Archiv der Kategorie 'Gewerkschaft und Politik'

MACHT KAPUTT, WAS EUCH KAPUTT MACHT!

„RAW & DIRTY“ VIERTER TEIL:

Als ich letztens in der beim Verbot von Indymedia Linksunten von der Polizei heimgesuchten KTS in Freiburg gespielt habe, musste ich einfach dieses Lied covern.
Zum Hintergrund: https://netzpolitik.org/2017/wahlkampfmanoever-innenminister-verbietet-linksunten-indymedia-org/

Das Original (1970): https://www.youtube.com/watch?v=UwE8dlRnsio

Vierter Teil der Reihe „RAW & Dirty“.
Geschrieben für dem Kopfstand Nr. 24
http://kopfstand.blogsport.de/
Aufgenommen von Tom in der Traumstation im RAW in Berlin Friedrichshain. DANKE! http://www.traumstation.net/

Und jetzt hätte ich beinahe den dritten Teil vergessen:

Heini oder Terrorist?

Ich bin lange nicht mehr so wundervoll beschimpft worden. Is das Punk oder was? Diese kleine Collage ist auf jeden Fall ein gutes Futter für den nächsten Kopfstand:

Wie kann man einem solch selbstgerechten Idioten nur dieses Forum einräumen?. Hat m.E. etwas mit der Links-Verkommenheit von Teilen der Berliner Presse zu tun, was gerne als Liberalität verkauft wird. Dieser Heini schwingt sich zum selbstgerechten Richter der Zündler auf:: Autos von Leiharbeitsfirmen (wenn es die nicht gäbe, wären noch mehr arbeitslos) darf man abfackeln, Autos von Krankenschwestern nicht. Man hat ja vorher immer gefragt, bevor die Autos angezündet wurden. Und dann noch dieser Satz „Aber alles, was du schönmachst, wird sofort enteignet von der Immobilienwirtschaft.“ Enteignet kann man bekanntlich nur etwas, was einem anderen gehört. Und die Wohnungen gehören nun mal nicht den Mietern der Straße, sondern den Eigentümer, die vielleicht verkaufen wollen, weil sie keinen Bock mehr auf diese Stadt haben. Kauf bricht bekanntlich nicht Miete. Diese ständigen Begriffsumdeutungen ist einer der übelsten sprachliche Verrohungen in Berlin: Man braucht sich darüber allerdings nicht zu wundern, wenn selbst angeblich im Grundgesetz verankerte Parteien wie die Grünen mit Schildern wie „Die Häuser denen die drin wohnen“ offen für Enteignung werben. Investoren werden in Berlin durch die Bank als Spekulanten, Miethaie usw. verunglimpft. Wenn es diese Investoren nicht gegeben hätte bzw. noch geben würde, würde ein Großteil der (Ost-) Berliner noch heute in ihren abgefuckten, abgewohnten Häuser der Nachwendezeit hausen. Ich habe sie gesehen. In dieser Stadt gibt es offenbar keinen „common sence“ mehr, sondern nur noch links-grünes Allmachtsgeschwurbel, dass von Eigentum noch nie etwas gehört hat, es sei denn, es handelt sich um das eigene. Der ist aber mutig, dass der sich sogar mit Foto und seinen arg zweifelhaften Bekenntnissen pro Autobrandstiftung in der Presse veröffentlichen lässt. Polizei und Staatsanwaltschaft liest doch hier sicher auch mit? Einerseits finde ich es bedenklich, wenn der Tagesspiegel solchen Terroristen ein öffentliches Forum bietet; das hätte ich schlechtestenfalls von der taz erwartet, deren Tabubrüche man gewöhnt ist. Andererseits bietet dieser Artikel Einblick in die krude Gedankenwelt solcher Subjekte, und man versteht, dass fehlende, bzw. Noch nicht abgeschlossene Erkenntnisprozesse der Grund für asoziale Handlungen sind. Man möchte, dass