Archiv für Dezember 2011

Der andere Fuß beim Spagat

KvU nochmal

Bevor Berlinska Dróha Ende Januar mit großem Tamtam die Bühne der KvU entern werden, werde ich selbige schon mal alleine warmspielen, wenn auch nur kurz. Genau einen Monat vorher, am 28. 12. veranstaltet nämlich mein alter Kumpel K. eine Art Revival Veranst…. NEIN! – eine Art Battle zwischen der alten Punkrocktheke und dem LonelyHeartPunkRockTresen von heute. Und da das ja für mich gewissermassen eine Traditionsveranstaltung ist, steige ich mal schnell auf die Bühne und spiele zwischen Addicted to maschines und Kill Festar für 20 Minuten längst vergessene Songs einer längst vergessenen Punkband (nicht Köterkacke). Vor allem aber hoffe ich Leute zu treffen, die ich lange nicht gesehen habe.

Hintendran ein Berlinska Dróha – Titel, der mit all dem nix zu tun hat, den ich aber letztens vergessen habe bei den Aufnahmen aus der KvU, die sonst nicht veröffentlicht sind.
berlinska droha by Geigerzaehler

The Home Of The Grüne Klöße

Der Alltag hat mich wieder. Zuviel zu tun und zu wenig hinkriegen. Also besser die Augen schließen und ein wenig träumen. Ich sehe ein Haus an einem Abhang. Der Abhang ist so steil, dass das Hochparterre der Straßenseite der 2. Stock auf der anderen ist. Begibt man sich hinein, trifft man Punks. Nicht nur, aber fast. Ein kleiner Backstageraum, ein Sterni, ein niedlicher kleiner Konzertraum, in dem grade aufgebaut wird und eine Kneipe eine Etage tiefer. Ein Sterni später steht das Lineup fest. Zuerst spielen Ben Racken aus Magdeburg, dann Massenhaft aus dem nahegelegenen Reichenbach und zum Schluss wir als Rausschmeißer oder Headliner – mal sehen was der Abend bringt.
Ich schaue selten andere Bands an, bevor ich selbst spiele. Ich kann mich meist nicht fallen lassen und dann machts keinen Spaß. So tigere ich unmotiviert durch die Konzertlocation oder übe noch ein bisschen, falls ich ein ungestörtes Plätzchen finde. Warum ich das im plauener Schuldenberg anders gemacht habe, weiß ich nicht mehr. Ist auch wurst, denn was ich da sah, hat alle Nervosität einfach weggespült: So eine tolle Band! Hab ich lange nicht gehabt, dass mich ne Punkband so mitgezogen hat, wie Ben Racken.

Dieses Düstere, das passt mir grade! Wahrscheinlich hab ich deshalb in der letzten Zeit wieder Sachen wie Sandow oder Kaltfront gehört, mit denen ich Ben Racken fast noch eher vergleichen würde als mit EA80 oder den Fliehenden Stürmen, wie es das OX vor einer Weile beim Interviewen tat.
Am 7. Januar spielen Ben Racken übrigens im Schokoladen.

Massenhaft hab ich nicht gesehen – da war dann wirklich das eigene Konzert vorbereiten, welches ziemlich geil war. Walzertanzende Punks, Chöre und auch etwas Pogo – alles dabei. Sogar noch ne zweite Runde unplugged im Kneipenkeller auf dem Tisch. Schön exzessiv, wie ich das mag. Danke Provinz, ick liebe dir!

Von Augsburg ins Vogtland

Wie lange war ich schon nicht mehr im schönen Bayernlande? Lange! Ich glaube, das letze mal war ich hier, als ich mit Konny in Nürnberg und München gespielt habe. 3 Jahre ist das her. Vorher gabs mal ein Solikonzert für die FAU in München und ein Stückchen Strassenmusiktour mit Hanz in Nürnberg – aber das ist alles so lange her, dass ichs fast vergessen hab und sich wahrscheinlich auch kaum noch jemand an mich erinnert.
Insofern war mein Konzert am Mittwoch in der augsburger Ballonfabrik so etwas wie meine Bayernpremiere . Und die ist ganz gut gelungen. Zwar war der Laden mit 60 Leuten nicht überfüllt, aber es war ja auch Mittwoch und und da isset ja auch nicht ganz scheiße, wenn überhaupt jemand kommt zu einem „Headliner“, der noch nie in der Stadt gespielt hat.
Um so stimmungsvoller war das Konzert selbst. Schon bei meinen KollegInnen GRAN AIR SONORA und SERGE & DANI bemerkte ich, dass da ein sehr aufgeschlossenes Publikum am Start war in der drittgrößten Stadt Bayerns. Ein alters- und stilmässig sehr gemischtes Publikum übrigens – fast ein wenig ungewohnt für mich, weil der Anteil linker Subkulturisten recht niedrig war. Der Konzertathmosphäre hat das nicht geschadet – im Gegenteil. Da haben dann der 20jährige Redskin und die 45jährige Werbeagenturmitarbeiterin nebeneinander und in trauter Eintracht „The Preacher and the Slave“ oder „Strassenkampf“ mitgesungen. Sehr interessant! Überhaupt hatte ich sehr schöne Chöre.
Als Zugabe hab ich dann die „Legende vom toten Soldaten“ gespielt, was den Abend in der Geburtsstadt von Bertold Brecht ganz gut abgerundet hat.
Morgen fahre ich dann wieder richtung Berlin, steige aber in Plauen im Vogtland aus dem Zug um mich mit Hanz zu treffen und als Atze Wellblech im dortigen selbstverwalteten Kulturzentrum Schuldenberg zu spielen. Jaja, richtig: Plauen und nicht Reichenbach und nicht die Eröffnung des Projektes, an dessem nun hoffentlich nur verzögerten Entstehen wir mit einem Konzert auf einer Hausbesetzung ein ganz klein wenig beteiligt waren. Schade, aber da gibts noch Probleme!

