Archiv der Kategorie 'Kolleg_innen'

Phrasen & Staub (feat Julia Dimitroff)

Live auf dem Releasekonzert in der Zionskirche.

Rote Phrasen in den Reden
brauner Staub unterm Radar
die Neue Zeit ist fast für jeden
vergessen ist was früher war

Die Neue Zeit hatte Blessuren
war nicht mehr neu und schon kaputt
und zeitlos tickten Kirchturmuhren
da unten Staub und brauner Schutt

Die braunen Sprüche die betrunken
gelallt am Abend in der Stadt
sind gleich im Boden dann versunken
wo niemand sie gehöret hat

Die Neue Zeit – schon längst zerfallen
ein toter Fisch im toten Fluss
und laut hört man sie lallen
die Blaue Zeit – mit deutschem Gruß

Studioversion auf „Der Zeitstrahl ist zerbrochen“.

Zeitstrahlen

Zwischen Elend und Sorge fährt dampfbetrieben ein alter Zug. Wo fährt er hin? Vom zerbrochenen Zeitstrahl durch die Leere in eine blaue Zeit? Und wir? Mittendrin.

Vorerst hält er in Dystopia. Das ist in der Zukunft und ein bisschen auch jetzt. Doch wer möchte dort bleiben? Todas Schlagzeug und der Chor mit Uta Šwejdźic, Efa Supertramp und Iris geben ihm Kraft in die Vergangenheit zu fahren. Da war auch nicht alles besser: Agonie. Zwischen toten Fichten heißt es: Der Zeitstrahl ist zerbrochen – wieder mit Utas Gesang im Hintergrund. An einem Teich, irgendwo im Osten kann man Mückenlarvensagen lauschen bis Die Fee die Stille zerfetzt. Ein Hofnarr der Jetztzeit, behängt mit Schellen und Narrenkappe wagt einen Blick zurück auf vergangene Privilegien (unterstützt durch den bekannten Chor und eine zerbrechende Flasche). Wütend taucht trommelnd die Glückliche Kindheit auf und zerschellt in Phrasen und Staub. Wir halten inne und suchen Gestern Morgen nach den Gespenstern der Vergangenheit, die den Weg zur Zukunft verstellen. Der Text ist von Bini Adamczak aus dem gleichnamigen Buch. Die ganzen Fragen vergessend, machen wir uns auf in den Stadtbezirk Friedrichshain der 90er Jahre. Köterkacke reloaded ist ein Song der gleichnamigen Band, in der Toda damals schon getrommelt hat. Die Vergangenheit ist von mir – auch von mir. Ich hatte ein wenig herumgegeigt damals. Rest in Punk könnte jetzt nicht besser passen, hat aber einen viel traurigeren Hintergrund. Was soll das mit der Zukunft werden, wenn ich die Rollenmodelle der Vergangenheit nicht mehr um Rat fragen kann? Lasst uns Punk wieder zu einer Bedrohung machen! Köpi, Köpi, Köpi! Viva, viva, viva! Ansonsten nur Die Leere aber das ist eine andere Geschichte, die dringend eine Gegengeschichte benötigt: Einladung. Bleibt noch am Ende:

Unteilbar ist aber die Hoffnung
schaut nach vorne Stück für Stück
Unteilbar ist auch das Streiten
für Freiheit, Gleichheit, Glück!

AttitüdenPlattitüden

Schön war es im tiefsten Westberlin:

Ein Shanty, ein Plakat und ein altes Lied

Unterstützung für Deutsche Wohnen & Co Enteignen gibt es auf so vielen Ebenen. Zwei Beispiele: Der dezentrale Nachbarschaftschor „Enteignung Ultras“ hat ein hübsches Shanty gemacht.

Singt es aus allen Fenstern: What shall we do with Deutsche Wohnen? Enteignen!


Einige berliner Sorbinnen und sorbische Berliner haben die DW – Enteignen – Plakate ins Sorbische übersetzt und in die Welt geschickt. Es mag sein, dass die Übersetzungen ins Türkische, Arabische oder Russische wichtiger sind, aber trotzdem ist es ziemlich toll und hat auch einen kleinen, recht begeisterten Twittersturm ausgelöst. Eine schöne Geste ist es allemal und ein paar Stimmen der Berliner*innen mit sorbischem Background helfen sicher auch ein wenig.

Bein der Gelegenheit fällt mir ein: Wir hatten doch mal mit Berlinska Droha ein kleines Lied zum Thema (in dem es allerdings nicht um einen Konzern, sondern um einen nervigen, machtmissbrauchenden Einzelvermieter geht). Kein schlechter Moment, da mal wieder reinzuhören.

Achso. Das Gespenst der Enteignung gibts jetzt auch auf Spotify. Was mich übrigens sehr erfreut, dass das von mir sehr geschätzte Labournet.de unseren Song mit in das Dossier zu „Deutsche Wohnen & Co enteignen aufgenommen hat.

