Berlinska Dróha in den heiligen Hallen der KvU

Ein Laden in Berlin, den ich wirklich gern mag, ist die KvU. Und das liegt nicht nur an der leckeren Donnerstagsvokü oder der interessanten Geschichte des Ladens, der ein authentisches Stück DDR-Subkulturgeschichte und (linker/anarchistischer) Oppositionsgeschichte ist. Auch die ersten Antifagruppen in Ostberlin gründeten sich im Umfeld der KvU.
Ich selbst kenne den Laden auch schon richtig lange. Um die Ecke bin ich eine Weile zur Schule gegangen. Da war Mitte noch voller wilder Subkultur und dazwischen jede Menge besetzte Häuser, von denen viele geräumt wurden – unter anderem das, in das ich gezogen war. Und dazwischen die KvU, in der ich ne Zeitlang hinter der „Punkrocktheke“ stand, einer chaotischen und betrunkenen Veranstaltung, zu der mein Lied „damals im Drugstore“ ganz gut passt – aber das ist ja im Westen, in Schöneberg. Die KvU war indessen nicht das Drugstore und hat die Generationswechsel wesentlich besser überstanden. Einerseits sicher, weil sie chaotischen Jugendlichen wie uns auch Grenzen gesetzt hat, vor allem aber durch Kontinuität bei gleichzeitiger Offenheit.

Um so mehr freue ich mich, da am 28. 1. mal wieder ein Konzert zu spielen, ein Solikonzert für Antirepressionskosten im Zusammenhang mit der Räumung der Liebigstr. 14. Und zwar mit der auf zwei Touren in Polen erprobten Kombination von Berlinska Dróha und Čorna Krušwa. Und auf die Kombination freue ich mich auch, trotz das Čorna Krušwa noch weniger was für Punk-Puristen ist als Berlinska Dróha. Macht aber nix – zum Glück sind die meisten Leute heute offener als ich als kleiner Punker.

Mit Berlinska Dróha haben wir ganz am Anfang unseres Bestehens übrigens mal Aufnahmen in der tagsüber leeren KvU gemacht. Das waren so live-im-Studioaufnahmen bei denen die spielerische Qualität doch etwas schwankt. Ich hab die trotzdem mal auf Soundcloud hochgeladen – da sind schon ein paar tolle Momente bei. Und von ein paar Songs gibts sonst auch gar keine Aufnahmen:

Revolutionsmusik (Berlinska Droha 2008) by Geigerzaehler

Priester des Marktes (Berlinska Droha) by Geigerzaehler

Schilia jo se by Geigerzaehler

Měj ty dobru nóc by Geigerzaehler

Danke Tosen! Das letzte ist übrigens ein Lied, mit dem man hervorragend kleine Kinder in den Schlaf singen kann: Das werden wir bei der KvU nicht versuchen, denn die KvU ist auch gefährdet durch die Aufwertung in Prenzlauer Berg und Mitte und um das abzuwehren ist ja Wachsein ganz hilfreich. Denn ein höheres Wesen wird die heiligen Hallen nicht retten – das können wir nur selber tun!

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1 Antwort auf „Berlinska Dróha in den heiligen Hallen der KvU“


  1. 1 KvU Konzertplakat « geigen zählen Pingback am 17. Januar 2012 um 1:55 Uhr
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