Archiv für Juni 2016

„Weg mit der Ohnmacht“

Bei Indymedia gefunden. Verfasst von einem gewissen Jürgen Kadeweit. Ach ja… Ich spiel da auch! Mit Berlinska Droha und auch Solo!

Vor über einer Woche wurde die Rigaer 94 teilgeräumt. Seitdem ist eine Menge passiert: Spontane und angemeldete Demos, Sachschäden, solidarisches Topfschlagen, Pressekonferenzen, Hausverbote für die Staatsgewalt beim Bäcker an der Ecke, ein solidarisches HipHop-Konzert und vieles mehr.
Am 5. 7. wird der Fall erstmals vor Gericht behandelt. Vertrauen in die Justiz ist allerdings nicht angebracht. Die Justiz ist schließlich dazu da, den reibungslosen Ablauf des Kapitalismus im Sinne des Kapitals zu lösen. Wir haben das schon bei der Liebig 14 gesehen. Was auch immer bei der Kadterschmiede herauskommt – wir müssen weiter auf der Straße bleiben und Zwangsräumungen, Gefahrengebieten und dem gesellschaftlichen Rechtruck unseren Widerstand entgegensetzen. Dafür werden wir einen langen Atem brauchen.
Ein kleiner Baustein auf diesem Weg soll ein Konzert am 5. 7. an der Ecke Rigaer/Liebigstr. (Dorfplatz) zwischen 14:00 und 22:00 sein. Mittlerweile haben schon einige interessante Musiker_innen und Texter_innen ihr Kommen angekündigt:

Sahara B.
(Texte aus der Absurdität des Alltäglichen), Anderersaits (Singer/Songwriter), Yok (Kleinkunstpunk), Die Diebin (Geige und Gesang), Das Friedel (Beatbox), Konny (Kleinkunstpunk), Miss Jasmine Pearl (Chansons), Tintenwolf (Texte und Weltrevolution) Geigerzähler (Geige und Gesang aus dem Gefahrengebiet), The Incredible Herrengedeck (Chansons aus Berlin), Robert Klages (Lesebühnentexte), Berlinska Dróha (Chansons, Folk, Punk aus Berlin/Łužica), Dampf in allen Gassen (anarchoakustischer Patchworkpunk)…

Weitere werden hinzukommen. Außerdem wird es Redebeiträge zur aktuellen Situation, zu stadtpolitischen Themen und dem Widerstand gegen Genrifizierung und Repression geben.
Auch am Beginn der Veranstaltung wird es sehenswerte Acts geben! Wenn Ihr sie sehen wollt – kommt pünktlich.
Am 5. 7. sind noch weitere Aktionen in Planung. Achtet auf Ankündigungen. Außerdem wichtig: Die Demo am 9. 7.. Hier könnte so einiges zusammenkommen.

No Pasaran!
Für den libertären Kommunismus!

Update: Das Ganze entwickelt sich in Richtung einer kl. Festivalkundgebung. Vielleicht nicht das Schlechteste nach der Fusion. However: zwei weitere schicke Bands haben zugesagt: Szadensersatz in Form von Gerümpel (Fahrstuhlmusik aus dem Gefahrengebiet) und Nunofyrbeeswax (Garage/Berlin).


Quelle

Danke Polizei! Danke! Danke! Danke!

Haste dir schön ausgedacht, Herr Henkel. Spitzen Propaganda-Coup. Ganz wundervoll. Alleine oder zusammen mit dem Eigentümer John Dewhurst, der laut Indymedia mal Apartheid – Staatsanwalt war. Dumm nur, dass laut „Friedrichshain hilft“ und „Moabit hilft“ die Wohnungen überhaupt nicht an Flüchtlinge vermietet werden können. Die Presseerklärung:

Am heutigen Morgen erreichte uns die Nachricht, dass das Haus Rigaer Straße 94 derzeit geräumt wird. Die Berliner Polizei rückte mit einer 300 BeamtInnen starken Mannschaft an. Eine ungeklärte Anzahl von Securities war in diesen Einsatz involviert.

Laut unserem jetzigen Kenntnisstand und Aussage der Hausverwaltung, geht es darum, 2 Mieteinheiten im Erdgeschoss unter Polizeiaufsicht zu sanieren, um danach dort bei einer ortsüblichen Miete, Flüchtende unter zu bringen.

Friedrichshain hilft e.V.i.G. und Moabit hilft e.V. sind von dieser Maßnahme, flüchtenden Menschen Wohnraum zu schaffen, nicht in Kenntnis gesetzt worden. Seltsam ist die Tatsache, dass die ortsübliche Miete für eine Kostenübernahme der Träger (LAGeSo, Jobcenter) nicht im Rahmen der gesetzlichen Vorgaben liegt und somit nicht für Flüchtende genutzt werden kann.

Friedrichshain hilft e.V.i.G. und Moabit hilft e.V. verbindet eine sehr enge Beziehung zur Rigaer Straße 94, da die Bewohner als Erste kostenlosen Wohnraum für Friedrichshain hilft e.V.i.G. als Spendenkammer zur Verfügung gestellt und besonders schutzbedürftigen Flüchtenden mittelfristig Unterkunft gewährt haben.

