Archiv der Kategorie 'geigerzaehler'

Regensburg, Freiburg, Chóśebuz

Heute fahre ich nach Regensburg um da mit Sahara KOPFSTAND EXPORT zu machen. Morgen gibts das ganze noch mal Freiburg/Breisgau, organisiert von der lokalen FAU.

Am Montag abend fahre ich dann nach Cottbus und spiele ein kleines feines Solokonzert in der Zelle.

Drugstore und Potse – kein Nachruf

Es ist brutal voll in der Potse. Es ist der wohl letzte Abend und außerdem spielt Pisse. Ansonsten ist alles wie damals. Der Hausflur voller trinkender punkiger Jugendlicher. Nur ich bin eben älter geworden. Zugleich fühlt sich alles ein bisschen an wie auf einer Beerdigung, vor allem wenn man den Drugstore betritt. Das Putzlicht strahlt auf die schon großenteils abgebaute Einrichtung, deren Reste in einem kleinen abgesperrten Bereich Richtung Pallasstraße liegen. Das Podest Richtung Potsdamer ist auch abgesperrt, aber erst teilweise abgebaut. Darunter liegt der Dreck von 40 Jahren, sind vielleicht noch Reste von Bommi Baumanns Kotze oder die weggeworfenen zu Staub zerfallenen Kippenstummel der großen Hausbesetzervollversammlungen der 80er. Wer weiß?
Über 40 Jahre Geschichte linker Jugend- und Subkultur in dieser Halle, in den 20ern in ultramoderner Betonbauweise erschaffen, dann Sitz der Berliner Verkehrsbetriebe, die dort noch gesessen haben, bis das Gebäude vor nicht allzulanger Zeit verscherbelt wurde wie fast alles. Man wollte ja sparen bis es quitscht und da muss man sich nicht wundern.
In den frühen 70ern kämpften Trebekids und AktivistInnen um ein Stückchen der 2 Etage, verhandelten, gewannen und bauten den Laden zu einem Jugendzentrum aus. In dieser Hinsicht ist sich das Drugstore bis heute treu geblieben und wird immer noch auch von Jugendlichen auf Trebe und in vergleichbar prekären Situationen genutzt. Eine gute Geschichte, eigentlich. An vielen anderen linken Orten ist jeder Faden zur Straße längst zerschnitten, falls er überhaupt jemals aufgenommen wurde.
Letzteres ist auch nicht die Geschichte des Verlierens und des Aus der Zeit gefallen seins, der das Drugstore dennoch genauso geprägt hat wie viele andere im Kontext verflossener linksradikaler Bewegungen enstandenen Zentren – eine Geschichte des Verlierens, die durchaus unterschiedlich sein konnte: Von leeren Räumen mit fast gespenstisch konsequentem Abfeiern vergangener kleiner Siege bis zur Überanpassung in sterilen Orten des Kommerzes oder sozialbürokratischer Problemverwaltung. Aber auch der in dieser Gegenüberstellung ersteinmal sympathische Mittelweg ist ein Teil dieser Verliererstraße:

Weil das Problem tiefer liegt. Weil alle diese Orte nach Regeln, ungeschriebenen Gesetzen und Funktionsmechanismen laufen, die in einer Zeit entstanden sind, wo eine Jugend mit vollem Recht gegen die Zumutungen, die Zwänge und die monotone Konformität im Fordismus rebellierte. In einer Zeit in der ein Reihenhaus und Kleinfamilie in Lichterfelde als Dank für ein angepasstes Leben und Arbeiten noch ein erreichbares Ziel war. Dazu das Versprechen, dass es den Kindern einmal besser gehen würde. Diese Kinder sind wir. Geht es uns besser?
Heute wird einfach gar nichts mehr versprochen – jedenfalls nicht dem ärmeren Teil der Gesellschaft. Stattdessen Angst! Wir sollen sehen wo wir bleiben. Statt Rebellion gegen die Zumutungen der Konformität überwiegt jetzt die Panik davor, abgehängt zu werden. Statt der Lust am Ausbrechen aus der organisierten Langeweile finden, wir uns im hektischen Rattenrennen um irgendeinen Job, irgendeine Absicherung, irgendeine Orientierung wieder und haben im vollem Lauf kaum Zeit festzustellen, dass das, was letztens noch subversiv und rebellisch war, heute nur noch ein bunter Farbtupfer in neoliberalen Allerlei ist. Vielleicht ist diese Rebellion auch deshalb häufig so ein Mittelschichtsding geworden, weil man sie sich leisten können muss.

