Archiv für November 2014

Berlin, Budyšin, Berlin

Schön das der Naziaufmarsch mehr oder weniger verhindert wurde und das die Silvio Meier Demo ganz ordentlich gewesen muss. Ein Lichtblick in Zeiten, in denen die Arschlöcher anscheinend Oberwasser bekommen. Doch schauen wir kurz weg von Berlin in die schöne Oberlausitz. Dort gibt es neben „Protesten ganz normaler Bürger“ gegen Flüchtlingsheime auch Attacken gegen die sorbische Minderheit. Warum? Weil es nicht in das Naziweltbild passt, dass jemand in einer anderen Sprache spricht. Der Blog „LauterBautz‘ner hat eine Presseschau zusammengestellt. Auch hier gibt es Reaktionen. Zum Beispiel diese hier auf Facebook.

Zurück nach Berlin. Solidarität kann (und muss) manchmal auch sehr praktisch werden. Zum Beispiel mit den betrogenen rumänischen ArbeiterInnen, die die „Mall of Shame“ (Mall of Berlin) gebaut haben. Die Fau Berlin schreibt:

Die „Mall of Berlin“ wurde im September diesen Jahres eröffnet und ist eine der drei größten Einkaufszentren der Hauptstadt. Der Protzbau am Leipziger Platz, der nach rbb-Angaben ca. eine Milliarde Euro gekostet haben soll, könnte nun in der Vorweihnachtszeit zum Symbol der gängig gewordenen Ausbeutung migrantischer ArbeiterInnen aus dem EU-Ausland werden. Ein Subunternehmen hatte Arbeiter aus Rumänien für schlappe sechs Euro Stundenlohn in dem Konsumgiganten schuften lassen und am Ende nicht mal diesen niedrigen Lohn vollständig an die Arbeiter bezahlt. Ein Teil der Arbeiter hat sich nun in der FAU Berlin organisiert, die nun schnell und entschlossen handeln wird um die ausstehenden Löhne zu erkämpfen!

Dieser Kampf braucht unsere Unterstützung! Kommt zu den täglichen Kundgebungen (von 11 – 18:00, Voßtraße 10) und zeigt eure Solidarität. Und verbeitet die Nachricht.

Twitter: #MallOfShame und #MallOfBerlin
Facebook: https://www.facebook.com/mallofshame

22. November – Naziaufmarsch in Marzahn verhindern!

Jetzt reichts!

Am kommenden Samstag, den 22.11.14, planen die Nazis mit einer überregionalen Demonstration unter dem Motto: „Gegen Asylmissbrauch den Mund aufmachen!“ durch Marzahn-Hellersdorf zu marschieren. Es wird einer der größten Aufzüge der rassistischen Rechten seit Jahren in Berlin und Brandenburg erwartet. Dabei wollen die Rassist*innen wohl auch um die Unterkunft für Asylsuchende in Hellersdorf marschieren.

Das wollen und müssen wir verhindern!

Ein breites Bündnis aus antifaschistischen Gruppen und Initiativen ruft zu Blockaden auf. Die großen und breiten Straßen im Plattenbau-Kiez stellen uns dabei vor eine Herausforderung. Es werden daher viele Menschen notwendig sein, die sich den Nazis kreativ und entschlossen in den Weg stellen. Erfahrungen aus den letzten Jahren, wie in Magdeburg oder Dresden, haben deutlich gezeigt, dass große Aufmärsche nur gestoppt werden können, wenn wir ihnen mit einer breiten Palette an Protestaktionen begegnen. Wir sind deshalb solidarisch mit allen Aktionsformen, die den Aufmarsch der Nazis stören, blockieren oder verhindern wollen! [Der ganze Aufruf bei Linksunten]


Vortreffpunkte:

12 Uhr Ostkreuz (Sonntagstraße) – für Kreuzberg / Neukölln / Treptow / etc.
12 Uhr Frankfurter Allee (Sparkasse) – für Friedrichshain / Pankow / Weißensee / etc.