alles so bleibt, wie es nie war. Deshalb darf auch nie etwas aufgehübscht werden. Es wäre daher wohl das beste, man macht einen großen Zaun um dieses Gebiet und konserviert es als Freilichtmuseum. Haben sich diese Trottel, ja ich bezeichne diese ‚ethnische Volksgruppe‘ als solche, jemals Gedanken darüber gemacht, wie es die Menschheit bis hierher geschafft hat? Wenn Eigentum genauso schlecht ist wie Erneuerung? Berlin wäre mit Sicherheit immer noch eine verträumte Sumpflandschaft. Ich verstehe den TS nicht. Eine Straftat ist eine Straftat und dafür gibt es keine politische oder ideologische Rechtfertigung. Es gibt keinen „guten“ Vandalismus. Jede Brandstiftung birgt zudem die Gefahr von Verletzten oder Toten weil Feuer unberechenbar ist und schnell außer Kontrolle geraten kann. Wie könnt ihr vom TS so jemanden eine Plattform bieten und damit allen Brüllen von „Systempresse“, “ Lügenpresse“ und anderem in der Richtung ihre Vorurteile bestätigen? Persönlich finde ich dieses Verharmlosen unverantwortlich. Ihr hab euch gerade selbst ins Knie geschossen. Da hilft es auch nicht, dass dieser Artikel nur noch schwer zu finden ist. Schon spannend das zu beobachten, wenn manche Leute aus ihren Kiezen durch bloße Mitgliedschaft in einer bestimmten Partei rausgeeckelt werden, und Personen, die solche zweifelhafte Ansichten propagieren, ruhig durch die Stadt spazieren, ohne was zu befürchten. Weder von der Polizei, noch von dem Mob, der z.B. eine Hetzjagd gegen Zahnartzt in Weißensee gemacht hat. Dieser Artikel ist natürlich noch ein Zeugniss davon, dass der Linksextremimsus mittlerweile Publikations- und Salonfähig sowie Mainstreambestimmend geworden ist. Es wird natürlich auch zu einer Gegenreaktion kommen, die man bereits mit 12,6% AfD im Bundestag sehen kann. Keiner soll sich aber später darüber überrascht zeigen, es ist alles logisch und liegt auf der Hand. Vielleicht sollte mal (zur Abwechslung) der Tagesspiegel auch mal Erfahrungen von Vermietern mit Mietern (bzw. sogenannten „Mietnomaden“) berichten. Somal zur Abwechslung. Achtung, bin selbst kein Eigentümer von vermieteten Immobilien, falls Antworten/Angriffe in die Richtung gedacht werden. „Paul“ lebt also zuweilen auch von HartzIV. Seltsam, dass diese Leute keine Hemmungen haben, sich vom „Schweinesystem“ und den es finanzierenden Frühaufstehern durchfüttern zu lassen. Aber wir wissen ja: erst das Fressen, dann die Moral. Ich war wirklich verblüfft, dass der Protagonist schon 39 ist. Ich hätte das dümmliche Gesülze höchstens einem 14 jährigen zugetraut. Schleichende Verblödung allenthalben … Wieso wird hier eigentlich einem offensichtlich Kriminellen Menschen (bzw. mit zumindest fragwürdigem Unrechtsbewußtsein) ein Forum geboten? Unterirdisch… Das ist längst noch nicht alles. Wobei es auch noch ein paar andere Kommentare gibt.Quelle – Kommentare des Tagesspiegel – Artikels „Das Für und Wider von Autobränden“

Will das wirklich jemand lesen? Interessant ist übrigens, dass sich die KommentatorInnen gar nicht die Mühe gemacht zu haben, zu versuchen, meine Sicht zu verstehen. Dann hätten sie vielleicht gemerkt, dass ich eher skeptisch bin, was Nutzen und Schaden von Autobränden für die Antigentrifizierungsbewegung betrifft.

