Kopfstand Nr. 46

Gast: Comrade Stanchev

Trauer und Wut

NSU – Komplex auflösen schreibt:

Wir trauern um die Ermordeten in Hanau. Das Entsetzen lässt sich kaum in Worte fassen – unsere Gedanken sind bei den Familien, Freund*innen, Betroffenen und Überlebenden. Wir stehen an der Seite unserer Freund*innen in #Hanau. Das milde Urteil im #NSU-Prozess und die Nichtauflösung des NSU-Netzwerkes war ein Fanal für die Nazis loszuschlagen. Nach #Lübcke, #Halle, #NSU20, rechten Netzwerken müssen wir uns alle zusammen dem rechtem Terror entschieden entgegenstellen. Das Problem heißt #Rassismus!
Heute zeigen wir unsere Solidarität mit den Angehörigen der Opfer und den Überlebenden. Wir fordern, dass der #NSU-Komplex zerschlagen wird, dass alle Nazis entwaffnet werden & dass der #Verfassungsschutz aufgelöst wird. Wir verteidigen die Gesellschaft der Vielen.

Und noch ein guter Kommentar aus der Süddeutschen über den Zusammenhang zwischen AfD-Milieu, rechten Verschwörungsheinis und rassistischen Morden.

Die Frage ist, warum sich diese Fälle nun so häufen. Die Antwort ist alles andere als beruhigend: Diese Leute schlagen zu, weil sie sich nicht mehr allein fühlen. Jahrelang erlebten sie sich als einsame Wölfe, ihre abseitigen Ideen wurden von ihren Freunden nicht ernst genommen, ihre Familien versuchten, sie zu beruhigen. Nun aber erleben sie, wie das völkische Gedankengut immer mehr in die Gesellschaft eindringt, wie es gesellschaftsfähig wird. Und sie fühlen sich plötzlich nicht mehr als verrückt, verschroben oder allein, sondern als wichtig: quasi als militärischer Arm einer völkischen Bewegung.

https://www.sueddeutsche.de/politik/hanau-rechtsextremismus-kommentar-1.4806350

Eine Einschätzung zu Tat und Täter von Tomasz Konicz auf Telepolis: https://www.heise.de/tp/features/Naziterror-in-Hanau-4664843.html

Der Volksverpetzer hat unterdessen Reaktionen aus dem AfD-Milieu zusammengetragen. Von Täter-Opfer-Umkehr bis zu leicht zu durchschauender Heuchelei ist alles dabei. Erwartbar widerlich: https://www.volksverpetzer.de/kommentar/hanau-afd/

Demonstrationen mögen ein bisschen hilflos sein. Aber wenigstens zeigen wir den Betroffenen, dass sie nicht alleine sind. Das ist mehr als nichts. Langfristig brauchen wir mehr, breitere und schlagkräftigere antifaschistische Organisierung.

Also raus auf die Straße! Es möge ein Anfang sein! Wir müssen diese rassistische Scheiße zurückdrängen!

In Berlin 18:00 am Hermannplatz.

Woanders: https://twitter.com/ReclaimYourClub/status/1230482799276298240

Tour, Erfurt, Tour

Die Tour ist vorbei und es war doch schön
Ich führe gern weiter und bleib wieder stehn
Alles hat mal ein Ende, weiß doch jeder von Euch
Auf Wiedersehn!

Doch bevor ich gehe und mich in der Normalität einrichte, möchte ich noch mal allen danken, die von Běła Woda bis Freiburg, von Potsdam bis München Konzerte organisiert, gekocht, Tresen gemacht, Spenden gesammelt haben. Ihr wart Klasse, es war schön und bis zum nächsten Mal. Nebenbei ein Lied, dass ein bisschen aus dem Blick geraten ist und das ich auf der Tour wiederentdeckt hab:

Gestern war ich noch in Erfurt. Das lag so schön zwischen Regensburg und Berlin – da musste ich einfach aussteigen und meinen Rollkoffer ein wenig zwischen laut VeranstalterInnen 18000 DemonstrantInnen hin und her ziehen. Im Nachhinein bin ich mir nicht mehr ganz sicher, wie ich es fand. Sicher, eine indirekte Beteiligung des offensichtlichen Faschisten Höcke an der Macht ist so beängstigend, daß ich bereit bin einige Kröten zu schlucken. Mir macht es dennoch nicht wirklich Spaß mit den Agendaparteien Grüne und SPD auf einer Demo zu laufen und auch zur regierungslinken Linkspartei ist mein Verhältnis ambivalent (über die Stalinospinner von MLPD und FDJ will ich jetzt nicht reden).
Ich fürchte, dass es für eine antikapitalistische, außerparlamentarische Linke nicht leicht sein wird, da nicht einfach untergepflügt zu werden.

Am Abend hat es mich noch ins AJZ verschlagen, wo ich spontan Vorband für die Creme de la Creme des sächsischen und anhaltinischen Antifa-Punks sein durfte. Da fühlte ich mich gleich richtig zu Hause. Ein schöner ungeplanter Tourabschluss in subkulturellem Ambiente.

Irgendwann im späten Frühling möchte ich noch einmal eine kleine Tour durch Nord- und Westdeutschland machen. Bis dann.

Deutscher Wald für Deutsche Rehe – Tourplanungen

Neues Album neue Tour. Eine unvollständige Vorankündigung:

30. 1. – Vorabgig: Berlin Lichtenberg – JC Bar - Türrschmidtstr.

