Archiv für Juni 2012

Berlin wird leerer…

… so kommts mir jedenfalls vor. Alle Welt fährt zur FUSION. Nur ich sitze zu Hause und höre traurige Lieder von Billy Bragg. Macht aber nüscht. Die Welt dreht sich weiter. Und die sozialen Kämpfe hören auch nicht auf, da spielt der „Ferienkommunismus“ – wenn überhaupt – eine Nebenrolle. Grade sind z.B. 1000 Leute gefeuert worden. Wegen Streik!

In Berlin ist währenddessen das Protest – Gecekondu am Kotti einen Monat alt geworden. Ich habe großen Respekt vor der Beharrlichkeit mit er die Leute für ihre berechtigten Forderungen kämpfen! Und ich hoffe auf eine gigantische Lärmdemo am Samstag.

Ich werde mal den Aufruf spiegeln – ich hoffe, das hilft ein kleines bisschen trotz der begrenzten Wirkung dieses Blogs:

4. Lärmdemo – Innenstadt, wir bleiben!

Schluss mit der Verdrängung – Innenstadt, wir bleiben!
Gegen steigende Mieten, sinkende Löhne, Rassismus und verfehlte
Wohnungspolitik. Die Vielfalt haben wir gemacht, WIR SIND DIE VIELFALT.

Die Mietergemeinschaft Kotti & Co lädt zur 4. Lärmdemo am 30.6. (16 Uhr)
Treffpunkt: Kottbusser Tor/Admiralstrasse am Protest-Haus (Gecekondu)

Angesprochen sind alle, die nicht mehr wissen wie sie ihre Miete
bezahlen sollen, alle, deren Nachbarn schon wegziehen mussten, alle, die
keine neue Wohnung finden, alle deren Betriebskosten zu hoch sind, alle
die von Modernisierung oder Abriss bedroht sind, alle, die von den
Jobcentern aufgefordert sind, die “Kosten der Unterkunft” zu senken,
alle, die wissen, dass man in Mahrzahn wieder Jahrzehnte braucht um die
Deutschen zu integrieren, alle, deren Renten zu klein sind, alle, die
ihre Freunde nach Spandau verloren haben, alle, die gern nachts noch auf
die Strasse gehen, alle, die schon immer hier leben, alle, die deswegen
nach Berlin gezogen sind, alle die hier gerne auf den Markt gehen, alle
deren Namen von deutschen Lehrer_innen nicht ausgesprochen werden
können, alle die hier ihre zweite Heimat gefunden haben. Ihr Alle. Und
eure Familien und Freunde_innen. Alle.

Wir bitten Euch diesen kurzen Aufruf zu verbreiten.

Es werden keine Redebeiträge auf der Demo gehalten werden. Es ist
eine Lärmdemo. Bringt Kochtöpfe und Trillerpfeifen mit!!

Is doch was für die, die Zuhause bleiben und ihr Zuhause auch behalten wollen. Bei all dem bleibt übrigens der Text „Liebe Unterstützer_innen“ von Kotti&Co wichtig. Die Welt braucht eben nicht weitere Selbstbespiegelungsveranstaltungen der üblichen Verdächtigen und ich glaube, mit der Beachtung dieses Textes kann man ein wenig vorbeugen.

Themesprung. Zu der ganzen Sache passt doch wunderbar dieses schöne Lied, dass grade aus meinen Boxen kommt. Damit fing doch der Privatisierungswahn an. Wir werden alles zurückholen. Und noch viel, viel mehr, denn der Kapitalismus vor Thatcher war ja auch nich das Gelbe vom Ei.

„An der Ecke“

Nach den positiven Besprechungen unter anderem im Wahrschauer, dem ND, der DA und im Underdog-Fanzine hat nun auch Arne Ivers im OX unsere CD „Wokoło Róžka/Um die Ecke“ besprochen.
Damit, daß Arne Ivers den deutschsprachigen Teil der CD eher schlecht findet, kann ich ganz gut leben. Vielleicht sogar mehr als das: Ich kann auch innehalten und nachdenken, welche Teile der Kritik für mich nachvollziehbar sind und wo es einfach nicht kompatible Vorstellungen von Satire oder vom Texten allgemein gibt, die ich einfach so stehen lassen muss. Den Kram muss ja nicht jede/jeder mögen – warum auch.

Zugleich frage ich mich aber, ob ich nicht zu viel Zeit darauf verwende, über ein halbes Lob und einen halben Verriss einer CD nachzudenken. Muss ich mir ein Review zu Herzen nehmen, bei dem nicht mal der Name der CD stimmt? Schade eigentlich.