Berlinska Dróha in den heiligen Hallen der KvU

Ein Laden in Berlin, den ich wirklich gern mag, ist die KvU. Und das liegt nicht nur an der leckeren Donnerstagsvokü oder der interessanten Geschichte des Ladens, der ein authentisches Stück DDR-Subkulturgeschichte und (linker/anarchistischer) Oppositionsgeschichte ist. Auch die ersten Antifagruppen in Ostberlin gründeten sich im Umfeld der KvU.
Ich selbst kenne den Laden auch schon richtig lange. Um die Ecke bin ich eine Weile zur Schule gegangen. Da war Mitte noch voller wilder Subkultur und dazwischen jede Menge besetzte Häuser, von denen viele geräumt wurden – unter anderem das, in das ich gezogen war. Und dazwischen die KvU, in der ich ne Zeitlang hinter der „Punkrocktheke“ stand, einer chaotischen und betrunkenen Veranstaltung, zu der mein Lied „damals im Drugstore“ ganz gut passt – aber das ist ja im Westen, in Schöneberg. Die KvU war indessen nicht das Drugstore und hat die Generationswechsel wesentlich besser überstanden. Einerseits sicher, weil sie chaotischen Jugendlichen wie uns auch Grenzen gesetzt hat, vor allem aber durch Kontinuität bei gleichzeitiger Offenheit.

Um so mehr freue ich mich, da am 28. 1. mal wieder ein Konzert zu spielen, ein Solikonzert für Antirepressionskosten im Zusammenhang mit der Räumung der Liebigstr. 14. Und zwar mit der auf zwei Touren in Polen erprobten Kombination von Berlinska Dróha und Čorna Krušwa. Und auf die Kombination freue ich mich auch, trotz das Čorna Krušwa noch weniger was für Punk-Puristen ist als Berlinska Dróha. Macht aber nix – zum Glück sind die meisten Leute heute offener als ich als kleiner Punker.

Mit Berlinska Dróha haben wir ganz am Anfang unseres Bestehens übrigens mal Aufnahmen in der tagsüber leeren KvU gemacht. Das waren so live-im-Studioaufnahmen bei denen die spielerische Qualität doch etwas schwankt. Ich hab die trotzdem mal auf Soundcloud hochgeladen – da sind schon ein paar tolle Momente bei. Und von ein paar Songs gibts sonst auch gar keine Aufnahmen:

Revolutionsmusik (Berlinska Droha 2008) by Geigerzaehler

Priester des Marktes (Berlinska Droha) by Geigerzaehler

Schilia jo se by Geigerzaehler

Měj ty dobru nóc by Geigerzaehler

Danke Tosen! Das letzte ist übrigens ein Lied, mit dem man hervorragend kleine Kinder in den Schlaf singen kann: Das werden wir bei der KvU nicht versuchen, denn die KvU ist auch gefährdet durch die Aufwertung in Prenzlauer Berg und Mitte und um das abzuwehren ist ja Wachsein ganz hilfreich. Denn ein höheres Wesen wird die heiligen Hallen nicht retten – das können wir nur selber tun!

Schon wieder Bochum

Der Morgen nach dem Exzess ist ja bekanntlich nicht so einfach. Der Kopf ist schwer und weiterschlafen sehr verlockend. Aber nix da! Ich hatte meinem Kollegen FaulenzA versprochen, ein paar Aufnahmen mit ihm zu machen. So hab ich mich ausm Bett gequält und bin mit ihm ans andere Ende der Stadt gefahren, um in einem winzigen Studentenwohnheimzimmer zwei Lieder einzuspielen. Das Resultat hört sich so an:

FaulenzA und Geigerzähler: Hass, Gewalt und Terror by FaulenzA – Liedermaching

FaulenzA mit Geigerzähler – Bahnhofsleben by FaulenzA – Liedermaching

Nachtrag: „Hass, Gewalt und Terror“ hört sich irgenwie seltsam an, nach dem Auffliegen der Neonazimörder, bei denen Hass, Gewalt und Terror überaus real sind. Bei Linken, Wagenburglern, Punks etc ist so ein Song ja eher ein Spiel mit den Zuschreibungen, die uns konservative Medien aufs Auge drücken. Und was fang ich jetzt damit an? Mal Nachdenken.

Braunschweig und Exzesse

War schön, als Vorpaul von Guts Pie Earshot! Dass das Nexus überfüllt gewesen wäre, kann man zwar nicht sagen, aber etwa 60 Leute sind aufm Sonntag ja auch nicht sooooo schlecht. Vor dem Konzert hatte ich ein wenig Angst, dass die alle für Guts Pie Earshot da sind und dass die tanzbare Musik von denen womöglich nicht kompatibel ist mit meinem Solo-Zuhörkram, aber dem war nicht so. Schönes konzentriertes Konzert, bei dem auch meine neueren Lieder ganz gut ankamen. Zumal ich nochmal sagen möchte, dass die beiden sehr angenehme Kollegen sind, mit denen man sich hinter der Bühne gut unterhalten kann und denen man, wenn sie auf der Bühne stehen mit Genuss und Gewinn zuhört. Und das Nexus ist auch ein anarchistisch geprägter, selbstorganisierter Laden, der mir gut gefällt (dank an die OrganisatorInnen nochmal). Womöglich spiele ich da ja demnächst auch noch mal mit einem von den beiden Duos.

Was mir in Braunschweig allerdings ein wenig gefehlt hat, ist der Exzess. Das war ein normales Konzert, dass ich nicht schlecht gespielt habe mit einem Publikum das mich mochte und mitgegangen ist, Alles super, aber manchmal geht da noch mehr – allerdings fast nur auf Unplugged-Konzerten, wo ich ein abendfüllenes Programm mache. Und dann meist nur in der zweiten Runde. Im Wageni in Bochum war das letztens so. Das Wageni ist so ne Punkerspelunke neben einer Wagenburg, nahe beim Bahnhof Langendreer. Verraucht, klein und voller Nebengeräusche – kein Ort für reinen Kunstgenuss. Dort hab ich meine ich frage das Publikum nach Themen für das nächste Lied und hole mir jemanden zur Unterstützung – Nummer gemacht und da kam Manni auf die Bühne:

Mayo by Geigerzaehler
Ein etwas launischer Konzertbericht zu Bochum findet sich hier.

Kleine Kooperation mit Nicorus

Vor ner Weile, hab ich mal mit Nicorus, der zur Zeit in allen möglichen Clubs auflegt, zusammengewohnt. Wir haben mal ne Runde gemeinsam improvisiert und dann -zack- bin ich mit ihm auf ein bekanntes Festival gefahren. War nicht der einfachste Gig, weil die Technik nicht so recht auf Livemusik ausgelegt war, hat aber Spass gemacht.
Letztes Jahr haben wir dann mal was aufgenommen, er hats zusammengeschnippselt und das ist dabei rausgekommen:

Daau feat Geigerzäler by nicorus

Konzerte und anderes Zeug

Der Castor ist durchs Land gerollt und musste leider immer mal wieder anhalten. Ganz schön oft sogar. Meine guten Wünsche haben also was gebracht:) War ja anscheinend der Letzte, was mich fast ein bisschen wehmütig macht, weils immer sehr spannend war, dort zu sein in dieser sehr besonderen, solidarischen Atmosphäre des Wendlands in der Castorzeit. Aber gut – es gibt ja auch noch andere Dinge zu tun. In England beispielsweise ist grade der größte Streik seit Ewigkeiten – das ist auch nicht schlecht. Auch für hier ne interessante Perspektive, aber Deutschland ist ja noch Krisengewinner.

Ich spiele währenddessen ein paar Konzerte. So zum Beispiel am Sonntag in Braunschweig im Nexus. Da bin ich Vorband von Guts Pie Earshot, was mich freut. Schick, nach dem Konzert ein wenig zu tanzen und den wohlgespielten Celloklängen zu lauschen. Ich fange pünktlich um 8 an zu spielen, damit das auch aufm Sonntag noch zu schaffen ist.
Am 14. 12. fahre ich dann nach Bayern, genauer nach Augsburg in die Ballonfabrik. Mit bisschen Glück spiele ich Tags drauf auch noch in München – dazu Näheres später.