„Die Frage ist: Nützt es Bewegungen gegen Gentrifizierung? Schafft oder blockiert es Verankerung im Kiez? Wie soll man das gewichten?“, sagt er und ruckelt auf dem Gartenstuhl hin und her. Es müsse über den Sinn von Aktionen, die bei den Nachbarn und im Rest der Stadt regelmäßig Verstörung auslösen, geredet werden. „Ob sie legal oder illegal, also kriminell, sind, ist dabei kein Kriterium.“ Denn legal seien ja wohl auch die Opposition in der DDR sowie Hausbesetzungen der Nachwendezeit nicht möglich gewesen. „Dennoch bleibt die Frage nach Sinn und Zweck beziehungsweise politischem Kosten und Nutzen der Autobrände.“

Aber für solche Feinheiten ist eben kein Platz. Ich werde also den Ehrentitel Heini mit Stolz vor mir hertragen. Was allerdings den Terroristen betrifft, muss ich leider ablehnen. Ich lehne Gewalt gegen Menschen – wenn es nicht Selbstverteidigung ist – ab.

Wo wir aber bei der Gewalt sind: Warum redet eigentlich kaum jemand über die Gewalt der Immobilienindustrie? Die Menschen aus ihren Wohnungen verteibt oder ihnen bis zu 2/3 ihres Einkommens für die Miete stiehlt? Und ja! Warum redet kaum jemand über die Gewalt die z.B. das Jobcenter ausübt, wenn es Leute in miserabel bezahlte (Leih)Arbeit presst? Wo ist die Diskussion über die Gewalttätigkeit der kapitalistischen Wirtschaftsweise?

Vielleicht sind die Autobrände ein hilfloser Ausdruck der Verzweiflung angesichts dieser Gewalt. Vielleicht ist dieser Ausdruck sogar kontraproduktiv, weil wir uns damit auf ein Terrain begeben, auf dem wir nur verlieren können, weil brennende Autos die Solidarität in den Kiezen nicht befördern, sondern die linke/anarchistische Bewegung eher isolieren. Aber nachvollziehen (nicht teilen) kann ich diesen Ausdruck (und mich gleichzeitig sehr darüber ärgern, wenn es – wie viel zu oft – die Falschen trifft. Und ich muss es wohl noch mal klar sagen: Jedes abgebrannte Auto von „Krankenschwester Meier“ (also unsern NachbarInnen/Auch-MieterInnen/mit-Prekären/mit-Lohnabhängigen) ist eins zuviel.

Das Terrain auf dem wir etwas gewinnen können ist das der Solidarität in den Auseinandersetzungen um zu hohe Miete, zu wenig Lohn bzw gegen die Schikane auf den Ämtern. Und wenn wir grade nach Barcelona schauen – weniger auf die katalanischen (links)NationalistenInnen als auf den Generalstreik und die sozialen Bewegungen in dieser Stadt – könnten wir Einiges lernen.

Autobrände und Kultur

Vor etwa zwei Monaten hab ich einen Kaffee mit Robert Klages vom Tagesspiegel getrunken. Geplaudert haben wir auch. Über Autobrände und Militanz anlässlich des G20 in Hamburg. Ein schwieriges Thema, weil der Grat zwischen notwendiger Kritik an bestimmten Aktionen (abgebrannte Kleinwagen zum Beispiel) und einer Entsolidarisierung gegenüber Leuten, die mit großem persönlichem Risiko versuchen ernsthaft gegen die Gentrifizierung vorzugehen, sehr schmal ist. Und Letzteres unabhängig davon, was ich strategisch sinnvoll finde oder nicht. Dann steht natürlich noch die Frage im Raum, was von solchen Diskussionen eigentlich in die bürgerliche Presse gehört.

Wie auch dem auch sei. Heute ist tatsächlich der Artikel erschienen. Wie immer fällt es mir etwas schwer, den Artikel zu lesen, weil in solchen Artikeln nowendigerweise ein längeres Gespräch heruntergebrochen und Argumentationen stark verkürzt werden. Ich würde dann immer noch gern dies oder jenes anfügen um diesen oder jenen Missverständnissen vorzubeugen. Es ist jedoch sinnlos, allzu viel darüber nachzudenken.