Nächte, Morgen, Wochenenden

Verdammt! Manchmal verbringe ich Nächte mit dem Lesen seltsamer Theoriedebatten verflossener und aktueller linker Bewegungen, die allesamt mehr oder weniger gescheitert sind. Schon interessant, aber wo soll das hinführen bei einem vollen nächsten Tag? Immerhin hab ich auch meine Terminliste aktualisiert und das sieht jetzt schon mal wesentlich besser aus, auch wenn noch Baustellen offen bleiben:

18. 08. Jänschwalde/Janšojce
Konzert mit Atze Wellblech und Berlinska Droha auf dem Klimacamp

17. 08. Moers
Konzert mit Atze Wellblech in der Barrikade

16. 08. Bochum Langendreer.
Da spielt Atze Wellblech im Wageni

28. 07. Zürich
Berlinska Droha im „Autonomen Beauty Salon“

27. Juli Sargans
mit Berlinska Droha auf dem „Out in the Gurin Festival“

25. 07. Jena
Berlinska Droha am oder aufm Inselplatz oder so ähnlich. Wird konkretisiert.

6. – 15. 07. diverse Konzerte in Polen
Gemeinsame Tour von Berlinska Droha und Čorna Krušwa in Polen. Genaueres folgt.

Wir sehen uns heute Abend in dieser ehemaligen Kirche in der Rigaer Str.. Oder am Wochenende in Sachsen. Da spiele ich Freitag solo und Samstag mit Berlinska Droha auf dem Reich und schön Festival.

Ein Hit für die nächste Oi! – Party

Lustige Oi! – Hymne. Wobei – als ich das zum zweiten mal gehört habe, sind Zweifel bei mir aufgetaucht, ob die wirkliche oder vermeintliche Dummheit der Grauzonenheinis der Hebel ist, mit dem man sie trifft.
Unabhängig würde ich gern mal zuschauen, was passiert, wenn dieses Lied bei einem Grauzonenkonzert zwischen einer Onkelz – Coverband und „Freiwild“ aus den Boxen schallt. Sicher eine spannende Sache. Doch auch hier gleich wieder diese Zweifel! Würde es überhaupt jemand bemerken? Oder würde genau das den Reiz des Ereignisses ausmachen? Ach was weiß ich! Und leider wird es schwer herauszufinden sein. Schade eigentlich!

17. Juni

Heute Mittag am Strausberger Platz: Auf der einen Straßenseite stehen 30 Nazis von der NPD mit Deutschland- und Berlin – Fahnen und plärren ihre Propagenda in eine eher schlechte Anlage. Auf der anderen Straßenseite sind ungefähr 300 Gegendemonstranten – ein bunt gemischter Haufen. Am Kreisverkehr steht die SPD und die IG BAU, ein paar Meter daneben haben sich Leute aus dem autonomen Spektrum versammelt. Dazwischen auch DKP und Linksparteifahnen. Auf der Karl Marx Allee rollt der Autoverkehr, wenn auch auf weniger Spuren. Die vielen Wannen müssen ja auch irgendwo herumstehen. Laut Indymedia sind 400 Beamte im Einsatz und die haben die Situation vollkommen unter Kontrolle. Also nichts mit „blutigen Nasen“, die ich den Nazis gestern noch gewünscht hab.
Der NPD – Lauti spielt das Deutschlandlied, auf unserer Seite ertönt die Internationale. Jedesmal wenn der NPD Propagandaheinz anfängt zu sprechen, gibt es ein gellendes Pfeifkonzert und die üblichen Sprechchöre. Und auch ansonsten nichts besonderes: rumstehen, rufen und ärgern, dass man nicht mehr machen kann. Trotzdem gut daß die NPD ihre Vereinnahmung des Arbeiteraufstandes vom 17. Juni nicht unwidersprochen in der Gegend herumplärren kann.

„Arbeiteraufstand“ schreibe ich da. „Faschistische Provokation, von westlichen Agenten gesteuert“ schrieb die DDR-Geschichtsschreibung. Und der Westen selbst? Der machte den Tag gleich zum „Tag der deutschen Einheit“ und bis 1990 war der 17 Juni sogar Feiertag. Über die „Straße des 17. Juni“ fährt man ja heute noch öfter mal, wenn man in Berlin wohnt. Was ist denn nun wahr? – fragt man sich dann.
In der (radikalen) Linken gab es durchaus mal Diskussionen und Texte darüber. In guter Erinnerung ist mir eine Broschüre des rätekommunistischen Skinhead-Fanzines „Revolution Times“ geblieben. Die gibts leider nur zum Teil im Netz. Auch bei labournet gab es vor ein paar Jahren mal eine kleine Sammlung von Texten zum Thema, das während der Hartz4 – Proteste zum Diskussionsgegenstand wurde.
Das wars für heute. Gleich fängt ja auch der 18. Juni an und da is die Gegenwart wichtiger! Ich hoffe die MieterInnendemo wird fett! Aber was die Vergangenheit betrifft denke ich, daß die Geschichtsschreibung nicht den Arschlöchern überlassen werden sollte.

Noch ein Bericht zur Nazikundgebung und dern Gegenaktivitäten bei der Antifa Friedrichshain

Zuviel los…

… könnte man meinen bei der Flut von Veranstaltungen, die ich grade gern besuchen wollen würde. Schon gestern hat, das Sommerfest der KvU angefangen. Wie es war weiß ich nicht, denn ich hab mich stattdessen in einer friedrichshainer Kneipe festgequatscht und über Lenin, Stalinismus und Imperialismus diskutiert. Auch mal schön. Außerdem muss das Klischee, daß Friedrichshainerinnen und Friedrichshainer ihren Kiez grundsätzlich niemals verlassen, ja auch ab und zu mit Tatsachen unterfüttert werden.

Wie dem auch sei – das KvU-Sommerfest geht ja noch die ganze nächste Woche und kommt am Mittwoch sogar zu mir nach Hause in die Rigaer Str., so daß ich den Kiez gar nicht mehr verlassen muss. Und nicht nur das, ich spiele da auch mit Berlinska Droha. Außerdem spielt noch Zerfall, für die die ehemalige Galiläakirche anscheinend eine Art zweite Heimat geworden ist. Die Veranstaltung beginnt um 20 Uhr mit einer Diskussion mit dem ehemaligen Pfarrer dieser Kirche, der dort schon Anfang der 80er Punkkonzerte ermöglichte. Das könnte spannend werden, weil da ein Strang der DDR-Oppositionsgeschichte freigelegt wird, der sich deutlich von der offiziellen Geschichtsschreibung unterscheidet. Daß das in Form z.B. der KvU bis heute Kontinuität hat macht die Sache noch spannender und es wäre ultrabeschissen, wenn es dieser ekligen Immobiliengesellschaft tatsächlich gelänge, die KvU zum Ende des Jahres rauszusanieren. Aber da ist ja nicht alle Tage abend und neben den ganzen Partys, Konzerten, Filmnächten und Infoveranstaltungen gibts auch ne Demo zum Thema und zwar am Donnerstag, 21. Juni 2012, 18:00 Uhr vor der Brunnenstr. 183.

Apropos Demos: Da finden ja zur Zeit jede Menge statt. Und das ist auch gut so, denn nur eine breite außerparlamentarische Bewegung kann dem Mietenwahnsinn irgendetwas wirksames entgegensetzen, die Politik vor sich hertreiben und sie dazu zwingen, beispielsweise Mietobergrenzen einzuführen, wie vom Protest – Camp am Kotti gefordert. Dieses Camp gibt es nach wie vor und auch die Protestdemos werden immer größer. Heute wohl schon 500. Im Friedrichshain war gestern schon eine Kundgebung und das wir ja auch Zeit, denn hier hat sich lange verhältnismäßig wenig außerhalb einer netten aber doch begrenzten Subkultur getan. Wird Zeit, daß die Subkultur nur noch ein Akteur unter vielen wird und das selber auch reflektiert!
(was nicht heißt, dass ich den aktuellen Kampf um den Rummelplatz blöd finde – im Gegenteil. Finde ich sehr unterstützenswert! Deshalb sei hier auch noch mal Musik braucht Freräume verlinkt, wo man nach der KvU-Demo noch nen angenehmen Abend verbringen kann. Aber eine subkulturelle Bewegung allein wird nicht gewinnen, was aber mittlerweile allen klar geworden sein dürfte.)

Montag, den 18. Juni gehts dann weiter mit „fang den Bus“

Am Montag dem 18.6.2012 treffen sich die Eliten der Immobilienwirtschaft im Nobelhotel Ritz-Carlton am Potsdamer Platz. Abends fahren sie zum Luxusdinner in den Prenzlauer Berg. Im “Szenestadtteil” wollen die Damen und Herren in “edlem Ambiente” in der Kulturbrauerei Netzwerke knüpfen. Wir, die mit unseren völlig überteuerten Mieten den Luxus der Eigentümer_innen und Investor_innen finanzieren, wollen unseren Unmut über diese desaströsen Verhältnisse zum Ausdruck bringen.

Wir werden die Fahrt der VIP-Busse mit den Eliten auf dem Weg vom Ritz Carlton zur Kulturbrauerei mit kreativem Protest begleiten. Sie können sich im Hotel und der Kulturbrauerei einbunkern, aber die Straßen und die Stadt gehört uns. Berlin ist keine Beute, Berlin bleibt Risikokapital! Fangt den Bus!

Verspricht spannend zu werden! Und die Demo um, 16 Uhr am Mehringplatz wird fett, denke ich.

Ach du scheiße! Spät geworden! Ich muss den Kiez verlassen, aber nur ein bisschen. Ich muss zur Linse in Lichtenberg. Da spiele ich nämlich gleich. Bis nachher vielleicht. Oder bis Montag!

Was ich vergessen habe: Morgen ist ja auch noch diese eklige Kundgebung von „Pro Deutschland“ am Strausberger Platz. Mögen sie sich blutige Nasen holen, die Arschlöcher! Mehr Infos bei der Antifa Friedrichshain.

„Seltene Klänge“

Schon vor 3 Monaten hat die „Direkte Aktion“ unsere CD „Wokoło róžka/Um die Ecke“ rezensiert. Sehr nette Rezension. Is aber auch nicht wirklich ein Wunder, weil zugegebenermassen ist diese Zeitung ein Heimspiel. Hier hab ich auch schon mal eine Kolumne geschrieben hab, die mir von manchen Leuten übel genommen wird. Ich freue mich aber, jetzt hier endlich mal die Rezension zu verlinken.