Die Aktion der Berliner Polizei in Zusammenarbeit mit der Hausverwaltung erscheint uns zynisch, da die Rigaer Straße bis dato von Flüchtenden als Begegnungs- und Rückzugsort rege in Anspruch genommen wurde.

Wir verurteilen das Verhalten des Senats und der Hausverwaltung aufs Schärfste.
Die genannten Wohnungen können nicht als Unterkunft für Flüchtende genutzt werden, deswegen gehen wir davon aus, dass dieser Einsatz lediglich dazu dient, die Bewohner des Hauses weiteren Repressalien zu unterziehen, damit diese das Haus selbstständig verlassen. Quelle

Bleibt zu hoffen, dass es die Runde macht, dass die Geflüchteten nur ein billiger Vorwand für die Räumung sind. Ich denke dass sich die BerlinerInnen nicht so billig verscheißern lassen. Dass es Henkel nicht nützen wird hoffe ich auch. In diese Richtung weist die CDU-wählende Kollegin einer Bekannten, die ihn genau wegen der Rigaer für einen Volltrottel hält. Die schäumenden nationalistischen Wutbürger auf Twitter und Facebook wird das natürlich nicht vom Schäumen abhalten. Aber die wählen eh AfD, daran wird sie auch ein bisschen Jubel über den Innensenator nicht hindern.

Mittelweile gibt es auch eine Stellungnahme der benachbarten Liebig 34. Einen sehr schönen Text zur Räumung gibts beim Kraftfuttermischwerk. Detailreiche Infos zur Räumung sowie eine erste Einschätzung stehen in der Presseerklärung der Rigaer 94. Von der 94 kommt auch eine „Einladung zum weiteren Vorgehen“.

Wie es aussieht, müssen wir uns auf eine längere Belagerung im Haus einstellen. Wir appellieren in erster Linie an eure Kreativität, wenn ihr uns unterstützen wollt, so dass wir das Haus wieder in Beschlag nehmen können. Sowohl vor Ort als auch dezentral lässt sich sicherlich Druck aufbauen.

Wir haben zwei konkrete Ideen:

1. Morgen, um ca. 7 Uhr wird der Bautrupp wieder hier einmarschieren, um unser Haus weiter zu zerstören bzw. aus der Kadterschmiede und der Werkstatt Wohnungen zu machen. Frühaufsteher_innen können die Bauarbeiter davon abhalten, dass sie hier reinkommen. Kommt an die Zufahrtswege und lasst uns nicht alleine mit den ganzen Schweinen.

2. Wir würden gerne morgen, Donnerstag, um 22 Uhr in den Hof zur normalen Donnerstags-Küfa einladen. Kommt rein! Ihr seid herzlich eingeladen! Außerdem: sobald die Bullenabsperrungen lockerer werden, egal ob in 1, 2 oder 10 Tagen, laden wir alle in unseren Hof ein, um das Haus von Bullen und Securities zu befreien.

Schlussendlich wollen wir noch darauf hinweisen, dass schon seit längerem am 9.7. eine Demo gegen Gentrifizierung in der Rigaer Straße geplant ist. Es geht konkret gegen den Neubau der CG-Gruppe gegenüber von LIDL. Sicherlich aber könnte dieser Tag auch dazu genutzt werden, unsere Wut gegen den Polizeiterror auszudrücken, der die Gentrifizierung begleitet.

Von Frankfurt ins Ländle

Eigentlich bekloppt von Frankfurt über Witzenhausen und Berlin ins Ländle zu fahren. Was solls. Schön isse gewesen – diese Minitour mit Sahara B. Wir machen bestimmt bald wieder was zusammen und nutzen die Kopfstand – Sommerpause für ein paar Ausflüge.

Nächste Woche geht es dann Solo und allein nach Schwaben. Freitags spiele ich 21:30 in Nürtingen in der Silberburg, am Sonnabend bin ich in Tübingen im Epplehaus und freue mich, meine Antipathie gegen die Diktatur Erdogans in der Türkei wenigstens ein bisschen in Solidarität umsetzen zu können:

Seit letztem Herbst stellt das türkische Militär eine Stadt nach der anderen unter militärische Ausgangssperre und führt Krieg gegen die kurdische Bevölkerung. In den Städten unter Ausgangssperre begehen Polizei und Militär massenhaft Kriegsverbrechen und versuchen humanitäre Hilfe unmöglich zu machen.

Die Bevölkerung soll zermürbt und verdrängt werden und der Widerstand vernichtet werden. Die Ausgangssperren bedeuten für die Anwohner_innen, dass der Weg zum nächsten Laden lebensgefährlich wird, oft werden die Lebensmittel und sauberes Wasser knapp. Menschen sitzen für Wochen verletzt in Kellern fest und Ärzt_innen wird der Zugang verwehrt.

