Archiv der Kategorie 'geigerzaehler'

Zum Glück kein Nafri

Zwischen U-Bahn und S-Bahn sitzt ein dicker bärtiger Mann auf einem Stück Pappe. Über ihm ein Vordach eines Geschäftes, vor ihm Schneeregen. Der Mann sieht aus wie Sigmar Gabriel mit etwa einem Monat alten Bart. Neben ihm ein Hund – ein zottliger Schäferhund oder etwas ähnliches. Vor den beiden steht ein Pappbecher mit Kupfermünzen.
Hund: „Fliese…“
Fliese: „Psst…“
Hund: Ich hab Jürgen gesehen. Jürgen Kadeweit.
Fliese: Was?
Hund: Da hinten. Der mit den roten Plakaten.
Fliese: (zischt und zieht sich seinen Schal ins Gesicht): Du sollst nicht immer reden. Was sollen denn die Leute denken, wenn der Hund plötzlich quatscht. Dann denken die doch gleich, dass du der Wolf bist, der aus dem Tierpark ausgebrochen und als mein Hund durch die Razzia durchgeschlüpft ist. Und jetzt still! Wenn wir erkannt werden, sind wir geliefert!
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Der 19. Kopfstand

Ein Gnu steht auf dem Breitscheidplatz und erzählt von unterirdischen Eisbärenfarmen, die Schuld am Auseinanderbrechen der Sowjetunion waren. Ein Elch legt Bierdeckeltarotkarten und deckt Becks Lemon auf. Jürgen findet einen prekären Job beim Off-Theater „das zuckende Auge“. Martina fährt nach Bautzen. Anja wartet auf Martina. Das Ultimatum des BTTR-Movement ist abgelaufen. Wie ist mit der Verweigerungshaltung der Bundesregierung umzugehen? Wie wird Berlin trotzdem noch ein riesiger Wald? Wird Geisel Fliese aka Sigmar Gabriel den nächsten Tag noch erleben? Wird Willi, das Schaf im Wolfspelz, mit seinen unorthodoxen Ansichten Gehör finden? Was passiert mit dem Hausprojekt XYZ123, das bald geräumt werden soll? Und vor allem: Wo bleiben die Snacks?

Als Gast: A thousand yellow daisies (grungy soulful mid western emo folk)

Und mit:

Geigerzähler

Der Papst, seine Frau und sein Porsche

Sahara b

Der 18. Kopfstand

Am ersten Dezember wird die weltbekannte Waschbrett-Geige-Kontrabass-Lesebühnen-Soap wird volljährig.

Der*die*das Kopfstand kann jetzt wählen gehen und Waschmaschinen kaufen. Aber wird er*sie*es das auch tun? Elche beschließen unterdessen, nach einer halben Flasche Whisky, straight edge zu werden. Die FAE (Föderation Anarchistischer Elche) wird wiederbelebt. Gangstarapper Jürgen und Gangstarapperin Martina haben sich getrennt, Anja hat davon noch nichts mitbekommen und schreibt weiter Briefe aus Budyšin/Bautzen. Die aus dem Zoo ausgebrochenen Tiere, das Sigmar Gabriel Truth Movement, HIGEDAK (Hipster gegen die Animalisierung des Kiezes) und die Back to the roots-Bewegung für die Wiederbewaldung Berlins (BTTR) führen politische Debatten, die von der Wahrheits-Rap-Combo „Chemtrailfabrik“ begleitet werden. Zwischendurch spielt eine ko(s)mische Esoterik-Oi-Band namens „Die Erloi!chtung“ (ohm ohm ohm). Und so weiter und so fort. Wie so oft mit:
Geigerzähler (Geige, Texte, Arien), Sahara b. (Waschbrett, Texte, Gangstarap) Der Papst, seine Frau und sein Porsche (Coverband, Kontrabass, Mega-Hits, Texte). Special Guest: Wayne Lost Soul! Eintritt: Spende.