Dinge von gestern

Gewerkschaften sind out. Die neoliberale Propaganda hat das solange wieder und wieder und nocheinmal erzählt, bis es selbst manche GewerkschafterInnen angefangen haben zu glauben. Nun sind die realexistierenden Gewerkschaften oft tatsächlich derart grau, dass man denken könnte, sie würden der Propaganda recht geben wollen. Bürokratischer Aperat statt Selbstermächtigung und Emanzipation. Wie deprimierend! Was helfen könnte? Basisaktivität und Selbstbewußtsein.
Drauf gebracht hat mich der Schwerpunkt der Jungle World Nr. 45 vom 6. November – ein Schwerpunkt, der mich gefreut hat, weil ich mich mal mal wieder mit der Zeitung, die mir viele Bahnfahrten versüßt und manchmal auch versäurt hat, identifizieren konnte. Selbst wenn ich die Aufzählung von Ivo Bozic nicht ganz so lustig finde, wie er wahrscheinlich selbst. Wunderbar hingegen der Rundumschlag von Elmar Wigand und der Text über die Strategielosigkeit des DGB von Anja Krüger. Bei der Polemik von Markus Liske habe ich mich – passend zum Wendejubiläum – an etwas ganz anderes erinnert (soweit man sich an Dinge, die man als 11-Jähriger gesehen hat, erinnert): An die Demonstration am 4. November und die Rede vom Heiner Müller (youtube), der einen Aufruf zur Gründung unabhängiger Gewerkschaften verlesen hat.

[…]Die nächsten Jahre werden für uns kein Zuckerschlecken. Die Daumenschrauben sollen angezogen werden. Die Preise werden steigen, die Löhne kaum. Wenn Subventionen wegfallen, trifft vor allem uns. Der Staat fordert Leistung, bald wird er mit Entlassung drohen. Wir sollen die Karre aus dem Dreck ziehen!

Wenn der Lebensstandard für die meisten von uns nicht erheblich sinken soll, brauchen wir eigene Interessenvertretungen.

- Beruft Vollversammlungen ein und fordert Rechenschaft von der Betriebsgewerkschaftsleitung
- Ernennt Kollegen aus euren eigenen Reihen zu Sprechern
- Lasst diese Kollegen eure Forderungen an die Betriebsleitungen stellen
- Stellt euch hinter diese Kollegen, wenn sie Schwierigkeiten bekommen
- Macht die Ergebnisse sofort öffentlich, das schützt vor Repressalien
- Sucht den Kontakt zu Kollegen in anderen Betrieben
- Gründet unabhängige Gewerkschaften!

Wie wahr! Immer noch! Und wie weitblickend damals!

Zrudny Končak

Aus aktuellem Anlass noch mal einen wunderhübschen Song von unser ersten Single:

Und dazu noch mal die ganze Geschichte als Comic von Andreas Michalke (mit der sorbischen Übersetzung des Textes).


Kiezfest: Der Widerstand geht weiter!

Bevor wir (Berlinska Dróha) morgen nach Potsdam fahren, verlassen wir kurz Ostberlin und damit die Zone. Wir geben 15:00 (pünktlich) einen kleinen aber wichtigen Benefizgig vor einer kreuzberger Schule. Nach uns spielen noch einige weitere interessante KollegInnen:

Dota, die Kleingeldprinzessin,
Friend Crush (angefragt),
Çığır & Kaveh,

u.a.

Außerdem gibt es Redebeiträge, eine Bastelecke und eine anschließende Versammlung. Weitere Infos bei Zwangsräumung verhindern.

Sonntag, 09.11.2014 // 15.00 Uhr – 19.00 Uhr
Ohlauerstr. vor der Schule // Kreuzberg

Reichsflugscheibe und Klarstellung

Hier noch mal eine live-Version meines Liedes über Faschoesoteriker auf scheinbaren Friedensdemos. Hintendran ein Köterkacke – Cover, das die Sache noch einmal ausführlich erklart. Das ganze wurde diesen Sommer auf dem würzburger Wagenplatz aufgenommen. Danke noch mal für das schöne Konzert und den Mitschnitt!

Das Schöne und die Scheiße (Cottbus/Chóśebuz, Potsdam und das Grenzregime)

So eine Scheiße. Da gibt man sich Mühe, Konzerte für KollegInnen von „Ludzi Na Bałocie“ aus Belarus zu organisieren und was dann? Irgendein Scheiß – Konsulat gibt denen kein verfluchtes Visum. Das heißt: Konzert am Sonnabend im Fischladen fällt aus, und auf der Potsdamer Matinee spielt Berlinska Dróha allein. Plakat gibts trotzdem – leider ohne KollegInnen:

Zwei Tage vorher spielen wir am Rande, des „Festivals des Osteuropäischen Films“ in Cottbus/Chóśebuz. Die VeranstalterInnen haben sich einen charmanten Werbetext einfallen lassen:

Das Duo Berlinska Dróha lässt sich in keine Schublade stecken: Die beiden mixen sorbischen Folk mit Punk, Polka und Percussion und erzählen in ihren deutschen wie sorbischen Liedern zerbrechlich-leise bis rotzfrech-laut von Herzblockaden, Konsumwahn und Räumungsopfern. Wenn dann später am Abend aus dem Zappeln wilder Pogo wird, liegt das an Čorna Krušwa und ihrem turbobluesigen Punkrock. Das ŁUŽYCA ROCKS-Ticket gilt für beide Clubs (LaCasa/Scandale). Die Bands spielen zeitversetzt. Weitere Infos: www.scandalecottbus.de

Apropos charmante Texte: In der „Jungle World“ stand letztens auch einer:

[…]Während der Sound von Berlinska Dróha im Allgemeinen eher filigran ist, präsentieren sie sich auf diesem Album, unterstützt von Čorna Krušwa, deutlich druckvoller. Es ist ihre bislang poppigste, aber auch punkrockigste Platte. Bei »Zacin durje« ist es, als sänge Poly Styrene sorbisch, »Crisis« ist eine richtig punkige New-Wave-Nummer, »Jenož tebje dla« ein Rocksteady-Ausflug, »Steinherz« ist Punk mit Geige und Klavier und mit »Druck« erinnert ein Song an die ruhigeren Momente von Ton Steine Scherben. Die Platte klingt im besten Sinn nach 1979, als Punk noch alles sein konnte […]

…heißt es da zum Beispiel. Nur so als Vorgeschmack auf unsere die Tage endlich und tatsächlich erscheinende Mini – LP.

Aber von den schönen Dingen zurück in die Scheiße. Diese Visaverweigerung ist ja nur ein kleiner weiterer Grund, das EU -Grenzregime zum Kotzen zu finden. Jede verdammte Ware passiert mühelos jede beschissene Grenze (es sei denn, die EU hat mal wieder ein paar Sanktionen gegen Putin verhängt und Putin hat zurücksanktioniert). Die Menschen sollen gefälligst zu Hause bleiben, vor allem wenn sie kein Geld haben. Tausende Flüchtende ertrinken im Mittelmeer und die, die es trotzdem geschafft haben, werden in Heime gepfercht, in denen das Leben schwer und die Suizidrate hoch ist. Zudem sind sie Projektionsfläche deutscher Nationalisten, was das Leben in Kleinstädten wie zum Beispiel Bautzen/Budyšin auch nicht grade heimeliger macht (dankenswerterweise gibts auch Gegenaktivitäten).
Wehren sich Geflüchtete, werden sie von der Politik mit Versprechungen und Vereinbarungen abgespeist, die dann nicht eingehalten werden. So geschehen mit den Leuten vom Oranienplatz und der Schule in der Ohlauer Straße. In einem Aufruf, des „Bündnis Zwangsräumung verhindern“, der mitterweile von vielen AnwohnerInnen, Initiativen und KollegInnen unterschrieben wurde heißt es:

Ende Juni 2014 gab es eine 10tägige Belagerung der Geflüchteten in der Gerhart-Hauptmann-Schule. Nach langen Verhandlungen und viel Solidarität aus der Nachbarschaft kam es schließlich zu einer Einigung zwischen Bezirk und Geflüchteten, dass die Geflüchteten in der Schule bleiben können.

Nun, 4 Monate später, hat der Bezirk durch seine Bürgermeisterin Monika Herrmann eine Kündigung zum 31.10.2014 geschickt. Alle Geflüchteten sollen auf die Straße gesetzt werden. So viel sind die Versprechen der Grünen wert. Anstatt Henkel und den Verantwortlichen im Land auf den Pelz zu rücken und Henkels Büro zu besetzen, geben die Kreuzberger Bezirkspolitiker_innen den Druck nach unten weiter.

Sie reden von Recht und Gesetz, brechen aber alle Vereinbarungen, die sie mit den Refugees eingegangen sind, am Oranienplatz mit Kolat oder in der Schule mit Herrmann!

Wir fordern die Bezirkspolitik dazu auf, ihr Wort zu halten und erklären hiermit, dass wir uns einer Räumung der Schule am Tag X entgegen stellen werden.

Genau!

Zum Schluss noch etwas anderes, das grade ebenfalls wichtig ist, auch wenn viele Zeitungen gegen die GDL hetzen als hätte sie jemand gleichgeschaltet und es für BahnfahrerInnen wie mich manchmal anstrengend ist: