Archiv für April 2014

Das Lied von den Murmeln

Ich hatte es fast verdrängt: Nach wie vor stehen sich Atomraketen gegenüber, die locker ein paar mal die ganze Welt in Schutt und Asche legen können. Das hat sich seit dem Ende des kalten Krieges nicht geändert. Mit dem Ukraine – Konflikt wird es aber wieder sichtbar und wenn ich hinschaue grusele ich mich.

Ein Gefühl von Angst und Ohnmacht.

Einen schönen Text, der das gut fasst, hat Max Ophüls in den 20ern wohl noch unter dem Eindruck des ersten Weltkrieges geschrieben. Das wir heute den Fortgang der Geschichte kennen, macht das alles nicht weniger beängstigend. Ich hab mich mal an einer neuen Interpretation versucht, die grade als Testtrack von smaiL (shocK-Productions) aufgenommen wurde. DANKE!

DAS LIED VON DEN MURMELN

Sie kennen doch Murmeln.
Man nennt sie auch Klicker,
dies ist ein dünner,
und das ist ein dicker,
und der ist aus Eisen
und dieser aus Glas,
man stößt sie hin und her
zum Spaß.
Man wirft sie gegen die Wand,
die runden Köpfe roll‘n in den Sand,
das kostet nicht viel,
ist nur ein Kinderspiel,
ein Kinderspiel, gespielt in jedem Land.

Das ist auch der Menschen Los auf Erden,
wir seh‘n nicht, wohin wir gestoßen werden.
Man wirft uns rücksichtslos ins Spiel,
wir kullern daneben
und nur selten ins Ziel.
Und wenn wir auch in den Pott rein roll‘n,
wir fallen so, wie es die Herren woll‘n;
denn wir sind nur Murmeln,
wir sind wie die Klicker,
ob du ein Dünner bist
oder ein Dicker,
ob du aus Eisen bist
oder aus Glas.
Man stößt uns hin und her
zum Spaß.
Man wirft uns gegen die Wand,
und unsre Köpfe roll‘n in den Sand.
Das kostet nicht viel,
ist nur ein Kinderspiel,
ein Kinderspiel, beliebt in jedem Land.

Und so kann’s eines Tages noch passieren,
da wird man uns wieder kommandieren,
zu irgendeinem schönen Zweck
roll‘n wir wieder mitten rein in den Dreck.
Und sie schreien Hurra und versprechen viel,
wir packen ein und zieh‘n in den Krieg.

Wir sind ja nur Murmeln,
wir sind ja nur Klicker,
ob du ein Dünner bist
oder ein Dicker,
ob du aus Eisen bist
oder aus Glas.
Man stößt uns hin und her
zum Spaß.
Man wirft uns gegen die Wand,
und unsre Köpfe roll‘n in den Sand.
Das ist nur ein Spiel,
ist nur ein Kinderspiel,
das kostet nicht viel -
nur die Toten in jedem Land.

Der Weg aus der Ohnmacht wäre ein radikaler, weltweiter Antinationalismus, der lokal damit anfängt, die Politik jeweiligen Regierung zu hinterfragen, überall die „Heimatfront“ zu schwächen und die Kriegsmaschinerie zu sabotieren. Ein militanter Antimilitarismus. Für all das stehen AnarchistInnen und radikale Linke seit Jahren und sie waren und sind in diese Richtung auch mitunter sehr praktisch aktiv. Von abgebrannten Bundeswehrfahrzeugen, Blockladeversuchen von Gefechtsübungszentren und Anschlägen auf Rüstungsexporteure bis hin zu ungezählten Flugblättern.

Angesichts der jetzigen beängstigenden Lage in der Ukraine machen radikale Linke und AnarchistInnen allerdings weiter mit dem, was sie immer tun und getan haben. Flugblätter, Beteiligung an den Ostermärschen und der eine oder andere Anschlag gegen die Bundeswehr. Angesichts vieler Baustellen, auf denen die Leute aktiv sind, ist das auch kein Wunder. Es aber auch kein Wunder, das dass das Leuten, die sich genau hier und jetzt um den Frieden sorgen nicht reicht. Ärgerlich, aber auch nicht wirklich überraschend, dass es nun einer Mischung aus Neurechten, Esoterikern, (Krypto)-Antisemiten (gemischt mit zu Recht besorgten Leuten, die wahrscheinlich die große Mehrheit der TeilnehmerInnen stellen) gelungen ist, diese Lücke zu füllen und dreist zu argumentieren, dass sie ja die Einzigen wären, die etwas gegen die Nato – Politik machen würden. Das ist nicht zuletzt deswegen gefährlich, weil dieses Gerede von der „Souveränität Deutschlands“ genau nicht zu einem Antinationalismus führt, der verhindern könnte, dass die Leute aufeinander schießen – im Gegenteil! Mit einer Bewegung, die Nazis toleriert zum Weltfrieden? Das ich nicht lache!
Ich will mich nicht lange damit aufhalten – das Lower Class Magazin hat das Wichtigste dazu zusammengefasst und wer will findet auf der Facebookseite von Jutta Ditfurt jede Menge weiterführende Links.

Es bleibt die entscheidende Frage, wie ein militanter Antinationalismus und Antimilitarismus eine relevante Stärke gewinnen kann. Gegen deutsche und Nato – Kriegspolitik aber auch ohne (der Feind meines Feindes ist mein Freund) sich deswegen dem reaktionären Putin – Regime anzubiedern oder Assad für nen super Typen zu halten. Stattdessen lohnt es sich, solidarisch mit der (sehr heterogenen) russischen Friedensbewegung zu sein, die während der Krim – Invasion immerhin ein paar zehntausend Leute auf die Straße gebracht hat. In erster Linie muss es aber darum gehen, den Krieg und seine Propaganda an der „Heimatfront“ zu sabotieren. Aber wie? Es ist jedenfalls Zeit, den Business as usual – Modus zu verlassen.

In diesem Sinne wünsche ich einen schönen ersten Mai!
(Falls Ihr noch nicht wisst was ihr machen wollt – die ASJ hat ein paar Termine zusammengestellt)

ps.:Wenn Ihr das mal live sehen wollt, könnt ihr das heute 21:00 in der potsdamer Olga, oder am Sonnabend in Fürstenwerder in der Uckermark tun. Oder am Tag der Befreiung beim Punkfilmfest.

Too drunk to watch

Auf der Straße kleben ja schon jede Menge neongrüne Plakate vom Punkfilmfest. Hier leider nur schwarz/weiß. Ich selber spiele am Tag der Befreinung um 20:15 im Movimento. Vor mir gibts „Punks not dead“ aus Mazedonien, nach mir „Punks im Dschungel“.

Das ganze Programm etwas übersichtlicher.

T-shirts, Münster, Fairdruckt

Nach langer, langer Zeit, hab ichs doch tatsächlich mal hingekriegt T-Sirts herzustellen. Letztens in Münster bot sich das so an, weil da diese kleine, sehr angenehme Textildruckerei „Fairdruckt“ herumsteht.

Bei Fairdruckt könnt ihr die T-Shirts auch bestellen, wenn ihrs nicht zum nächsten Konzert schafft. Neben den T-shirts gibts dort und im Don Quijote jetzt auch meine neue CD und natürlich auch „Wočiń durje!“ von Berlinska Dróha.

Auf die Barrikaden

Kein neues Lied, keine neue Aufnahme. Aber demnächst is ja erster Mai und so. Außerdem is diese punkige Version noch nicht veröffentlicht und ich konnte nicht anders, als sie auch hochzuladen, nachdem ich mal nachgehört hab, wer sonst noch alles dieses schöne Lied spielt und singt. Sind ein paar schöne Versionen dabei auf dem Soundcloud-Mixtape, das ich aus unerfindlichen Gründen nicht eingebettet kriege. Musikalisch ist das überraschend vielfältig, das heißt für jede Lauticrew was dabei. Und für Barkeeperinnen, Barkeeper und Tresenkräfte in den Ausschankstätten der berliner Subkultur als Rausschmeißer bestens geeignet: Bis zum 10. Song freuen sich noch alle Betrunkenen und singen mit… und dann kann das Putzlicht angehen und der Feierabend ist nicht mehr weit. Is ja auch ein Gewerkschaftslied.

Révolte Ensemble

Kleine Entdeckung. Anscheinend aus Tessaloniki (passt ja ganz gut zu Merkels Besuch in Griechenland). Lauter Klassiker der anarchistischen und Arbeiter_innenbewegung. in oft sehr eigenen Versionen. Irgendwie haben die häufig das Tempo rausgenommen, was die Lieder aber eher noch stärker macht. Oder einfach schön! Sucht euch nen Sessel, lehnt euch zurück und hörts euch an.

Und dann raus auf die Straße und was tun!

18:00 Antonplatz

Ich bin gespannt!

Ein Text, der ganz gut erklärt was und wie und warum, findet sich auf Indymedia Lu. Wunderhübsch ist dann noch diese Geste der Dankbarkeit.

Bericht der ARAB

„Was will ich, was willst du? Das Verbot der CDU!“

schallte es heute am späten Nachmittag durch die Strassen des beschaulichen Berliner Stadtteils Weissensee. Zwischen 300 und 400 Antirassist_innen und Antifaschist_innen hatten sich zu einer Protestdemonstration gegen den Law&Order-Fundermentalisten und Berliner Innensenator Frank Henkel zusammengefunden. Anlass war die – in letzter Instanz – mit körperlicher Gewalt durch die Berliner Polizei erfolgte Räumung des Oranienplatzes am Dienstag. Weitere gute Gründe für den Protest waren die Polizeiübergriffe gegen Mieter_innenproteste in den letzten Wochen, das geplante neue Polizeigesetz und allgemein die repressive Innenpolitik für die Frank, seine Partei und deren chauvinistische Jugendorganisation stehen.

Die Route vorbei an Henkels Wohnsitz wurde von der Versammlungsbehörde – hey Überraschung – Verboten und war mit einem massiven Polizeiaufgebot abgesperrt. Menschen die das Pech haben in der Nachbarschaft von Frankyboy zu wohnen wurden über Stunden das Einkaufen verweigert und den ganzen Tag von herumvagabundierenden Polizeieinheiten genervt.

Mit lauten Parolen zogen die Demonstrierenden zügig durch den Weissenseer Kiez, in Redebeiträgen wurde die Kritik an Henkels Politik konkretisiert und zur Solidarität mit Napuli und den verbliebenen Flüchtlingen am Oranienplatz aufgerufen. Nach anderthalb Stunden erreichte die Demonstration wieder den Antonplatz, die Polizei ging der unspektakuläre Verlauf der Demonstration gehörig auf den Sack, so das sie am Ende ohne erkennbaren Anlass in die Abschlusskundgebung stürmte und mindestens 5 Personen äusserts ruppig Festnahm.

Müde

Noch ein Lied von meiner neuen CD. Aufgenommen von Thomas Kurmann in einem dunklen Keller in Winterthur. Und zwar – passend zum Thema – an einem 1. Januar.

Ich laufe durch die Straßen
müde und zuviel zu tun
und hab ich mal ne Stunde Zeit
bin ich zu müde um mich auszuruhn

so müde

Müde von all dem Streiten
müde von der Einigkeit
so viele Worte, sind schon gesagt
was bleibt ist Müdigkeit

Trink ich jetzt nochn Kaffee
so wie andere auch
doch Kaffee macht mich auch nicht mehr munter
er grummelt nur in meinem Bauch

so müde

Irgendwas muss sich ändern
fragt sich nur wie oder was
ich bin zu müde drüber nachzudenken
so dass ich das am besten lass…

WÜRDE UND WIDERSTAND

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Gentrifizierung ganz oben

Davos ist eine komische Stadt. Ganz früher ein Dorf mit vielen Kühen und seit Ende des 19 Jahrhunderts ein Luftkurort mit etwa 11000 Einwohnern und einer wunderhübschen Schmalspurbahn. In den 30ern nicht eben eine linke Hochburg, so dass sich der deutsche Nazi Wilhelm Gustloff wahrscheinlich sehr wohlgefühlt hat – bis zu diesem 4. Februar 1936, an dem David Frankfurter ihn getroffen hat. Aber das ist lange her.
Heute steht hier und da steht noch eins von den alten, mondänen Hotels herum, meistens sieht man aber Bauten neueren Datums, die oft nicht wirken, als hätte sich jemand Gedanken um die Stadtplanung gemacht. Vor allem fällt aber auf, dass die Stadt außerhalb der Saison fast eine Geisterstadt ist, weil ein Großteil des vorhandenen Wohnraums aus Eigentumswohnungen besteht, deren EigentümerInnen vielleicht mal ein paar Wochen im Jahr in ihrer Zweit- oder Fünftwohnung sind.

Irgendwer muss trotzdem in den Hotels die Betten machen, die seltsamen Häuser voller Ferienwohnungen bauen, und den Kindern vermögender Touristen Ski-Unterricht geben. Und dann gibts die, die in Davos aufgewachsen und zur Schule gegangen sind und einfach nicht wegziehen möchten, obwohl nicht touristisch ausgerichteter Kultur nicht im Überfluss vorhanden ist. Sie alle und noch ein paar mehr müssen irgendwo wohnen. Nun sind die Löhne in Davos verhältnismäßig ok, was aber nicht hilft, wenn es einfach keine Wohnungen außer Ferienwohnungen gibt und wenn für die, die es gibt auch die davoser Löhne kaum reichen. Was sollen sie machen? Sollen sie sich ein Iglu bauen?


DAvos Dahai – hier noch fast verpackt

Diese Gemengelage führt dazu, dass es selbst 1500 Meter über dem Meeresspiegel einen Ableger der Anti-Gentrifizierungsbewegung gibt. Die ProtagonistInnen rennen alle mit grünen Mützen mit dem Schriftzug „DAvos Dahai“ herum. Ansonsten machen sie diverse Protestaktionen, die sie auf ihrer Facebookseite dokumentieren und die von großen Teilen der lokalen Politik stets ignoriert werden. Noch sind sie recht zahm und schreiben Petitionen. Aber wer weiß, was die Zukunft bringt? Werden die leerstehenden Ferienwohnungen einfach bezogen? Und was passiert eigentlich mit dem WEF, wenn wütende HotelarbeiterInnen und SkilehrerInnen die Stadt besetzen? Kommt die Revolution doch von ganz oben oder wird es doch wieder nur eine Abstimmung? Fragen über Fragen.

Wočin durje! – ein Medley

Zu Kaufen gibts das gute Stück als CD oder Digital bei unserem Label Vetoria Records. 2 – bis 3 Läden, wo die Dinger über die Theke gehen findet ihr hier.