Was mir aber wichtig ist: Autobrände sind eigentlich ein Nebenthema.
Interessanter sind Kampagnen wie Zwangsräumung verhindern oder die diversen lokalen MieterInnen – Inis und dergleichen. Soziale Basisorganisierung eben, die sich den menschenverachtenden Interessen der Immobilienwirtschaft entgegenstellt.

Ansonsten: Auch wenn ich Kopfschmerzen kriege angesichts der widersprüchlichen Rolle der Kultur (auch was davon in den ehemals besetzten Häusern stattfindet) im Gentrifizierungsprozess kriege, ist es auch kleine Lösung, keine Kultur mehr zu machen. Wir haben gestern den ersten Kopfstand in der SUPAMOLLY gemacht. auf dem Kopfstand – Blog steht dazu Folgendes:

Feindliche Stürme! Die S-Bahn hat den Betrieb eingestellt, die U-Bahn ist so voll, daß die Fahrgäste die Sardinen in der Büchse beneiden. Die Feuerwehr empfielt, das Haus nicht zu verlassen. Am selben Abend findet der erste Kopfstand am neuen Ort statt.

Schön wars! Auch wenn wir nicht in voller Besetzung lesen und spielen konnten, weil der Papst im brandenburger Regionalverkehr gestrandet ist und nach einigen Stunden Wartezeit zurück in die brandenburger Pampa gefahren wurde, war es ein schöner Kopfstand. Danke an alle, die die Warnungen der Feuerwehr buchstäblich in den Wind geschlagen haben. Danke ans SUPAMOLLY.

Wir sehen uns dann Anfang November am selben Ort.

Apropos Lesebühne: Am Sonntag spiele ich mal wieder mit Berlinska droha. Und zwar als Gast der Reformbühne Heim & Welt“ in der Jägerklause. Das wird schön.

Und weil heute der 7. Oktober ist, noch mal ein Lied über dieses komische untergegangene Land, in dem ich geboren bin (jaja, das mit der Mauer, damit niemand rauskam. Heute baut man ja die Mauern, damit niemand reinkommt. Toll!).

Rigaer 94 Hoffest

In der Volksbühne geht fast alles wieder seinen gewohnten Gang. Dafür macht die Rigaer 94 am Sonntag ein Hoffest. Ich spiele auch dort und zwar gegen 17:30.

Ob ich dieses uralte Lied spielen werde weiß ich noch nicht.

Aber ich verspreche mindestens 2 neue Songs, die noch nie auf ner Bühne waren. Das ist dann ein kleines bisschen Vorschau für den Kopfstand im Supamolly kommenden Donnerstag.

Ein Leben ohne Chefs und Miete…

…das wäre schön.

Heute 18:00 spiele ich ein paar Songs auf der Kundgebung der „Radikalen Linken“ auf dem Reuterplatz. Bis dann.

(Der Beitrag ist kurz, denn jetzt muss ich erstmal arbeiten.)

KTS, LINKSUNTEN und zurück in die Zukunft

KTS und LINKSUNTEN

Zurück in Berlin. Tour sehr gemischt. Beeindruckt hat mich Freiburg. Wir haben das erste Konzert in der KTS gespielt, nachdem die Polizei da wegen LINKSUNTEN 5 Stunden lang alleine im Haus gewütet und Computer, Technik und Geld mitgenommen hat. Zum Glück war die Ausgleichskasse für schiefgegangene Konzerte in Freiburg nicht nötig. Es war ein angenehmer Abend mit einem wundervollem Publikum.

Vorher hatten wir noch die Gelegenheit uns auf der Straße mit LINKSUNTEN zu solidarisieren. Davon gibts ein Tondokument.

Ganz allgemein bin ich etwas erschrocken, wie schmal die Solidaritätswelle angesichts des krassen Angriffs auf die Pressefreiheit ist. Zumal es wirklich Unsinn ist, die AdministratorInnen von LINKSUNTEN für alles verantwortlich machen, was dort je geschrieben wurde. Da muss man sich nur Gleiches bei Facebook vorstellen.
Nun ja. Vielleicht dann doch erstmal de.indymedia.org, die auch ein gutes Solistatement geschrieben haben. Und sie sind zum Glück nicht die Einzigen.

