Das Land, daß es nicht mehr gibt

Vierter November 1989. Ich – ein 11-jähriger Junge – sitze auf einem Bäumchen am Alexanderplatz und höre zu. Ich höre, wie Markus Wolf und Schabowski ausgebuht werden. Ich höre gespannt die ganzen Reden für einen freien Sozialismus und eine andere DDR. Ich höre auch die vielzitierten Worte von Stefan Heym:

„Es ist, als habe einer die Fenster aufgestoßen! Nach all‘ den Jahren der Stagnation – der geistigen, wirtschaftlichen, politischen; – den Jahren von Dumpfheit und Mief, von Phrasengewäsch und bürokratischer Willkür, von amtlicher Blindheit und Taubheit. […] Einer schrieb mir – und der Mann hat recht: Wir haben in diesen letzten Wochen unsere Sprachlosigkeit überwunden und sind jetzt dabei, den aufrechten Gang zu erlernen!“

Die Zeit war voller Hoffnung und so politisiert, daß ich mich auch als 11-Jähriger nicht entziehen konnte. Nur selten in der Geschichte wurde so offen und breit über gesellschaftliche Alternativen diskutiert. Das Fenster schloss sich jedoch mit den von der CDU gewonnenen Volkskammerwahlen, der folgenden Währungsunion und dem Anschluss der DDR.

Eine schöne Collage hat Annett Gröschner 2009 im Freitag zusammengestellt. Ein paar interessante Links zu Diskussionen zum 4. November von 2009 gibts beim Ostblog.
Im Ostblog gibt es auch einen Text aus dem Telegraph, der mit einem interessanten (weil ungewöhnlichem) Blick auf die Zeit der „Wende“ schaut: DIE GESCHEITERTE REVOLUTION.

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