Liebeserklärung

Text von Daniil Charms. 30er Jahre. Sowjetunion.

Sprecher*innen: Clara & F. Bassarak
Geige/Quinton: Geigerzähler
Aufnahme und Mix: Chris

Aufgenommen in einer Coronanacht im Spreetunnel in Friedrichshagen.
Mehr Tunneltakes: geigerzaehler.bandcamp.com/

Wer schuld ist!

Gerade Wohnzimmeraufnahmen mit F. Bassarak gemacht. Wir haben uns gefragt, wer eigentlich schuld ist. Am schlechten Wetter zum Beispiel. Und wir haben auch die Antwort gefunden: Die Antifa! AUSRUFEZEICHEN!

Hintergrund: https://www.deutschlandfunk.de/sturm-auf-us-kapitol-die-antifa-und-die-linksradikale.1939.de.html?drn%3Anews_id=1213629

Kriminalitätsbelastete Ort in Nordhessen

Das is ja wie Weihnachten! Tonflation hat das Gefahrengebiet in den Kasseler Hauptbahnhof gebracht. Ich freue mich. Vielen Dank dafür!

Licht im Tunnel (Session Nr. 3)

Es geht ein bisschen durcheinander mit unseren Tunnelsessions. Das macht aber gar nichts. Die dritte Session haben wir zusammen mit Jana gemacht, die einen wunderbaren Gesang und improvisierte Texte beigesteuert hat. Für den Anfang ein Schnippsel.

…besetzen sowieso!

Ich habe mich im letzten Jahr und vor allem in den letzten Wochen ein wenig an der Planung und dem Aufbau einer kleinen Ausstellung in der alten Feuerwache an der Weberwiese zu den letzte über 30 Jahren Ostberliner Hausbesetzungsgeschichte beteiligt. Die Ausstellung ist im Moment nur virtuell und durchs Schaufenster zu sehen. Wenn ich auf sächsische Krankenhäuser blicke, verstehe ich auch warum. Wenn ich daran denke, wie sich für den „Standort Deutschland“ alle gegenseitig anhusten müssen, fällt mir das schwerer.
Zurück zur Ausstellung: Ihr könnt durch das Schaufenster Einiges sehen. Zu den Ladenöffnungszeiten leuchten Euch Fotos und Filme auf mehreren Monitoren entgegen. Nachts leuchtet immerhin das batteriebetriebene Hausschild der Liebig 34.
Ansonsten eben das Netz. Auf der Website https://besetzensowieso.de sind schon viele Texte und Bilder zu sehen. Täglich kommen weitere hinzu. Außerdem könnt Ihr Euch einen fotographischen Eindruck machen. Und dann ist da natürlich die gerade fertiggestellte filmische Ausstellungsführung, für die ich die Filmmusik machen durfte. Augenommen haben wir das direkt in der Ausstellung – der physische Raum ist also auch bei der Tonaufnahme immer dabei.

Im Zusammenhang mit der Ausstellung ist im Friedrichshainer Zeitzeiger auch ein kleines Portrait von mir erschienen.

Letzter Kopfstand

Vor einigen Jahren sagte ein weises Mitglied des Kopfstands: „Wir machen so lange weiter, bis der BER eröffnet wird – also für immer.“ Mit diesem Satz hatte er gleichzeitig Recht und Unrecht. Der BER ging am 4. November diesen Jahres in Betrieb – aufgrund des Schocks mussten wir den Kopfstand am 5. November ausfallen lassen. Hektisch wurde telefoniert, konferiert und diskutiert. Das Ergebnis: Wir sind eine verlässliche Lesebühne. Wir halten unser Wort. Diese Folge – es ist genau Nummer 50 – wird unsere letzte sein. Last but not least wird unsere durchgehend logische, realitätsnahe und äußerst übersichtliche Geschichte nach sechs Jahren ein Ende finden. Klingt komisch? Finden wir auch. Beschwert euch beim BER (bei dem es übrigens schon wieder reinregnet – wer weiß, was passiert, wenn er eines Tages wieder vom Netz gehen muss…).

Stolz schauen wir zurück auf 50 Folgen Wahnsinn, an die 1500 Seiten Text, absolut umwerfende Gäste, ein kompromisslos grandioses Team und ewige Schreib-Nächte voller Schweiß und Tränen. Schwitzt und tränt ein letztes Mal mit uns und seid mindestens so gespannt wie wir, wie die lesendste Bühne der Welt noch einmal all ihre dramaturgischen Geschütze auffährt. Klickt euch am 3.12. um 20:30 in unseren Audio-Livestream auf funk.supamolly.de

Auf zum großen Finale!
Euer Kopfstand