Zurück in die Zukunft

Ich bin eigentlich etwas zu jung dafür. Trotzdem interessiere ich mich für DDR-Geschichte – grade auch für die Geschichte von Gegenkultur und Opposition. Weshalb ich mich sehr freue, bei folgender Veranstaltung zu spielen:

Remember 1987

Eine Veranstaltung zur Erinnerung an den Neonaziüberfall auf das Punkkonzert in der Zionskirche vor 30 Jahren

Am 17. Oktober 1987 fand in der, damals weitgehend ungenutzten, Zionskirche ein Punkkonzert mit der Ostberliner Band „Die Firma“ und der Westberliner Band „Element of Crime“ statt.Organisiert wurde es von einigen Leuten aus dem Kreis der Umweltbibliothek (ansässig im alten Gemeindehaus der Zionskirche) und der KvU (Kirche von Unten – damals noch obdachlos, später Villa Elisabeth).
Überregionale Bekanntheit erlangte es allerdings durch einen Überfall von Neonazis auf die Besucher gegen Ende des Konzertes. Da es damals schon gute Kontakte nach Westberlin gab, wurde in den dortigen Medien darüber berichtet und die DDR konnte das Ereignis nicht mehr stillschweigend übergehen. Zum ersten Mal musste die DDR zugeben eine neonazistische Subkultur zu haben.

Zur Erinnerung an dieses Ereignis und zur Bewusstmachung, dass das Problem Neonazis (wieder) sehr aktuell ist, haben sich die KvU und der Schokoladen Mitte in Zusammenarbeit mit dem Förderverein Zionskirche entschlossen, diese Veranstaltung zu organisieren. An 2 Tagen (13./14.10.) werden Dokumentationen, Diskussionen und musikalische Beiträge das Thema aufgreifen.

Am Freitag,13.10., öffnet die Zionskirche ihre Türen um 18 Uhr. Auf der Empore unter dem Blauen Fenster wird ab 18.30 Uhr die Dokumentation „Nazis in der DDR: Der Fall Zionskirche“ gezeigt. Um 20 Uhr beginnt dann eine Diskussionsrunde mit Mitgliedern der Band „Element of Crime“, Organisatoren des damaligen Konzertes und Vertretern der Zionskirchgemeinde. Zum Abschluss des Abends wird „Geigerzähler“ ein unplugged Konzert geben. Der Eintritt ist frei, um eine Kollekte wird gebeten.

Fäden und Schlaglichter

Alles Gute, KvU!

Der Blues – unangepasste rotweintrinkende Langhaarige als Gegenentwurf zum grauen Fordismus realsozialistischer Prägung. Die große Gegenkultur in der DDR vor Punk. Mittendrin Freygang: DER BLUES MUSS BEWAFFNET SEIN! Ist er das? Anscheinend schon. Die DDR ist jedenfalls Geschichte.

Der bewaffnete Blues

Langhaarige auch im Westen. Lehrlinge in Westberlin und anderswo. Der BLUES besorgt sich Knarren und wird zum 2. JUNI. Aus kulturellem Gegenentwurf zum Fordismus westdeutscher Prägung wird Stadtguerilla. Gegen Kapitalismus, gegen Imperialismus und immer etwas mehr auf dem Teppich als die RAF. Erschreckend für die Behörden: Die breite Unterstützung.

Ein paar Jahre später:

In die schon bröselnde DDR fällt die KvU vom Himmel der Offenen Arbeit (mit großem O). Sanft schwebt sie über den Kirchentag mit Veranstaltungen zu wichtigen Themen wie „War Jesus ein Anarchist?“ – in feinster Kombination mit Blues- und Punkkonzerten. Und sie erzwingt eine Art autonomes Zentrum mitten im zerfallenden Postspätstalinismus, vereint Solidaritätsveranstaltungen für die Gefangenen aus der RAF (BRD) mit Mahnwachen gegen das Massaker am „Platz des himmlischen Friedens“ (China) und der Aufdeckung der Wahlfälschung (DDR). In der KvU wird die erste Antifagruppe Ostberlins gegründet, während der „erste sozialistische Staat auf deutschem Boden“ noch so tut als wäre nichts.