In dieser Situation sind Menschen in den umkämpften Gebieten zusammengekommen und haben begonnen ein Solidaritätsnetzwerk aufzubauen um die Menschen in den Städten unter Ausgangssperre zu unterstützen mit Lebensmitteln und später dann beim Wiederaufbau ihrer Viertel.

Diese Unterstützung braucht jedoch Geld – daher Zeit für Solipartys! Lasst uns gemeinsam zu schöner Musik tanzen und feiern und ein wenig Kohle sammeln für den Wiederaufbau der zerstörten Städte in der Süd-Ost-Türkei.

Anti-EM-Tour 2016

Bahnhof Frankfurt/Main: nach 9 Stunden Zugfahren möchten wir eine rauchen. Dringend! Also raus auf den Bahnhofsvorplatz zwischen die schwarzrotgoldenen Wimpel, die sich mit Betrunkenen mischen, wie wir sie schon lange nicht mehr auf einem Bahnhofsvorplatz gesehen haben. Irgendwie romantisch, diese Betrunkenen, die in FFM anscheinend noch in Ruhe gelassen werden. Dazwischen eine Gruppe muskulöser junger Männer die eingehüllt in polnische Fahnen mit großer Eleganz jungmännerhafte Posen zelebrieren. Daneben wir. Endlich rauchen.

Zwei U-Bahnstationen weiter: Wir suchen einen Keller in diesem 50er-Jahre Unigebäude und finden ihn nicht, bis uns Holger vom unter_bau abfängt und hineinführt. Der Protestkeller, in dem wir heute auftreten werden, ist eine interessante Mischung aus „subkulturellem Kitsch und antiquarischem Chic“ (Holger). Vor einem ebenfalls antiquarischem roten Vorhang werden wir auftreten. Vorerst ist aber noch eine Infoveranstaltung vom unter_bau und wir müssen leise sein. Wir sind gespannt, was das heute Abend werden soll so als Gegenveranstaltung zum Deutschlandspiel. Die Veranstaltung selbst ist klein aber fein. Etwa 20 Leute lauschen, wir lesen und spielen über 2 Stunden und hängen dann noch eine zweite Runde dran. Anschließend Biertinken. Schön wärs gewesen ohne die letzte Flasche. Aber lassen wir das, denn heute ist ein neuer Tag.

An diesem Tag überrascht uns nicht nur unerwartet gutes Wetter, sondern auch eine unbeschreiblich gute Kombination aus Geige, Folk, politischem Gesang, Punkt und Lesebühne!

Wer könnte politischen Gesang, Folk, Punkt und Geige besser vereinen als: Geigerzähler, eine Hälfte des sorbischen Folk-Punk-Duos „Berlinska Droha“.
Wenn das nicht schon genüg wäre, aber nein!
Sahara B. formt das ganze, mit ihren längeren u. kürzeren (Kurz-)geschichten über die Absurdität des Alltäglichen, erst zu einer gelungenen musikalischen Lesebühne.
https://www.facebook.com/events/1096091640483535/

Morgen gehts dann weiter. Und zwar nach Witzenhausen.

Aus Witzenhausen kommt folgender Text:

Lass Dir keine Geschichten erzählen.

Doch! Sahara B. und Geigerzähler kommen durch unser Städchen und bringen Kunde aus dem fernen Frankfurt am Main, wo sie die Gründung der StudiGewerkschaft unterbau.org mit ihren Gedichten, Geschichten und Liedern über alltägliche Absurditäten begleitet haben werden.

Auf ihrer Heimreise müssen Sie die Werra über unsere Brücke queren. Als Wegzoll haben sie sich bereit erklärt auch uns mit ihren Künsten zu erfreuen und so öffnen sich für Euch am Samstag ab 20:30 die Pforten des Klubs.

Bringt Kind und Kegel, seid den Beutelschneider*innen gewahr und gehabet Euch wohl.

Euer Klub
beurkundeter Verein seit 1977

Wir sind gespannt.

Frankfurt (West)

Lange nicht mehr in Frankfurt gewesen. Nicht an der Oder – da komme ich immer auf dem Weg nach Polen vorbei. An Frankfurt am Main fahre ich auch manchmal vorbei, wenn ich auf dem Weg nach Freiburg oder in die Schweiz bin. Dann sehe ich ein paar Hochhäuser und bin wieder weg. Aber morgen halte ich an! Das ist schön, denn ich habe das Vergnügen, gemeinsam mit Sahara B. für den unter_bau zu spielen. Der unter_bau ist ein hoffnungsvolles gewerkschaftliches Experiment an der Frankfurter Uni.

Die ganze Sache ist recht kurzfristig zustande und ich bin gespannt was passiert. Konzert und Lesung starten gegen 21:00 im Protestkeller in der Mertonstraße 26.

Aus aktuellem Anlass, hänge ich noch einen Link dran, der ein bisschen Offtopic ist, andererseits auch wieder nicht. Denn auch der unter_bau solidarisiert sich mit den Streiks und Protesten in Frankreich: Orgie der Polizeigewalt – Eine Situationsbeschreibung von Bernard Schmidt.