31. 1. Potsdam – Olga

1. 2. Cottbus/Chóśebuz – Galerie Fango FB – Event

3. 2. (Nachmittag) – Weißwasser/Běła Woda

3. 2. (Abend) Dresden – Fliese

5. 2. Plauen – Schuldenberg

6. 2. (außer der Reihe) Berlin – Kopfstand im Supamolly

8. 2. Bingen – JUZ

9. 2. Frankfurt – Exzess

11. 2. Karlsruhe – Cafe Noir

12. 2. Freiburg – KTS – Nach der Häuserkampfsprechstunde

13. 2. München – Olga

14. 2. Regensburg – Wagenplatz



Blankoplakat

Heute Abend:

Ankündigungstext K44

Lesebühne mir Musik

Einlass: 20:00
Beginn: 20:30

Special Guest: Jan von Im Ich (Zucker aus Konvention)

Im katerigen Dunst des 2. Januar erhebt sich eine Lesebühne vor den drei bescheuerten Kleinkünstler*innen, denn the storyline must go on…
Es geschehen Dinge, die kaum für möglich zu halten sind und andere Dinge, die für möglich zu halten wären, aber mit denen trotzdem nicht gerechnet wird:
Zwei Personen im selben Körper versuchen, miteinander zurecht zu kommen.
Amöbengroße Ordnungsamtsbeamte leben ein hartes Life auf dem Kopf einer Zecke.
Ein Junge wehrt sich gegen seinen Mobber.
Eine Autonome redet mit den Bullen.
Eine Auftragskillerin fährt zum Camping.
Und in der DDR bekommt jemand eine SMS.

Ist das der Anfang vom Ende?

Kopfstand 44 und Konzert im Fischladen

Am 2. Januar in der Supamolly. Jan von Im Ich (Ostberlin Androgyn).

Am 11. Januar spiele ich dann noch mal ein richtiges Konzert im Fischladen. Im Anschluss auch Uta von Berlinska Droha mit ihrem neuen Projekt Hara Crash.

Rückschauen, Vorschauen, Kopfstände

Gestern war ein schöner Kopfstand. Nächste Ausgabe kommt dann am 2. Januar. Unterdessen AbDafür eine Übersicht mit den Aktivitäten der KollegInnen veröffentlicht. An gleicher Stelle gibte auch einen Bericht von YOK zu Releaseparty in der KvU. Der wiederum hat letztens auch mein neues Album besprochen.

Beim Titelsong (Deutscher Wald für deutsche Rehe) klingt es fast ein bisschen nach Brecht und Eisler. Monumental wird es durch eine Pauke, die auf jede vierte Eins donnert. Anklagender zynischer Gesang. Begriffe wie „die deutsche Maus“ übersteigern die Satire aufs Lustigste. Im Kontrast dazu immer wieder das sehr ernstgemeinte „…und mir ist kalt“…Eine interessante Mischung zweier Vortragsgenres, die sich hier aber gut ineinanderfügen. Hinten raus noch eine etwas verzwirbelte klassische Volksmusikgeige und der Track ist rund.

Heißt es da z.B. über meinen Titelsong.

Musik wie ein Schnellzug, der aber immer wieder an den kleinen Bahnhöfen hält.

Über „Leben und Sterben im Spätkapitalismus“. Soundbeispiel:

Und sonst so, dieses Jahr?

Nichts besonderes eigentlich. Nun ja, ich bin am 18. 12. noch mal im Radio und stelle mein Album vor und zwar auf 88,4 MHz. Die Sendung beginnt 19:00. Wir holen uns den Kiez zurück, heißt die Sendereihe, die sich ansonsten meist mit steigenden Mieten und dem Widerstand dagegen beschäftigt.

Kopfstand Nr. 43

Ein ehemaliger Auftragskiller wird über dem Wattenmeer zum Riesenbaby und bleibt es auch, als das Meer wiederkommt. Auftragskiller-Mama würde mit dem entführten Jet gerne einen Looping fliegen, aber das gibt die klapprige Kiste nicht her.
Das ist zum Heulen, doch bei einer guten Lesebühne gibt es ja immer gleich mehrere Gründe zum Weinen:
Jürgen hängt zum Beispiel in einem Paralleluniversum fest, in dem alle Menschen Tentakeln auf dem Rücken haben. Sabine hingegen wurde ins Jahr 1989 katapultiert und traf im tiefsten Sachsen auf den jungen Jan. Anja hat eine komische Ledertasche in ihrer Wohnung entdeckt. Und Peter Eskobach ist nur noch amöbengroß.
Doch all das ist natürlich noch gar nichts gegen das ewige Plenum.

Gast: Die Diebin

Nach der Zone in der KvU


Der kurze Sommer der Anarchie

Die Zeit zwischen dem Mauerfall im November 1989 und der Wiedervereinigung im Oktober 1990 wird in der Literatur rückblickend häufig als der kurze Sommer der Anarchie bezeichnet. Vieles, wenn nicht gar alles, schien möglich zu sein. Häuser wurden besetzt, illegale Clubs entstanden und auf dem Kollwitzplatz wurde die Autonome Republik Utopia ausgerufen. In einer Podiumsdiskussion wird die Zeit rückblickend mit den Protagonist*innen Julia Dimitroff (Pi-Radio, Autonome Republik Utopia), Jolly (Kirche von Unten), Reiner Morgenroth (u.a. 1000 Tonnen Obst, In Extremo) und Robert Mießner (Journalist) diskutiert. Für die musikalische Untermalung sorgt der Berliner Musiker Geigerzähler


https://www.facebook.com/events/kvu-kirche-von-unten/der-kurze-sommer-der-anarchie/755574864897043/

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