aus Wales und womöglich eine Überraschung:

Auf einer 3000 Hektar großen Baustelle stehen sich ein ehemaliger Auftragskiller, ein Milliardär und ein Wattwanderer gegenüber. Allerdings befinden sie sich alle im selben Körper. Darum herum versucht ein aufständischer Waschbären-Mob, die Baustelle zu besetzen. Bauarbeiter*innen streiken oder streiken gegen den Streik, arbeiten also aus Protest. Ein zugekokster Franchise-Nehmer stellt fest, dass seine Ex-Freundin nun seine Chefin ist. Ein einsamer Nerd empfängt seltsame Signale aus Nordkorea und ein Elch entdeckt den Künstler in sich. Eine Elchkuh erwacht in Utopia. Und eine Vodoo-Gottheit fragt sich, was all das mit ihr zu tun hat.

Aus dem Kopfstand – Blog

Vorwärts zum XXXII Kopfstand!

Die neue Kopfstand-Runde kann kommen! Unter Einsatz unserer geistigen und körperlichen Gesundheit haben wir jede Menge Ideen und Erkältungsviren miteinander geteilt und herausgekommen ist am Ende tatsächlich die Storyline für Staffel Nummer 5. Natürlich ist sie riiichtig gut geworden. Überzeugt euch selbst – am 4.10. gehts weiter!

Aus dem Kopfstand – Blog

Kopfstand in der Sommerpause und im Export

Liebe Leute, ein schönes Staffel-Finale wars am 3. Mai. Danke an alle, die da waren, danke an unsere Gäste „Esels Albtraum“ und an dieser Stelle mal ein besonderer Dank ans Supamolly für eine super Kopfstand-Saison. Danke für die Mühen, die Hilfe, die Räume, die Technik undundund…

Vorfreude ist bekanntlich die schönste Freude (oder?); und deshalb verabschiedet sich der Kopfstand nun auch in die Sommerpause. Weiter gehts dann am 4.10. Doch heißt das, dass ihr den Sommer ganz ohne uns verbringen müsst? Nein! Wir werden hier und da und dort mit unserem Best-Of-Programm namens „Kopfstand Export“ auftreten:

Z.B. mit Sahara B. und Geigerzähler am, 30. 5. in Münster, 2. 6. in Duisburg und am 3. 6. in Kassel.

Die aus dem „Papst, seiner Frau und sein Porsche“ und Geigerzähler bestehende Formation „Atze Wellblech“ wird am 15. 6. mal wieder aus die Bühne steigen. In Leipzig.

http://kopfstand.blogsport.de/