Das Drugstore und die Potse haben die Kommerzialisierung ehemaliger Gegen- und heutiger Subkultur nicht mitgemacht. Das war sinnvoll und auf der Habenseite liegen schöne Konzerte, Partys und die Funktion der beiden Läden als eine Art Ausbildungsstätte für Selbstverwaltung. Trotzdem wäre es eine Lüge, angesichts der Möglichkeiten, von einer Erfolgsgeschichte zu sprechen. Wenn man sich vorstellt, was an den vielen Tagen an denen das Drugstore geschlossen hatte, möglich gewesen wäre könnte man heulen! Wenn man sich vorstellt, was das Drugstore hätte sein können mit besserer Anbindung an die Jugendlichen im Kiez – nicht zuletzt auch jene mit migrantischem Hintergrund – man möchte schreien!

Nun lässt es sich leicht reden vom schönen Friedrichshain aus. Reden über Dinge, die im Friedrichshain auch niemand wirklich hinkriegt und mit hässlichem Zeigefinger in Richtung der Aktivistinnen und Aktivisten, die meistens getan haben, was in ihrer Macht stand. Zudem bin ich an all dem auch mit schuld.
Ich entdeckte das Drugstore in der ersten Hälfte der 90er als recht orientierungsloser ostberliner Jugendlicher, der unbedingt Punk werden wollte und Anschluss suchte. Das in dieser Zeit schon etwas ausgezehrte und aus dem Zentrum gerutschte Drugstore gab mir den Anschluss. Im Drugstore verschwand ich in subkultureller Konformität, die ich ab einem bestimmten Punkt um so rigider nach außen vertrat. In meine eigentlich sehr kurze Zeit im Drugstore fallen zwei Dinge, die richtungsentscheidend waren. Das Scheitern der Zusammenarbeit mit Jugendlichen aus dem Kiez mit türkischem Background, die wir – westberliner Gymnasiasten wie ostberliner Punks – „die Lans“ nannten. Wir haben nicht viel Zeit damit verschwendet, darüber nachzudenken ob unser Blick auf diese Jugendlichen, der sich in der Bezeichnung ausdrückte, nicht auch etwas mit dem Scheitern der Zusammenarbeit zu tun haben könnte. Zweitens haben wir damals dafür gesorgt, dass das Drugstore noch lange nach uns gewissermassen monosubkulturell war, indem wir verhindert haben, dass Technopartys im Drugstore stattfinden konnten. Ich erinnere mich gut an die Soliparty eines besetzten Hauses mit Technoparty, bei der wir den DJ bedrängten unsere Deutschpunkplatten zu spielen. Der DJ war so cool, unsere Platten in seine Beats zu mischen und wir haben ihm nicht einmal Danke gesagt.
In dieser Zeit kamen wir auch auf die grandiose Idee im Drugstore zu wohnen und nicht nur das. Wir luden auch alle Straßenpunks ein es mit uns zu tun. Wir handelten in bester Absicht und wischten alle Bedenken der wenigen im Drugstore verbliebenen Altautonomen souverän beiseite. Schließlich waren wir die Straße und die Autonomen nervten sowieso mit ihren Moralin:

Ihr wisst genau was richtig ist
ihr wisst genau was gut für uns ist
ihr dreht uns das wort im Munde um
ich schreie laut und bin doch stumm
AUTONOME SOZIALARBEITER VERPISST EUCH!

Schrieb ich wütend vom Plenumstisch aufspringend an die Wand neben dem nasebohrenden Punk. Das war auch nicht nur falsch. Die Autonomen hatten ihre eigene Sprache und haben es wirklich nicht hingekriegt, uns ihr Zeug zu erklären. Dass sie uns nicht das Vögeln verbieten wollten, wenn sie von Sexismus sprachen, habe ich erst nach meiner Zeit im Drugstore begriffen. Es wäre nicht verkehrt gewesen, wenn mir das schon damals jemand vernünftig erklärt hätte. Aber wie sollten sie das denn machen? Die Welt erklären? Auch große Teile der westautonomen Szene hatten nach 89 Gewissheiten und Kompass verloren und mäanderten in einer eigenartigen Mischung aus Trotz, Resignation und moralischem Sendungsbewusstsein herum – wie sollten sie da desperaten Jugendlichen verständliche Erklärungen liefern?
Immerhin waren sie noch in der Lage unseren Selbstversuch im Drugstore zu wohnen, wieder zu beenden, bevor wir das Drugstore zu einem Haufen Schrott machen konnten.

Jenseits dieser Anekdoten hatten wir aber alle das selbe Problem. Wir rebellierten (und die Autonomen kämpften) gegen fordistische Konformität und wir begriffen nicht, das das, wogegen wir rebellierten längst auf dem absteigenden Ast war. Wir glaubten auszusteigen und richteten uns das Leben ein in einer Insel scheinbarer Selbstbestimmung und realer Prekarität – einer Insel, die – zumindest was die Prekarität betrifft – bald keine Insel mehr sein sollte.

Immer noch sind wir gefangen in subkulturellen Funktionsmechanismen, die schon lange nicht mehr greifen. Ein bisschen wie auf einem Kreisverkehr mit lauter Einbahnstraßen drumherum. Vor allem damit beschäftigt im Kreis zu fahren, diskutieren wir nur noch selten, was zu tun wäre um irgendwohin zu kommen. Noch seltener diskutieren wir, welche Ausfahrt wir, die bürgerlichen Verkehrsregeln brechend nehmen sollten oder ob wir womöglich nicht einfach den Kreisverkehr blockieren müssten, damit es Irgendwohin geht. Und dieses Irgendwohin? Suchen wir das noch wirklich oder ist es einfach nur ein subkultureller Code, diese Suche zu behaupten?

Insofern müssen wir hoffen, dass der Rausschmiss aus den alten Räumen auch eine Chance ist. Bei der Potse liegt diese im offensiven Umgang mit der Situation, in der Besetzung, im Drugstore könnten die neuen Räume womöglich auch dabei helfen, neuen Schwung zu entwickeln. Vielleicht werden Potse und Drugstore am Ende noch mal Vorreiter für etwas ganz Neues? Für etwas mit Sprengkraft und gesellschaftlicher Relevanz? So wie damals in den 70ern und doch ganz anders? Wer weiß?

Bleibt noch, dem Drugstore- und dem Potsekollektiv viel Kraft, Geschicklichkeit und Klugheit zu wünschen. Und natürlich auch ein bisschen Glück!

Ein Text aus dem Kopfstand Nr. 35
Danke @drugstoreberlin für das Bild. Hoffe, das geht klar.

Ruhr, Theater und Berlin

Morgen und übermorgen ist die vorerst letzte Chance, unser lustiges, selbstironisches, bisweilen sarkastisches Theaterstück in der Zukunft zu sehen. Bzw mich zu hören, denn ich mache ja im Wesentlichen Musik, während Magdalena Thalmann und Christian Knöll gekonnt mehrere Rollenwechsel hinlegen. Vielleicht ist es nicht schlecht vorzubuchen – ich könnte mir vorstellen, dass es voll wird.

Am Freitag fahre ich dann ins Ruhrgebiet und habe das Glück abends im duisburger Djäzz mit Chaos One die Bühne zu teilen. Da freue ich mich sehr drauf, auch weil es nicht nur einfach ein Konzert ist, sondern auch noch der guten Sache dient, nämlich ein Solidaritätsevent für die medizinische Nothilfe der medico international in Afrin & Rojava ist.

Nebenbei hoffe ich, dass ein paar Leute in Berlin bleiben und sich den verdammten völkischen Rassisten von „Wir sind Deutschland“ in den Weg stellen und/oder auf die Gedenkdemonstration nach Moabit kommen.

»Aus der Erfahrung unseres Lebens sagen wir: Nie mehr schweigen, wegsehen, wie und wo auch immer Antisemitismus, Antiziganismus, Rassismus und Ausländerfeindlichkeit hervortreten!« Esther Bejarano

#Besetzen! Heute Konzert in der Großbeerenstr. 17A

Ich freue mich schon länger über die #besetzen-Kampagne. Sie ist – soweit ich das beurteilen kann – seit sehr langer Zeit der erste ernstzunehmende Versuch, Hausbesetzungen in Berlin wieder möglich zu machen. Ernstzunehmend deshalb, weil es ihr in erster Linie um Wohnungsnot, um soziale Verhältnisse geht und nicht so sehr um ein subkulturelles Szeneding (was ja nicht immer falsch ist, aber auf keinen Fall genug). Zudem ist die Kampagne strategisch recht gut aufgestellt – im Gegensatz zu vielen Besetzungsversuchen in der Vergangenheit – und hat es deshalb geschafft, nach sehr langer Zeit ein wenig an der Berliner Linie zu knabbern. Glückwunsch!

Ich freue mich deshalb sehr, dass ich #besetzen konkret unterstützen kann und heute um 17:00 in der Großbeerenstrass 17A spielen werde. Anschliessend ist Kiezversammlung, dann spielen noch meine wunderbaren rappenden Kolleg*innen „Lady Lazy“ und „Torkel T.“

Noch ein Lied zu Einstimmung und bis gleich!

Die Liebeswürdigen

Hin und wieder muss ich ja was Neues probieren. Warum nicht mal Theatermusik?

Aus der Facebook-Ankündigung:

Das menschliche Paarungsverhalten zwischen Skype und Selbstverwirklichung – frei nach Arthur Schnitzlers „Reigen“

20. + 21. Sep. / 17. + 18. Okt. / 07. + 08. Nov.
Einlass: 19:30 Uhr, Beginn: 20:00 Uhr

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Was haben ein Langzeitstudent, eine ehrgeizige Dozentin, ein cholerischer Barbesitzer und eine divenhafte Kosmetikerin gemeinsam? Sie alle suchen irgendwie die Liebe und verpassen sie doch knapp.

Begleitet von Paul Geigerzählers Violinenspiel nehmen Magdalena Thalmann und Christian Knöll in acht Episoden moderne Beziehungsmodelle unter die Lupe und aufs Korn. Von der Online-Liaison bis zur offenen Beziehung – der Blick durchs Schlüsselloch verrät, was wir nur allzu gern für uns behalten würden: Eifersüchteleien und Machtkämpfe, Betrug und Selbstbetrug, kleine Verunsicherungen und große Lebenslügen.

Mal absurd, mal tragisch, fast immer komisch.

Vorwärts zum XXXII Kopfstand!

Die neue Kopfstand-Runde kann kommen! Unter Einsatz unserer geistigen und körperlichen Gesundheit haben wir jede Menge Ideen und Erkältungsviren miteinander geteilt und herausgekommen ist am Ende tatsächlich die Storyline für Staffel Nummer 5. Natürlich ist sie riiichtig gut geworden. Überzeugt euch selbst – am 4.10. gehts weiter!

Aus dem Kopfstand – Blog

Thiembuktu, Magdeburg

Kurz vor Sommerende noch mal ein Sommerfest. Und das im Magdeburger Thiembuktu, dass ich schon vor längerer Zeit mal bespielen durfte, seither aber etwas aus den Augen verloren habe.

1. 9. Thiembuktu Magdeburg Sommerfest-Poster

Ich freue mich aufs Wiedersehen, nicht zuletzt wegen der interessanten KollegInnen.

Das Thiembuktu schreibt auf seiner FB-Seite:

35°C, du sitzt zu Hause, der Schweiß läuft über deine Stirn. Eigentlich würdest du gerne rausgehen, dich ein wenig bewegen, Leute treffen, Musik hören, unter einer Palme chillen…

Aber wo kann mensch das bitte in Magdeburg tun? Alles hat ‚Sommerpause‘. Das Theater ist zu. Palmen wachsen nirgendwo.
Mensch, sogar die Uni geht erst im Oktober wieder los!!
- Also was machen?

WIR GEBEN DIR EINEN GRUND ZUM RAUSGEHEN!

Am 01.09. ist es wieder soweit! Auch in diesem Jahr laden wir dich herzlich zu unserem Sommerfest ins Thiembuktu ein!
Unter dem Motto „Sommer, Sonne, Solidarität“ werden wir einerseits den Spätsommer bei einem kulturellen Programm zusammen genießen und dabei noch viele wichtige Projekte aus Magdeburg unterstützen.

Dich erwartet an diesem Tag, ein abwechslungsreiches, vielfältiges Programm:

14:00 – 17:00 Uhr: Antira-Fußballturnier HOT – Alte Bude
15:00 – 18:00 Uhr: Workshops im Garten des Thiembuktus
18:00 – 19:30 Uhr: Vortrag Sören Kohlhuber – Journalist
19:30 – 21:00 Uhr: Küche für Alle
21:00 – 22:00 Uhr: NOCH GEHEIM
~22:00 – ? Uhr: NOCH GEHEIM

Kommt vorbei! Kommt zahlreich! Wir freuen uns auf euch!

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*Diskriminierendes Verhalten und Personen aus dem rechten Spektrum werden nicht geduldet.
**Veranstaltung nur für Freund*innen.

Sollbruchstellen in der Datenschleife

Komische Zeiten sind das. Vor anderthalb Jahren hat das Google-Imperium einfach per Automatik und ohne mein Wissen meine letzte CD auf seine Videoplattform geschmissen, was aber niemand mitgekriegt hat. Besonders gut sieht es auch nicht aus.

Aber egal. Ich mache gute Miene zum bösen Spiel und habe die Lieder mal in die richtige Reihenfolge gebracht (ich wollte das eh schon länger mal tun).

Demnächst mache ich dann mal eine neue Platte/CD. Die Aufnahmen sind schon fast fertig.

Im fernen Westen

Am Sonnabend spiele ich zusammen mit vielen tollen KollegInnen auf den „Tropentango“ – Festival im Rheingau. Wahrscheinlich jedenfalls, weil das Wetter und die Stadt Lorch scheinbar Schwierigkeiten machen. Wir werden sehen.

Lichtenberg

Ich freue mich auf mein kleines Konzert in morgen in Lichtenberg. In dem hübschen Hausprojekt im Weitlingkiez gibts ab 19:00 Vokü und wenn um halb neun alle satt sind, spiele ich ein hübsches Soloprogramm. So etwa: