Archiv für September 2020

Kopfstand 49

+++ Du willst vor Ort dabei sein? Bitte schreib an post@kopfstandlese.de +++ Livestream: funk.supamolly.de +++

OMG! Die lesendste Bühne der Welt meldet sich aus dem Sommerpausen-Homeoffice zurück. Im Gepäck hat sie eine neue Staffel, ein Hygienekonzept und hin und wieder Gäste, eine toller als der andere. Im momentan angesagten Genre der Hybridlesung werden wir vor kleinem Präsenz-Publikum lesen und für den Rest der Welt wie gehabt livestreamen. Eines sei vorab gesagt: Diese Staffel wird natürlich die absolut beste, die wir in fast sechs Jahren Kopfstand-Geschichte jemals hatten. Wir können es kaum erwarten. Damit wir alle auf dem aktuellsten Stand der Geschichte sind, gibt’s ab dem 28.09. ein kleines „Was bisher geschah“ zum Nachschlagen und vielleicht auch -hören (Podcasts sind ja voll angesagt haben wir mitbekommen).

Wer am 1.10. beim Kopfstand #49 physisch präsent dabei sein kann und möchte, möge bitte eine Mail an post@kopfstandlese.de schreiben. Alle anderen mögen sich ab 20:30 auf funk.supamolly.de klicken.
Wir freuen uns schon einen Ast aus dem Eimer! Gerüttelt und nicht geschnürt, euer Kopfstand.

Live in Schwerin

Ein sehr schön gemachtes Video eines Konzerts in physischer Distanz:

Spendet gerne etwas Geld ans Komplex. Z.B. hier: https://dringeblieben.de/videos/kmplx-sessions-no2-geigerzahler

Schwerin Komplex

Letztens war ich in Schwerin. Die haben die im Komplex ein sehr kleines Konzert mit mir ziemlich aufwendig gefilmt. Das Ergebnis wird morgen um 20:00 auf Dringeblieben (hier könnt Ihr fürs Komplex spenden) Youtube, Facebook und Instagram ausgestrahlt. Vorab schon mal einen Teaser:

Circolo Vizioso – Isolation

Grunewald und der Graben

Bevor ich morgen in Grunewald spiele, möche ich nochmal auf den Mittwoch zurückschauen. Ich hatte die Ehre, für den „Verein zu Förderung antimilitaristischer Traditionen“ in Potsdam zu spielen. Anlass war eine kleine Feier zum 30. Geburtstag des Deserteursdenkmals am Platz der Einheit. Da lag es nahe, diesen Klassiker von Kurt Tucholsky zu spielen.

Der Graben

Mutter, wozu hast Du Deinen aufgezogen,
Hast Dich zwanzig Jahr’ um ihn gequält?
Wozu ist er Dir in Deinen Arm geflogen,
Und Du hast ihm leise was erzählt?
Bis sie ihn Dir weggenommen haben
Für den Graben, Mutter, für den Graben!

Junge, kannst Du noch an Vater denken?
Vater nahm Dich oft auf seinen Arm,
Und er wollt’ Dir einen Groschen schenken,
Und er spielte mit Dir Räuber und Gendarm
Bis sie ihn Dir weggenommen haben
Für den Graben, Junge, für den Graben!

Werft die Fahnen fort!
Die Militärkapellen spielen auf
Zu Eurem Todestanz!

Seid Ihr hin?
Seid Ihr hin?

Ein Kranz von Immortellen,
Das ist dann der Dank des Vaterlands!

Hört auf Todesröcheln und Gestöhne!
Drüben stehen Väter, Mütter, Söhne,
Schuften schwer, wie ihr, um’s bißchen Leben.
Wollt Ihr denen nicht die Hände geben?
Reicht die Bruderhand als schönste aller Gaben
Über’n Graben, Leute, über’n Graben!

Eine sehr schöne Version des Liedes mit Gisela May.

Wenn ich dieses Lied höre (oder jetzt spiele), muss ich immer fast heulen vor Wut, Trauer und Verzweiflung darüber, dass damals offensichtlich zu wenige Leute auf Tucholsky gehört haben. Verzweiflung vor allem, weil ich den Eindruck habe, dass das jederzeit wieder passieren kann.
Ich glaube, ich nehme dieses Lied auch mit ins ferne Westberlin. Neben der Reggaenummer, die ich da spielen muss. Bis dann.