Putacion/Paraguay, 17.5.2039

Es war schon früher Nachmittag, als Lukas die Treppen zu Antonios Kellerwohnung herunterstieg. Viel Zeit hatten sie nicht, vielleicht 3 oder 4 Stunden, dann würde für ihn die allabendliche Ausgangssperre in Kraft treten. Bis 19 Uhr musste er zurück in der Unterkunft sein, das hatten die Behörden von Putacion so verfügt, nachdem es vor ein paar Wochen massiven Ärger gegeben hatte. Natürlich konnte er nichts dafür, und die allermeisten Europäer, die in seinem Containerlager wohnten, auch nicht; höchstens vielleicht diese paar Bekloppten aus Block 4, die gerne durch die Stadt zogen und ihre paar Pesos in Zuckerrohrschnaps umsetzten. Idioten hast du halt überall. Lukas sah zu, dass er sich von denen fernhielt, aber für die Einheimischen waren sie halt alle nur „die Europäer“…

Ein Text vom Papst. Weiter gehts beim Kopfstand-Blog, auf dem ab jetzt jeden Tag Auszüge aus den vergangenen 16 Kopfständen veröffentlicht werden.

Schlechtes Wetter, Elbflorenz! Geburtstagsgrüße und Kaltfront

Dresden wie immer. Pegida wird umarmt, Gegenprotest kriminalisiert. Es ist eben Dresden. Zum zweiten Pegida-Geburtstag möchte ich da nicht abseits stehen, sondern mit einem kurzen und prägnanten Titel gratulieren.

Soweit so schlecht. Alles ziemlich düster. Von den Zahlenverhältnissen bis zu den Bullen. Insofern wundert es nicht, dass aus dem schönen Elbflorenz auch düstere Musik kommt und das schon seit den tiefsten DDR – Zeiten.

Gestern gabs das live im Supamolly. KALTFRONT kenne ich aus den 90ern. Damals interessierte ich mich für Musik aus der DDR. Ich wollte eben kein Wessi werden. Ich habe aber schnell herausgefunden, dass der alte Ostrock zu großen Teilen langweilig, schnulzig und – für mich als 14-15 – jährigen wichtiger – bei meinen Mitpubertierenden sozial inkomatibel war. Punk hingtegen hörten viele. Ostpunk war ein Kompromiss. Und so hörte ich das ganze Zeug von FIRMA bis SCHLEIMKEIM, von ERNÄHRUNGSFEHLER bis ICHFUNKTION. Und eben KALTFRONT, deren Tapes ich in einem dresdner Plattenladen fand. Zu diesem Zeitpunkt gab es KALTFRONT auch nur noch auf Kassetten, was ich bedauerte, weil dieser Abgesang auf die DDR irgendwie auch mein Lebensgefühl als Postwende-Jugendlicher traf.

Vor ein paar Jahren konnte ich sie live in der Groove-Station in Dresden sehen und fand es so halb gut. Wie das eben so ist mit den alten Helden, die die Songs ihrer Jugend spielen. Gestern hab ichs im SUPAMOLLY noch mal probiert. Dieses war gut Gefüllt und das Publikum war eine Generralversammlung der alten Punks. Beinahe jedenfalls – es fehlten auch ein paar. Für EUGENE RIPPER, der davor spielte kam ich zu spät. Dafür konnte ich KALTFRONT in voller länge betrachten und ers hat mir besser gefallen als 2005 Dresden. Druckvoll und aufgeräumt spielten sie etwa zur Hälfte alte und neue Sachen. Und obwohl mich /(wie den Großteil des Publikums) die alten Songs mehr mitgenommen haben, freue ich mich, dass KALTFRONT nicht einfach stehengeblieben sind. Dann könnte ich ja auch einfach die alten Tapes hören. Ich hatte im Anschluss noch die Gelegenheit bei der Gardarobe ein wenig mit Jörg herumzulungern und ein paar Worte zu wechseln. Ich habe versucht, in meinem Notitzbuch einigermassen mitzuschreiben.

Da das Konzert mit einem Lied von PARANOIA aufhörte, das ich als Jugendlicher gehasst habe, musste ich auch gleich danach fragen:

Jörg: Mit Kaltfront hat das wenig zu tun. Es ist punkkritisch aufgrund der Erlebnisse, die wir hatten. Die kreative Phase war schnell vorbei. Bald war es nur noch Abklatsch. Wir hatten noch mehr songs wie den. Das ist auch nicht nur auf Gegenliebe gestoßen. Auch jetzt noch. Beim Ostpunk Open Air in Rochlitz hat einer gepfiffen und gerufen: „Spaltersong!“ und „Kidpunks sind auch wichtig“ oder so.

Wie kam dass eigentlich, dass Ihr nach so langer Zeit wieder zusammen gespielt habt?

Jörg: 2005 in der Grove-Station war inoffiziell. Obwohl es sich ganz gut herumgesprochen hatte. Das war auch so ein Test. Zwei Monate später spielten wir dann im Kurländer Palais, früher der Jazzklub Tonne. Eigentlich kam die Idee weniger von uns, sondern von Freunden. Zuerst wollten wir für einen Geburtstag von einem von uns spielen, das hat aber noch nicht geklappt. Daß wir wieder zusammenspielen war weder logisch noch vorhersehbar. Wir hatten uns auseinandergelebt und auch zum Teil mit der Musik nichts mehr zu tun gehabt. Das war dann eine… eine günstige Strömung, dass das zusammengekommen ist.

Wenn Du die Punkszene von heute und damals vergleichst. Was hat sich verändert und was is gleich geblieben?

Jörg: Schwierige Frage. Das „Früher“ kannte ich ja nur aus der Ostpunkperspektive. Da war im Westen ja schon mal Einiges anders. Mich würde ja mal interessieren, wie es jetzt wäre, wenn noch Osten wäre… Eigentlich hat sich äußerlich nicht viel verändert. Es gibt viel Abklatsch und es gibt diese Aufspaltungen: Hardcore, Gothic… Aber diesen Pioniergeist gibt es nicht mehr. Das ist ja wie mit Elvis. Der galt auch mal als Rebell und war dann nur noch Schlager. So ist es zum Teil auch mit Punk heute.

Was hörst Du eigentlich jetzt für Musik?

Jörg: Ne Zeit lang hab ich so 50er/60er Musik gehört. Schwarzer Blues vor Elvis. Das war im besten Sinn Schock! Ich war positiv überrascht, dass es solche Mucke vor Elvis gab. Oder so Soul, Reggae… viel altes Zeug. Wenn Bands jetzt auf 50er/60er machen ist das eher Klamauk und Kostümierung. Zur Zeit höre ich alles was runter zieht. Lustige Musik nervt mich meistens.

Es gibt ja viele alte Kaltfront – Songs, die Leute berührt haben oder sie berühren und die Ihr nicht mehr spielt. Für mich z.B. war „Karriere“ total wichtig, obwohl das jetzt musikalisch kein Weltwunder war…

Jörg: Manchmal wünsche ich mir, dass wir für manche Texte bessere Musik gemacht hätten. Wobei ich nicht weiß, ob wir das damals überhaupt konnten. Damals waren wir froh, wenn wir aus dem Proberaum kamen und drei neue Songs hatten. Die waren dann aber auch schnell zusammengebastelt. Heute haben wir ein paar alte Songs neu gebaut. Ist aber immer die Frage wieviel Arbeit in man in die alten Songs steckt.
Es gibt auch Leute, die finden, daß das auf den alten Kassetten besser geklungen hat. Ist für mich ganz interessant, was für Eigenschaften die Leute so nennen. Am Ende sollten wir nicht versuchen etwas zu kopieren, sondern einfach unser Ding machen.

Zum Schluss: Ihr kommt ja aus Dresden und da kommt man so schlecht dran vorbei. Pegida hat Geburtstag und dieser Bachmann ist ja in etwa Eure Generation…

Jörg: Wir kennen den nicht! Aber das alles in Dresden verwundert mich nicht. Auch nich wie weit das geht. Manchmal ist es erstaunlich wer da hingeht und darüber zerstreiten sich Freundeskreise und Familien. Manche Leute waren ja sehr Überrascht. Die wohnen in der Neustadt und kommen da nicht raus. Ich wohne eher außerhalb und sehe diese Leute jeden Tag. Auch schon vor Pegida. Ich glaube Dresden ist ziemlich prädestiniert dafür.

Warum?

