Archiv für März 2015

Zement am Schuh

Aus traurigem Anlass:

Emmely, die uns vor 5 Jahren zu diesem Song inspiriert hat, ist vor 6 Tagen viel zu früh an Herzversagen gestorben. Wir verneigen uns vor dieser mutigen Frau, die einen Großkonzern in die Knie gezwungen hat.

Einen guten Nachruf gibts vom damaligen Solikommitee:
http://www.scharf-links.de/41.0.html?&tx_ttnews[tt_news]=50706&cHash=18f9adca67

Aufnahmen und Beats von Andrew (danke noch mal).

Kulturbühne Kopfstand III,

in der Jürgen versucht aus dem finnischen Knast heraus und zurück nach Berlin zu kommen; in der Frettchenschläger „Healing und Feeling“ ruiniert und Martina mit den Gästen der Baiz über geeignete Rache nachdenkt. Ansonsten: Verschwörungstheorie des Monats, Punkrock – Quiz und vieles mehr. Mit Texten und Musik von Anke (Früchte des Zorns, Des Wahnsinss fette Meute), Jacob (Hip Hop aus Potsdam) Der Papst, seine Frau und sein Porsche und Geigerzähler.

Wie immer am ersten Donnerstag im Monat in der Baiz (Wörther Ecke Schönhauser)

„Shoppingmall, Einkaufscenter, Kaufhaus, Warenhaus, Einkaufspark, Outletcenter…

…für mich alles der selbe langweilige Schrott. Konsumrobotertreffpunkte.Schnell rein und wieder raus.Weil irgendwo muss ick ja meine Schlüppa kaufen.

Der nächste Flop ist ja bereits in der Projektierungsphase. Im reichen Moabit. Auf dem Gelände der Schultheiss Brauerei wird eine – unglaublich – eine Shopingmall entstehen. Huth verpflichtet sich zudem allen Moabitern jeden Tag eine kleine Summe zum Einkauf zu stiften. Damit wenigstens die Eröffnung klappt. Die Arbeiter drängeln sich schon aus aller herren Länder ohne Lohn dieses Machwerk fertig zu stellen. Die Frage wer solche irren Kisten in dieser Stadt weiterhin zuläßt, brauchen wir bei diesem Senat eh nicht zu stellen. Wer gibt dem „Investor“ eigentlich so viel Geld in die Hand?

In der Mall ist einfach kein Leben und keine Stimmung. Gut, wenn man in den bequemen luxeriösen Sitzflächen chillen möchte, stört ein garantiert niemand. Unser Einkauf an dem Tag: Eine bunte Plastikhaarspanne für 5 Euro für die siebenjährige Tochter meiner Gäste – ganz schön überteuert.

Noch ein Tipp an Herrn Huth: In meinem Bekanntenkreis kommt die Zahlungsverweigerung gegenüber den verarschten Bauarbeitern schlecht an.

Die Menschen haben nicht mehr Geld im Geldbeutel. Wie und warum sollte also auch mehr Geld ausgegeben werden, nur weil man eine neues Einkaufszentrum baut? Hätte man aber mit ein bisschen Nachdenken von selbst drauf kommen können. Und dann auch noch nicht mal die Bauarbeiter ordenlich bezahlt… Mein Mitleid hält sich in Grenzen. Wegen mir kann das wegen mangelndem Umsatz bald wieder zumachen.

Bis dahin sollte man noch möglichst viele Shopping Malls bauen, damit man später darin schön Rollschuh laufen kann.“

Danke, liebe Tagesspiegel-KommentatorInnen:
http://www.tagesspiegel.de/berlin/einkaufszentrum-am-leipziger-platz-in-der-mall-of-berlin-laeuft-nicht-alles-rund/11524598.html

Grüsse aus Basel

Basel – Stadt der Pharmakonzerne. Aber der Rhein ist schön und eine subkulturelle linke Szene gibts auch. Ein paar mehr oder weniger legale Bars und ein besetztes Haus in einem ehemaligen Puff nicht weit vom Badischen Bahnhof.
Warum ich ausgerechnet hier, vor dieser Tiefgarage unter der Rheinbrücke meinen beim letzten „Kopfstand“ erstmals aufgeführten Gruss an Herrn Frettchenschläger aufgenommen habe, kann ich eigentlich nur damit begründen, das grade eine Kamera und ein paar Minuten Zeit vorhanden waren am Ende der Stadtbesichtigung (merci vielmals, A.). Der erste Take musste klappen und hat er ja auch, würde ich sagen. Los gehts:

Ich bin aufgestiegen, habs geschafft, ich bin der Boss
Jetzt laufen meine Pferdchen, auch in Neustadt an der Doss
den Pferdchen geht’s ganz prächtig, Stroh und Hafer gehn nie aus
Ganz anders sieht es aber mit den Bauarbeitern aus
Sie haben nichts zu fressen und bauen doch die Mall
sie solln sich nicht so haben – THE WINNER TAKES IT ALL!

Ich lass die Leute schuften, sie brauchen auch kein Geld
sie müssen nur noch lernen, daß man die Fresse hält
Und gehen sie zur Gewerkschaft, die nervt herum und plärrt
dann wird die ziemlich zügig zum Gericht gezerrt
Das muss nicht kompliziert sein, ich sag einfach das sie lügt
meine Ehre muss verletzt sein und einstweilig wird verfügt

Weil ich nun mal der Boss bin, ist sie teuer, meine Ehr
Zweihunderfünfigtausend, das ist doch nicht so schwer
die Firma die ist pleite, jetzt ist ne andre dran
und dann fängt die Geschichte nochmal von vorne an
sie fliegen aus der Wohnung und bauen mir doch die Mall
sie solln sich nicht so haben – THE WINNER TAKES IT ALL!

In meinen schlechten Träumen male ich mir aus
all die ganzen Penner stehn vor meinem Haus
Ich will mein Pferdchen satteln – nach Neustadt/Dosse fliehn
mein Pferd ist leider nicht in meiner Wohnung in Berlin

Sie rufen:

„Hau ab aus deiner Wohnung und schlaf doch vor der Mall
du sollst dich nicht so haben -THE WINNER TAKES IT ALL!“

„Das Schönste am Sonntag sind die Samstagabende.“

Das ist ein Zitat von Kurt Tucholsky. Steht in der Mall of Shame zusammen mit jeder Menge anderen aus dem Zusammenhang geworfenen Zitaten auf dem Fussboden rum. Die „Radikale Linke Berlin“, die morgen in der K9 eine Infoveranstaltung zur Mall of Shame macht, hat das Zitat in ihrem schönen Ankündigungstext wieder in den richtigen Kontext gestellt:

„Dass der Arbeiter für seine Arbeit auch einen Lohn haben muss, ist eine Theorie, die heute allgemein fallen gelassen worden ist. „

und:

Man kann den Hintern schminken wie man will, es wird kein ordentliches Gesicht daraus.

Ich will da auch mittun und werfe mal wieder ein etwas älteres Tucholsky-Cover in den Raum. Bürgerliche Wohltätigkeit:

By the way. Passt nicht direkt zu Tucholsky oder der Mall, is aber wichtig: Ich wünsche einen erfolgreichen 8. März.

Ich weiß nicht

Kurz bevor ich in die Schweiz fahre, mal einen Berlinska Dróha-Song, den ich mit Thomas Kurmann in Winterthur für die „Was soll schon sein“-CD nochmal solo aufgenommen hab.

Bin ich Sorbe oder Deutscher? Kann man sich ja schon mal fragen. Und zu dem Schluss kommen, dass es Wichtigeres auf der Welt gibt. Was nichts daran ändert, dass diese Faschos, die Jugendliche vor den Diskos bedrohen, weil sie sorbisch sprechen, sehr deutlich in die Schranken gewiesen werden müssen. Und nicht nur die – auch solche Nazis, die sorbische Trachten auf ihre Plakate drucken; von wegen Heimat und so. Aber is ja klar. Am 14. 3. wollen diese Kackbratzen mal wieder durch Bautzen/Budyšin defilieren. Sie tun das in letzter Zeit öfter. Schön, dass es Leute gibt, die dagegen halten.
http://bautzenstelltsichquer.blogsport.eu/

Luzern

So ein schickes Plakat! Danke!