Gentrifizierung ganz oben

Davos ist eine komische Stadt. Ganz früher ein Dorf mit vielen Kühen und seit Ende des 19 Jahrhunderts ein Luftkurort mit etwa 11000 Einwohnern und einer wunderhübschen Schmalspurbahn. In den 30ern nicht eben eine linke Hochburg, so dass sich der deutsche Nazi Wilhelm Gustloff wahrscheinlich sehr wohlgefühlt hat – bis zu diesem 4. Februar 1936, an dem David Frankfurter ihn getroffen hat. Aber das ist lange her.
Heute steht hier und da steht noch eins von den alten, mondänen Hotels herum, meistens sieht man aber Bauten neueren Datums, die oft nicht wirken, als hätte sich jemand Gedanken um die Stadtplanung gemacht. Vor allem fällt aber auf, dass die Stadt außerhalb der Saison fast eine Geisterstadt ist, weil ein Großteil des vorhandenen Wohnraums aus Eigentumswohnungen besteht, deren EigentümerInnen vielleicht mal ein paar Wochen im Jahr in ihrer Zweit- oder Fünftwohnung sind.

Irgendwer muss trotzdem in den Hotels die Betten machen, die seltsamen Häuser voller Ferienwohnungen bauen, und den Kindern vermögender Touristen Ski-Unterricht geben. Und dann gibts die, die in Davos aufgewachsen und zur Schule gegangen sind und einfach nicht wegziehen möchten, obwohl nicht touristisch ausgerichteter Kultur nicht im Überfluss vorhanden ist. Sie alle und noch ein paar mehr müssen irgendwo wohnen. Nun sind die Löhne in Davos verhältnismäßig ok, was aber nicht hilft, wenn es einfach keine Wohnungen außer Ferienwohnungen gibt und wenn für die, die es gibt auch die davoser Löhne kaum reichen. Was sollen sie machen? Sollen sie sich ein Iglu bauen?


DAvos Dahai – hier noch fast verpackt

Diese Gemengelage führt dazu, dass es selbst 1500 Meter über dem Meeresspiegel einen Ableger der Anti-Gentrifizierungsbewegung gibt. Die ProtagonistInnen rennen alle mit grünen Mützen mit dem Schriftzug „DAvos Dahai“ herum. Ansonsten machen sie diverse Protestaktionen, die sie auf ihrer Facebookseite dokumentieren und die von großen Teilen der lokalen Politik stets ignoriert werden. Noch sind sie recht zahm und schreiben Petitionen. Aber wer weiß, was die Zukunft bringt? Werden die leerstehenden Ferienwohnungen einfach bezogen? Und was passiert eigentlich mit dem WEF, wenn wütende HotelarbeiterInnen und SkilehrerInnen die Stadt besetzen? Kommt die Revolution doch von ganz oben oder wird es doch wieder nur eine Abstimmung? Fragen über Fragen.

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