Noch ein paar Jahre später:

Die Wendeanarchie ist längst vorüber. Der Traum ist aus, die besetzten Häuser geräumt, legalisiert und zerstritten. Nur manchmal rumort es – wenn trotz Legalisierung geräumt wird. Die KvU macht solidarisch Punkkonzerte und manchmal mehr. In ihren Anfang der 90er bezogenen Räumen hat sie sich zu diesem Zweck einen hübschen Keller gebastelt. Das könnte alles seinen Gang gehen, wenn nicht so ein Immobilienheini finden würde, dass er in Mitte mehr Geld verdienen kann, wenn er statt der KvU ein paar Lofts verkauft. Anschließend gibt es Demos, Gerichtsprozesse, Strategiedebatten und Beharrlichkeit gegen Räumungsdrohungen. Irgendwann möchte der Eigentümer den Strom abdrehen. Ein kleiner Freundeskreis am Rande der KvU denkt: Das müssen wir ausprobieren! Tausend Bands im Kerzenschein! Es werden nur etwas weniger als 20 Bands und SolokünstlerInnen.

ALLES GUTE ZUM DREISSIGSTEN, KvU!

So viele Leute in den HEILIGEN HALLEN. So viel gefeiert, gesoffen und rebelliert. Soviele Leute in diesen Räumen und den Räumen davor. Zuviele auch, die nicht mehr mitfeiern können. Die Erde ist ihnen hoffentlich leicht. Was ist übrig vom BLUES, was vom 2. JUNI? Käme BENNO OHNESORG mit der Ringbahn zur Feier – er wäre 76 Jahre alt. Von Maden zerfressen auch KURRAS, diese Verkörperung des hässlichen Deutschlands – Mörder, Bulle, Autoritätsfetischist, Waffenfreak und bei der Stasi im Nebenberuf.

Was bleibt von den Revolten? Haben sie nicht ungewollt auch geholfen, den Fordismus in Ost und West gegen eine noch beschissenere Variante kapitalistischer Vergesellschaftung zu ersetzen? Den Kapitalismus modernisiert, statt ihn abzuschaffen? Statt Aufruhr und Rebellion die Angst, von der Gesellschaft ausgespuckt zu werden? Allein, atomisiert, zurückgeblieben – im Rattenrennen der Selbstvermarktung im individuellen Arbeitskraftunternehmertum. Keine Solidarität nirgends?

Wohin mit den alten Träumen im postfordistischen Allerlei? Wohin mit der kulturellen Rebellion im neoliberalen Vermarktungszwang?

Was ist jetzt mit den Versprechen aus den alten Revolten?

Wo ist denn jetzt die Freiheit?

Nehmen wir die Fäden auf. Spinnen wir sie neu und anders. Spinnen wir sie heute!

DER BLUS MUSS BEWAFFNET SEIN!


PS: Der Autor war bei den ersten beiden Schlaglichtern nicht dabei, ein paar Jahre später konnte er mit kindlichen Ohnen schon ein entferntes Echo vernehmen. Den Rest hat er selbst miterlebt – eher als Randfigur der heiligen Hallen.

30 Jahre KvU wollen auch gefeiert werden. Das wird mit einem ganzen Stapel Veranstaltungen passieren. Auftakt ist das KvU – Unplugged am 2. Juni. Ganz im Sinne des Weiterspinnens Soli für die Prozesskosten gegen die KAUFHALLE DER SCHANDE. Sehr interessant dürfte auch die Buchvorstellung „30 Jahre Antifa in Ostdeutschland“ werden

KvU Unplugged IV

02. 06. 19:00
in den Heiligen Hallen

Musik und Texte unter anderem von Ahne, Avi von Bukahara, Benny Baupunk, Dampf in allen Gassen, Eva Supertramp, Glittasphyxia, Geigerzähler, Konny, Juppiescheuche, Motz Art Berlin, Paula, Potter, Prunx, Sahara B., Wayne Lost Soul, Yok


Überschüsse gehen an die FAU Berlin zur Deckung der Prozesskosten gegen die verdammte KAUFHALLE DER SCHANDE, die seit zweieinhalb Jahren immer noch nicht die Bauarbeiter bezahlt hat. http://berlin.fau.org

Facebook-Veranstaltung.

Vor zweieinhalb Jahren gab es schon mal ein „KvU Unplugged Spezial“ mitten im Winter – direkt vor der „Mall of Shame“. Damals schrieben wir:

„KvU Unplugged“ solidarisiert sich mit den Bauarbeitern, die den Einkaufstempel „Mall of Berlin“ gebaut, dafür immer noch keinen Lohn bekommen haben und sich zusammen mit der Basisgewerkschaft FAU dagegen wehren.
Zu diesem Zweck organisieren wir eine Kulturkundgebung vor der Mall of Shame. Am Dienstag, den 16. Dezember wird zwischen 18:00 und 20:00 neben Redebeiträgen ein für „KvU – Unplugged“ typisches Kulturprogramm mit Bands, Lesungen und Theater stattfinden.

„KvU Unplugged“ entstand in den Protesten gegen die drohende Räumung des aus der linken DDR – Opposition hervorgegangenen Jugend- und Kulturzentrums KvU – Kirche von Unten. Als dieser der Strom abgedreht werden sollte, solidarisierten sich über 30 KünsterInnen mit einem legendären Kulturprogramm im Kerzenschein. Wiederholt wurde die Veranstaltung als Soliabend für den „Refugee – Strike Berlin“.
Am kommenden Dienstag gehen wir erstmals auf die Straße. Wir hoffen, in Zeiten von PEGIDA und HOGESA ein starkes Zeichen der Solidarität zu setzen.

Das kann eigentlich genau so stehenbleiben.

Schliesslich gilt es noch die öfter gestellte Frage zu beantworten, wer da eigentlich auf unserem Cover abgedruckt ist: Der hier!

Leipziger Platz und langer Atem

Manche Geschichten dauern einfach zu lange. Zum Beispiel die mit der verdammten KAUFHALLE DER SCHANDE*, die noch immer nicht die rumänischen Bauarbeiter bezahlt hat. Als wir uns da bei eisigen Temperaturen** zu einem Soli KvU-Unplugged-Spezial getroffen, musiziert, Theater gespielt und Parolen gebrüllt haben, hofften wir noch auf schnelle Siege durch Solidarität und öffentlichen Druck.

KvU unplugged 2014 (vor der Mall of Shame) from R.E. on Vimeo.

Wir kommen immer wieder bis die Arbeiter ihr Geld kriegen, tönten wir damals. Gefühlte 100 Gerichtsprozesse, Demos, Kundgebungen, Soliparties und über 2 Jahre später kann ich als Musiker dieser Ansage Taten bzw. Songs folgen lassen, was mich freut. Ebenfalls erfreulich: Am 29. 4. wird es wärmer sein!

Eingebettet ist die Kundgebung in einen Aktionstag anarchosyndikalistischer Gewerkschaften zu Arbeit und Migration.

*Ich habe irgendwie die Hoffnung, dass sich die Besitzer der „Mall of Berlin“ ärgern, wenn ihr mässig beliebtes und besuchtes Shoppingmonster ganz ossimässig als „Kaufhalle“ bezeichnet wird
**Wichtig ist da zu beachten, dass das was die Bauarbeiter gemacht haben, ne ganz andere Liga war. Nicht wie wir MusikerInnen und FlyerverteilerInnen mal für ein paar Stunden in der Kälte – die waren jeden Tag dort!

Grüße nach Friedrichshain und Neukölln

Wir sehen uns am 22. 4. auf der Straße.

Und im Anschluss vielleicht im Supamolly.