Archiv für Januar 2012

Die Rigaer im Wandel

Ein Song der 2 Jahre vor der Räumung der Liebigstr. 14 entstanden ist:
Geigerzaehler-rigaer im wandel by Geigerzaehler

Ein Link zu einem weiteren Text, der mir eigentlich fast besser gefällt als der Text von gestern und ein paar Termine, die schon so rumgehen:

Vorläufige Liebig14 – Termine 2012

28. 01.

ab 21:00 Soliparty für Prozesskosten der Räumungsrepression mit „Berlinska Dróha“ und „Čorna Krušwa“. Danach Punk, Wave, Indie vom Band mit Alusie
In der KvU (kremmener Str. 8-11)

02. 02. (Jahrestag)


Mahnwache und Reenactment der Räumung
.
Den ganzen Tag lang Kleinkunst, Suppe, warmen Getränken und was euch sonst noch so einfällt vor der Liebig 14 und im XB-Liebig
ab 20:00 Konzert im Jugend[widerstands]museum Galiläakirche (Rigaerstraße)

04. 02.

ab 12:00 Warm-up und Schminken im Fischladen
15:00 Bersarinplatz
LIEBIG 14 – RETURN OF THE LIVING DEAD
20:00 Konzert in der Köpi (AGH) mit „Feine Sahne Fischfilet“ und „Filou“
ab 23:00 Tanzen im Köpikeller mit
North Korean Rude Boys & Girls und Dr. Jekyll & Mr. Hyde

LIEBIG 14 – THE RETURN OF THE LIVING DEAD!

Folgende E-Mail fliegt durch den Kiez:

ZOMBIEPARADE 4. 2.
15:00 BERSARINPLATZ

Im Februar letzten Jahres wurde die Liebig 14 durch ein massives Polizeiaufgebot geräumt. 25 Menschen verloren ihr Zuhause und Berlin verlor einen weiteren Ort für alternative Kultur, für emanzipatorische politische Organisation. Ein Ort des Widerstands wurde auseinandergerissen und ein Gebäude wurde wieder der vollen kapitalischen Verwertung zugeführt. Gleich nachdem wir draußen waren, begann schon die Renovierung, das Haus wurde aufgeteilt in separate individuelle Wohnungen für individuelles Leben und nette kleine Lebensformen bezogen die bereitgestellten Kästchen. Bald zeugten nur noch Farbbeutelreste an der Fasade von der sprudelnden und unfrisierten Gemeinschaft, die mehr als 20 Jahre lang das Haus belebt hat. Selbst die Adresse der Liebig 14 wurde aus gelöscht, das Tor der Nr. 14 versiegelt und die neuen Bewohner_innen betreten das Haus über einen Eingang der Seitenstraße. Um ihrer Sicherheit willen, versteht sich.

Wir sind nach der Räumung in kollektiver Wut auf die Straßen gezogen. Ein Jahr danach fordern wir Euch auf, die Straßen wieder in Euren Besitz zu nehmen …

– Weil Räumungen, vom Linienhof zum Schokoladen, von der Köpi bis selbst zum Tacheles, weiterhin emanzipatorische Projekte auseinanderreißen…

– Weil unsere Niederlagen und Verluste nicht vergessen werden dürfen sondern unsere Wut weiterhin nähren müssen …

– Weil wir uns wehren müssen gegen den Nihilismus des Kapitalismus, der uns erstickt … Wehren gegen eine Stadt, die für den Profit gemacht ist …

Wir weigern uns diesen Angriff auf unsere Stadt und alle Städte hinzunehmen, die von einem Markt-Totalitarismus und seinen politischen Ja-Sager_innen ausgeführt wird.

Wir machen eine Waffe aus unserer Melancholie!

ERHEBT EUCH, LEBENDIGE TOTE!

Wir, die Zombies der Liebig 14, sind aber nicht die einzigen Untoten, die von Gentrifizierung und in die Höhe schnellenden Mieten verjagt durch die Stadt laufen. Zombies im Job-Center, die sich mit sinnlosen 1-Euro-Jobs herumschlagen. Zombies! Verloren in den Katakomben der Lohnsklaverei. In der Schlange mit düsteren, verfaulenden Gesichtern an der Supermarkt-Kasse, in der U-Bahn. In den toten Augen spiegelt sich keine Hoffnung, wenn wir in den frühen Morgenstunden draußen auf der Straße, einem unnatürlichen Zwang folgend die Rufe unseres Körpers, das Verlangen nach Schlaf, ersticken. Zombies in den Büros, Zombies in der Schule, Zombies überall. Wenn wir zusammenkommen, zerschlagen wir die konstruierte Ruhe! Wenn wir in ihrer Melancholie und Frustration zusammen sind, finden wir Stärke, wo zuvor nur Hoffnungslosigkeit war! Das Einzige, was noch unheimlicher ist als überall Zombies:

ZOMBIES GEMEINSAM AUF DER STRAßE!

Dies ist ein Aufruf. Überall nehmen sich Zombies die Straßen und Städte zurück. Berlin wird keine Ausnahme sein.

ZOMBIES ALLER LÄNDER VEREINIGT EUCH!

Weitere Termine werden folgen: Schaut mal wieder auf
http://liebig14.blogsport.de/

zum nahenden jahrestag…

… noch was vom letzten jahr!

dies und das III

Die Freiertage gut überstanden? Ich hoffe und wünsche ein schönes neues Jahr! Das heißt auch, daß der Jahrestag der Liebig14-Räumung naht und da die Spatzen es hier im Kiez schon von den Dächern pfeifen und das Geflüster der Ratten schon aus den Kanaldeckeln quillt, kann ich es schon mal hier verbreiten: Am 4. Februar wird es eine Zombie-Parade geben als Erinnerung an die Räumung und in Solidarität mit anderen bedrohten (Haus)projekten wie dem Rummelplatz, der Rigaer 94, dem Schokoladen, der KvU usw und allen anderen, die von Mieterhöhungen und dem ganzen Mist betroffen sind. Schreibts euch schon mal in den Terminkalender, den ihr gleich draußen lassen könnt, falls ihr mal wieder ein Solokonzert von mir sehen möchtet. Ich spiele am 14. Januar im Dosto in Bernau und am 20. Januar im Fischladen, soli für die antikapitalistische Walpurgisnacht am Boxi. Im Dosto, das grade ätzende Probleme mit der Stadtverwaltung hat, teile ich die Bühne mit „Judiths Krise“, einem Frauenchor, auf den ich sehr gespannt bin. Das Ganze fängt um 20 Uhr an.
Apropos Terminkalender: am 31. März wird es einen europaweit koordinierten Aktionstag linker und anarchistischer Gruppen und Basisgewerkschaften zur Krise und der Abwälzung der Krisenkosten auf Arbeiter_innen und Erwerbslose geben. Noch ist viel Zeit, alles mögliche zu organisieren, auf das wir aufhören, wie ein Kaninchen auf die Schlange zu starren. Das wäre ja auch mal ein guter Vorsatz für 2012.
Für heute abend vergesse ich das aber alles wieder und gehe entspannt ins Supamolly und schaue mir Konnys Releaseparty an.
Bis denn!