Jörg: Ich habe keine gute Meinung von Dresden. Es ist schwer, das genau zu beschreiben. Diese konservative nörgelige Grundstimmung gegen alles Fremde, alles Neue. Pegida ist da die logische Folge. In jeder Famlie gibt es Leute, die so drauf sind. Bei Familienfesten oder Kneipengesprächen bist du ganz schnell bei „Ausländer raus“. Die Flüchtlinge sind da nur der Anlass. Hätte es keine Flüchtlinge gegeben, hätten sie was anderes gefunden…

Jetzt kommen Jörgs Kollegen mit der Technik vorbei. Jörg entschuldigt sich und trägt mit. Danke für das Interview! Ich hoffe, ich hab alles halbwegs gut wiedergegeben. Das Supamolly hat sich unterdessen deutlich geleert. Trotzdem treffe ich noch ganz alte Freunde mit denen ich noch langsam durch Friedrichshain schlendere… Schöner Abend! Danke KALTFRONT!

Eigentlich hätte ich Jörg gern noch ein paar Sachen gefragt. Z.B. wie er die ganzen neu herausgekommene Reflektionsliteratur zur Wende sieht. Gerade 89/90 von Peter Richter, dass ja in Dresden spielt und in dem Kaltfront auch vorkommen. Von Jörg hab ich noch einen Text in der REVOLUTION TIMES (ein verblichenes rätekommunistisches Redskin-Zine aus Lübeck) über frühe Skinheads in der DDR gefunden. Auch da viel Stoff für lange Interviews. Vielleicht besser so – wer soll das am Ende alles lesen. Oder eben ein anderes Mal.

Nun muss noch ein kleiner Abspann ran. die Klarstellung am Anfang ist von KÖTERKACKE und ich habs mit Smail Shock für SOLLBRUCHSTELLEN noch mal aufgenommen.

Soligedicht

Gute Nachrichten. Das kleine Gedicht ist jetzt zum Glück nur noch halb so dringend wie letzten Donnerstag, als ich es beim Kopfstand verlesen hab. Da aber grade die letzten beiden Strophen erst veralten, wenn die ganzen Justizvollzugsanstalten Steinhaufen oder Museen für die Geschichte der Repression sind, schmeiße ich es mal in das Netz:

Moabit und Bastille

In Moabit ist anscheinend noch alles beim Alten
dort wo die Schließer dein Leben verwalten
In Moabit ißt du neben dem Klo
Das Essen schmeckt nicht, doch das ist eben so.

Von weitem riechst du den Herbstwind, siehst ein fallendes Blatt
Merkst erst jetzt was man vom Draußensein hat
Wartest und wartest in Untersuchungshaft
Auf den Prozess, dann ists vielleicht geschafft

Dabei wolltest du draußen nur demonstrieren
wolltest ausnahmsweise mal nicht verlieren
Widerstand haben sie es genannt
jetzt sitzte hier und starrst an die Wand

Die Polizei, wenn sie will, die darf einfach machen
Zum Beispiel prügeln und andere Sachen
Wenn du zurückschlägst und sei’s mit ne‘m Spruch
Hast du ganz schnell mal nen Landfriedensbruch

Verzage nicht und sei niemals still
Es genügt ein Gedanke an die Bastille
Die war dann auch nur ein Trümmerhaufen
woran man sieht – es kann auch andersrum laufen

Verdammt! Wir hier draußen – wir müssen das schaffen!
Egal ob mit Worten oder mit Waffen
Wir müssen laut sein, geben keine Ruh:
FREIHEIT FÜR AARON UND BALU!

Post aus Bautzen/Budyšin (Nr. 1)

In unserer monatlichen Seifenoper (immer am ersten Donnerstag in der Baiz) ist Anja grade nach Budyšin/Bautzen gezogen. Von da aus schreibt sie Briefe:

Liebe Martina

Hier in Bautzen ist es schön. Meine Mutter umsorgt uns liebevoll und die Altstadt ist wunderbar zum Spazierengehen mit Carola auf dem Arm. So viele alte Häuser, Türme, die Ortenburg. Ich weiß gar nicht, wo ich anfangen soll. Aber ich vermisse Dich. Was macht Jürgen? Ist er immer noch ein Elch? Komm doch mal 3 Tage nach Bautzen zur Erholung, dann kann ich dich endlich in echt umarmen.
Letztens waren wir in Dresden. Meine Mutter musste dort was einkaufen und ich dachte, daß so ein Tapetenwechsel eigentlich nichts Schlechtes ist. Woran ich nicht gedacht habe: Es war Montag. Ich schlendere also ganz gemütlich über den Neumarkt und da sehe ich ihn. Leibhaftig. Lutz Bachmann auf einem Pritschenwagen. Lutz Bachmann der quatscht, schreit und weiß wo es langgeht! Ich sage Dir, Martina: Das mit der Lügenpresse stimmt! Nicht weil die Presse schlecht über Pegida schreibt, sondern weil sie zu nett schreibt. Ich habe noch nie so abstruse Hetze aus einer derart seltsamen Parallelwelt gesehen. Die Hölle auf Erden. Wenn ich nur dran denke, muss ich fast Kotzen. Ein Glück, dass Carola schläft. Zuerst die Pegida-Hymne. Bombastischer Schwulst mit Kirchenglocken. Dann Debritz mit den Auflagen. Dann Wortfetzen: „Die Arbeitsscheuen Schreikinder“ – Das bin wohl ich. „ABSCHIEBEN!“ – Sprechchöre aus tausend Kehlen. Die Grenze müsse „geschlossen und ein Prozess der Remigration in Gang gesetzt werden“. „Die vergewaltigenden Horden von Nordafrikanern.“ Genau. DIE Nordafrikaner. Alle! Mir bleibt bei soviel unverblümten Rassismus die Spucke weg. Aber auf der Bühne – da gehts weiter. Hitler sei ein Anhänger des Islams gewesen und Pegida eine Art antifaschistische Bewegung. Aha. Frauenrechte werden gepredigt von Leuten, die sich noch nie dafür interessiert haben. Arabischer Antisemitismus wird kritisiert von den Meistern der Weltverschwörungstheorie. „Sie kommen um Europa zu besetzen“ wird ein ungarischer Bischof zitiert. „Wir bleiben um zu siegen und wir werden siegen“. Rufen die Pegidisten. Jetzt kommt Petra. „Die deutschen Männer sind keine Sexmonster“, sagt sie und hat eine interessante Mischung aus Versatzstücken des DDR-Feminismus und Rassismus zu bieten. Das Publikum ruft „Volksverräter!“
Petra: „Wir werden es nicht hinnehmen, das in unserem schönen Sachsen…“ Der Rest geht im Chor der Pegidisten unter. WIDERSTAND! schreien sie. Im schönen Sachsen, denke ich. Wo zwischen Polizei und Pegida kein Blatt passt. Wo sie sich mit Handschlag grüßen und das Problem immer die „Linksextremisten“ sind. Es ist schwer diesem Bachmann zuzuhören. Immer frage ich mich, ob er jetzt nicht langsam mal sagen sollte, dass das nur ein Sozialexperiment der Titanic oder so war. Das er sie alle verarscht hat. Aber nein. Für ihn und die selbstbewußten 1500 sächsischen Bürger, die da auf der Straße stehen, ist das was Bachmann und andere von der Bühne Kotzen die Realtität.
Was soll man da machen? Ich weiß es auch nicht, liebe Martina. Komm mich trotzdem mal in Bautzen besuchen. Da ist es schön mit all den Türmen. Unsere Tochter wächst und gedeiht. Aber ich frage mich manchmal, in was für eine schreckliche Welt wir sie hineingeschickt haben.

tausend Küsse und Umarmungen
Deine Anja

Gefahrengebiet im Weinballon

Es muss hin und wieder Konzerte geben, wo alles stimmt. Im Supamolly fängt das mit dem Bandessen, den Räumlichkeiten und der Technik an und geht mit den KollegInnen weiter. Mit Alarm habe ich schon im dresdner AZ Conni zusammengespielt. Ich bin froh, dass es solche Leute und Bands in der Pegida-Metropole gibt und freue mich sehr, dass sie es mal nach Berlin schaffen.

Mit Nellski aus Nekölln hab ich auch ein bisschen Geschichte. Radiosendungen, Auftritte und z.B. diesen Song:
…oder dieses improvisierte Werbefilmchen mit improvisierter Geige:

Wenn alles gut geht, gibts im Supamolly eine Gefahrengebiet – Remix – Premiere. Schaumwama.

Themenwechsel. Wer Zeit hat, der fahre nach Budyšin/Bautzen. Irgendwer muss den RassistInnen dort Einhalt geben. Das „Wočiń woči“, dass es dieses Jahr am 12. November wieder geben wird ist zwar ne gute Sache, reicht aber ganz offensichtlich nicht aus. Trotzdem ist es wichtig, dass es auch dieses Jahr stattfindet. Ich hoffe es wird wieder so ein Ort, an dem Geflüchtete zusammen mit sorbisch- und deutschsprachigen Jugendlichen moshen und Stagediven und alles andere verschwimmt. Wenigstens ein kleiner Lichtblick an der Spree. Das wäre doch schön.

Ein paar Termine

Ein paar neue Termine und alles Berlin. Bis die Tage.

16. 09. Berlin – Drugstore/Potse auf dem Potse – Festival

17. 09. Berlin – Rigaer Srassenfest – Kundgebung – Wasweißich. So gegen 18:00 oder so

02. 10. Berlin – Supamolly – zusammen mit ALARM aus Dresden und NELLSKI. Remixpremiere für Gefahrengebiet!

6. 10. Berlin – Baiz – Der erste Kopfstand nach der Sommerpause.

Das Gefahrengebiet und die Informationsfreiheit

Letztens wurde ich gefragt, ob ich etwas Musik für einen Clip zu einer Spendenkampagne für eine Klage zur Herausgabe von Basisinformationen zu unserem schönen Gefahrengebiet beisteuern wolle. Und weil ich alles gut finde, was Henkel, die Bullen undsoweiterundsofort ärgert, hab ich natürlich ja gesagt. Außerdem bin ich neugierig, wie die den Quatsch mit dem Gefahrengebiet begründen. Und natürlich wie sie vor Gericht ihre lustigen Begründungsverweigerungsbegründungen begründen…
Das könnte Unterhaltungswert haben, selbst wenn ich beim Wort „Bürgerrechte“ immer zusammenzucke, weil es so bürgerlich klingt und meine Hoffnungen auf den bürgerlichen Staat sich in Grenzen halten. Dennoch bleibt mir wohl nichts anderes übrig, als mich bis auf Weiteres an den Resten der Bürgerrechte festzuhalten. Darum finde es auch gut, dass der Clip von Constanze Kurz im Zentrum des bürgerrechtsbewegten Linksliberalismus empfohlen wird:

Wer gern eine Vorstellung davon bekommen möchte, wie sich ein „Gefahrengebiet“ anfühlt und wie die Berliner Polizei reagiert, wenn man mittels einer Informationsfreiheitsanfrage dazu ein paar Fakten erfahren will, dem empfehlen wir einen heute erschienenen Info-Clip.“>Wer gern eine Vorstellung davon bekommen möchte, wie sich ein „Gefahrengebiet“ anfühlt und wie die Berliner Polizei reagiert, wenn man mittels einer Informationsfreiheitsanfrage dazu ein paar Fakten erfahren will, dem empfehlen wir einen heute erschienenen Info-Clip.

Wir klagen: Informationsfreigabe zum „Gefahrengebiet“ Rigaer Straße, Berlin – Spendenaufruf & Infofilmchen from FIfF e.V. on Vimeo.

Beruhigender wäre es ja, nicht so sehr auf den „Rechtsstaat“ angewiesen zu sein. Dazu bräuchte man aber soziale Bewegungen, die in der Lage sind, Dinge selbst in die Hand zu nehmen. Das passiert nicht in erster Linie auf Demos, die als Ausdruck aber auch nicht zu verachten sind. Am Sonnabend ist z.B. die Mietenstopp – Demo, die mir realer und interessanter zu sein scheint als der Subkulturalismus rund um einige Trümmer der BesetzerInnenbewegung:

[…]Gegen hohe Mieten und drohende Räumungen helfen Mietstreiks und gemeinsame Blockaden. Schließen wir uns mit unseren Nachbar*innen zusammen und gründen Haus- und Kiezversammlungen. Unterstützen wir uns durch Prozessbegleitungen und bei Besuchen von Hausverwaltungen oder Eigentümer*innen. Organisieren wir uns gegen die alltäglichen Zumutungen: Berlin bleibt Risikokapital!
[…]
Auf zur Mietendemonstration am 10. September in Berlin!
14:00 Uhr – Platz der Luftbrücke (U6)